Politik | 26.05.2014

Ein tierisch guter Wahlkampf

Das war sie also: die Kommunalwahl 2014. In zweierlei Hinsicht unterschied sich diese Wahl im Gebiet der VG ganz wesentlich von vorhergehenden Kommunalwahlen. Erstens: Die Parteien waren bemüht, deutlich mehr weibliche Kandidaten aufzustellen. Zweitens: Die Anzahl derjeniger, die als Orts- und Stadtbürgermeister kandidieren, war gering. Insofern war die Urwahl lediglich in St. Sebastian und Mülheim-Kärlich spannend. In beiden Kommunen müssen die Wähler in zwei Wochen, am 8. Juni, erneut zur Wahlurne gehen und dann abschließend entscheiden, wer Orts- bzw. Stadtbürgermeister wird. Abgeschlossen hingegen ist die Wahl für die Orts- und Stadträte, den VG-Rat und den Kreistag. In den neu gewählten Kommunalparlamenten wird man einige neue Gesichter sehen. Mitglieder, die beispielsweise aus Altersgründen nicht mehr angetreten sind, werden wir vermissen. Manche Kandidaten sind auch nicht mehr vertreten, weil sie die erforderliche Mehrheit an Stimmen nicht erzielt haben. Insofern darf man auf die Begründungen gespannt sein, die hierfür vorgebracht werden. Unsere Politiker sind diesbezüglich wesentlich kreativer, als beim Erfinden von Wahlkampfslogans (die sich ohnehin fast alle gleichen). Wie die Vergangenheit gezeigt hat, gibt es meist zwei Gründe für ein schlechtes Abschneiden: einen offiziellen und einen tatsächlichen Grund. Naja, mir ist´s relativ egal, weil es an der eigentlichen Tatsache (dem Wahlergebnis) wenig ändert. Die Gründe sind nur für zukünftiges Handeln wichtig, weil man aus der Vergangenheit stets auch immer etwas für die Zukunft lernen soll. Insofern sollten die Parteien allein schon aus Eigeninteresse bemüht sein, die wahren Gründe für ein gutes oder schlechtes Abschneiden bei der Wahl herauszufinden. Für die neu gewählten Kommunalparlamente beginnt nun eine fünfjährige Amtszeit. Ich persönlich finde es gut, dass dieser Zeitraum so lange ist, und würde mir wünschen, dass auch auf Bundesebene alle fünf (anstatt bisher alle vier) Jahre gewählt wird. Als Ausscheller werde ich auch in der neuen Legislaturperiode die ein oder andere Entscheidung unserer Kommunalpolitiker kommentieren, ganz getreu meinem Motto „Unparteiisch, unkonventionell und manchmal auch unbequem“. Dabei sind häufig nicht nur die Beschlüsse das eigentlich Interessante, sondern die kleinen Geschichten am Rande. Insofern fällt auch mein Rückblick auf den Wahlkampf der Parteien etwas ungewöhnlich aus: Fast alle Parteien haben mit Informationsständen auf ihre Kandidaten aufmerksam gemacht. Fleißig in dieser Hinsicht waren die Mülheim-Kärlicher Christdemokraten. Gleich an drei Samstagen hatten sie entsprechende Stände aufgebaut, zuletzt auch am vergangenen Wochenende, also kurz vor der eigentlichen Wahl. Zur großen Überraschung standen die Christdemokraten im Stadtteil Kärlich jedoch nicht unmittelbar neben dem Lebensmittelgeschäft in der Hauptstraße, sondern rund 20 Meter davon entfernt. Natürlich hinterfragte der ein oder andere Kunde, warum man sich denn nicht in die direkte Nähe des Geschäftes gestellt habe, wie das eine Woche zuvor auch von der Mülheim-Kärlicher SPD praktiziert wurde. Stadtratsmitglied Edgar Bengel verwies auf die Erfahrung der Sozialdemokraten. Als diese ihr Wahlkampfmaterial verteilten, mussten sich deren Kandidaten häufiger den Wahlkampfslogan des Mitbewerbers anhören: „Mehr denn je, FWG!“. Wie sich herausstellte, war jedoch nicht FWG-Mitglied Toni Gräf, sondern ein sprechender Papagei der ungewöhnliche Wahlkampf-Helfer. Die Sozialdemokraten fragten den Inhaber des Lebensmittelgeschäftes, wieso der gefiederte kleine Freund diesen Satz aufsage. „Der hat das auf dem Wahlkampf-Plakat gelesen“, so die erklärende Antwort. Nun wollen Sie bestimmt wissen, ob der Papagei auch am Sonntag im Wahllokal von seinem Stimmrecht Gebrauch gemacht hat. Natürlich war das nicht der Fall. Der Papagei durfte nämlich noch nicht wählen, da er das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet hat.

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