Achte Tagung des Projektbeirats „Leiseres Mittelrheintal“ in Kamp-Bornhofen
Betroffene hielten Mahnwache
Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“ brachte Forderungen vor
Kamp-Bornhofen/Weißenthurm. Im vergangenen Monat tagte der Projektbeirat „Leiseres Mittelrheintal“ zum achten Mal, um über die Bahnlärmsituation im Mittelrheintal zu beraten. Als Fazit ist festzustellen: Vor dem Hintergrund der Machbarkeitsstudie des Ingenieurbüros Wölfel, sind die Möglichkeiten der Lärmreduzierung für die gepeinigten Bahnanwohner bereits bekannt.
Insbesondere Geschwindigkeitsreduzierungen bei Ortsdurchfahrten, aber auch regelmäßiges Warten und Schleifen des Schienenkörpers, Umrüstung der lauten Güterwagen, Einbau moderner Weichen oder Anbringung von Schienenstegdämpfern kann zur raschen Anhebung der Lebensqualität der Bahnanwohner führen. Es fehlt nicht an den Möglichkeiten, sondern am politischen Willen die erforderlichen finanziellen Mittel bereitzustellen.
Selbstverständlich wurde diese Zusammenkunft erneut durch die Bürgerinitiativen gegen Bahnlärm aus dem ganzen Mittelrheintal von Bonn bis Mainz/Wiesbaden mit einer Mahnwache begleitet. Wie immer nahmen auch zahlreiche Mitglieder der sehr aktiven Bürgerinitiative „WIR gegen Bahnlärm in der VG Weißenthurm e.V.“ an dieser Mahnwache teil und brachten die berechtigten Forderungen nach Schutz der rheinischen Heimat und ihrer Menschen vor.
Der Vorsitzende des Vorstands der Deutschen Bahn AG Dr. Rüdiger Grube ließ sich wegen Verhandlungen mit den Gewerkschaften der Lokführer entschuldigen und sandte Vorstand Dr. Heike Hanagarth an den Rhein. Sie stellte sich vor dem Tagungshotel den Fragen bahnlärmgeplagter Anwohner sowie von Wolfgang Schneider, der die Mahnwache moderierte. Klaus-Peter Wilsch, Mitglied des Bundestags, und Staatsminister Roger Lewentz zeigten sich hoch erfreut darüber, dass die Bürgerinitiativen in ihren Aktivitäten nicht nachlassen. „Wenn irgendwann bei einer Beiratssitzung keiner mehr von den Bürgerinitiativen demonstrierend vor der Tür steht, dann haben wir es geschafft, oder Sie sagen, das hat alles keinen Wert mehr. Mir ist es dann lieber, Sie kommen nicht mehr, weil wir alle Maßnahmen bis 2020 hinbekommen haben“, so Lewentz. Wilsch und Lewentz betonten: „Der Projektbeirat ist ein gemeinsamer Runder Tisch. Hier wird von Seiten der Bahn AG, der Politik und den Bürgerinitiativen ernsthaft gearbeitet.“ Zu den Tagesordnungspunkten gehörte dieses Mal auch die Westerwald-Taunus-Tunnellösung, die von Dr. Ing. Rolf G. Niemeyer initiiert wurde. Hermann Winter, Vorstandsmitglied in der Weißenthurmer Bürgerinitiative merkte an: „Auch durch unsere Mahnwachen tragen wir klare Fragen und Forderungen an die Vertreter der Deutschen Bahn AG, aber insbesondere an die Politikerinnen und Politiker auf Landes- und Bundesebene vor. Wir möchten immer wieder darauf hinweisen, dass das Thema Bahnlärm und Erschütterungen im Rheintal die Menschen und deren Gesundheit bereits heute in unerträglicher Weise belastet. Eine Zunahme des Güterzugverkehrs nach Eröffnung des Gotthard-Tunnels 2016 ist daher nicht mehr hinnehmbar.“ „WIR“-Vorstandsmitglied Johannes Juchem verwies: „Durch die Zunahme der Belastungen durch noch mehr Güterzüge werden die Ortskerne im Mittelrheintal weiter veröden. Der Tourismus wird massive Einbußen erleben, und die Immobilienwerte in Bahnnähe werden einen drastischen Verfall hinnehmen müssen, wenn die Deutschen Bahn AG, das Mittelrheintal weiter zur am stärksten befahrenen Güterzugtrasse Europas und wohl auch der Welt ausweitet.“ Bernd Scharn, „WIR“-Mitglied äußert sich: „Über die ständige Bedrohung durch Gefahrguttransporte auf der Schiene, ob mit Chemikalien, Gas, Benzin, radioaktiver oder sonstiger gefährlicher Stoffe, die mit bis zu 120 Kilometern pro Stunde durch Weißenthurm rasen dürfen und damit unser aller Gesundheit und Leben gefährden, möchte ich erst gar nicht nachdenken.“ Positiv bleibt noch zu erwähnen, dass von Seiten der Bahn auf die Bürgerinitiative der Verbandsgemeinde Weißenthurm zugegangen wird. Jürgen Konz, Konzernbevollmächtigter der Deutschen Bahn, erkundigte sich vor der Sitzung bei Hermann Winter über die jüngste Maßnahme, den Einbau der neuen Weichen in Weißenthurm und war erfreut über die Aussage, dass Vibrationen und Lärm merklich gemindert wurden. Die Anliegen der Betroffenen werden inzwischen also von der Bahn ernst genommen. Das zeigt: Ein gesundes Geben und Nehmen hilft beiden Seiten weiter.
Bürgermeister Georg Hollmann, der im Anschluss an die Tagung des Projektbeirats an einer Besprechung mit der Lärmbeauftragten der Deutschen Bahn AG Ines Jahnel teilnahm, stellte folgende Forderungen: 1. Gleichberechtigte Anerkennung des ganzen Mittelrheintals von Bonn bis Mainz/Wiesbaden als das „Epizentrum“ des Bahnlärms in Deutschland. 2. Zeitnahe Umsetzung des „Maßnahmenkatalogs“ im ganzen Mittelrheintal von Bonn bis Mainz/Wiesbaden. 3. Fortsetzung der erfolgreichen Arbeit des Projektbeirats „Leiseres Mittelrheintal“ über 2016 hinaus.
„Wir müssen weiter gemeinsam am Ball bleiben, den Druck aufrecht erhalten, Verbündete gewinnen und mit langem Atem kompetent und engagiert für ein leiseres Rheintal kämpfen“, so Hollmann.
Pressemitteilung der BI
„WIR gegen Bahnlärm
in der VG Weißenthurm e.V.“
