Mülheim-Kärlicherin absolvierte Freiwilligendienst in Tansania
Erfahrungen fürs Leben gesammelt
Nina Brandenburger arbeitete in einem 6.800 Kilometer entfernten Krankenhaus und Waisenhaus
Mülheim-Kärlich. Vor Reisen in gewisse Regionen von Afrika wird derzeit aufgrund der Infektionskrankheit Ebola gewarnt. Die Epidemie breitet sich in Westafrika immer weiter aus. Eine junge Frau aus dem Stadtteil Urmitz-Bahnhof ist vor wenigen Wochen aus Afrika zurückgekehrt: Insgesamt zehn Monate war sie im Rahmen eines Freiwilligendienstes in einem Krankenhaus sowie in einem Waisenhaus tätig. Ihr Einsatzort lag jedoch nicht im westlichen Krisengebiet des schwarzen Kontinents, sondern im ostafrikanischen Staat Tansania. Das rund 41 Millionen Einwohner zählende Land grenzt an Kenia, Uganda, Ruanda sowie Mosambik und gehört zu den ärmsten Regionen der Welt. Warum verlässt eine 24-Jährige Freunde und Familie, um in einem rund 6.800 Kilometer entfernten Land zu helfen?
Nina Brandenburger absolvierte in einem Krankenhaus in Bad Neuenahr eine dreijährige Ausbildung zur Gesundheits- und Krankenpflegerin. Schon immer war es ihr Wunsch, den afrikanischen Kontinent zu besuchen. Aufgrund ihres Berufs wurde sie auf die Partnerschaft der Caritas mit einem Krankenhaus in Tansania aufmerksam. In dem Ort Tosamaganga gibt es ein Krankenhaus mit über 200 Betten sowie ein Ärzte- und Krankenschwestern-Ausbildungszentrum. Insofern ist die Einrichtung für das Personal nicht nur humanitär von großer Bedeutung, sondern auch für die eigene Fortbildung, da man in vielen Bereichen Erfahrungen sammeln kann.
Mehr als eine Krankenschwester
Freundlicherweise hat Nina Brandenburgers Arbeitgeber sie für die Zeit des Aufenthalts von Oktober 2013 bis Juli 2014 ohne Dienstbezüge beurlaubt. Vor Ort war sie jedoch nicht als Krankenschwester im klassischen Sinne, sondern als Freiwillige tätig. „Das hatte den großen Vorteil, dass ich nahezu in allen Bereichen tätig war“, so die 24-Jährige, die ihre Mithilfe bei der Geburt eines Kindes als schönstes Erlebnis nennt. Untergebracht war Nina Brandenburger im benachbarten Waisenheim, wo sie ebenfalls tätig war. Dort leben 75 Kinder im Alter bis zu sieben Jahren.
Die Arbeit mit den Kindern hat ihr besonders viel Spaß gemacht. „Für die Kleinen war man eine wichtige Bezugsperson“, so die Mülheim-Kärlicherin. Etwas ungewohnt für sie waren die kulturellen Besonderheiten. So tragen beispielsweise Frauen stets Röcke, Männer mit kurzen Hosen sieht man fast nie. Auch kulinarisch gibt es Unterschiede zu Deutschland. „Wenn das Brot frisch gebacken wurde, war es okay. Aber es gab immer nur eine Sorte: Weißbrot. Da weiß man das umfangreiche Angebot in Deutschland erst richtig zu schätzen“, berichtet Nina Brandenburger. Die Wäsche musste sie übrigens von Hand waschen. Aber immerhin gab es vor Ort auch einen Fernseher, sodass sie die Spiele der Fußball-WM verfolgen konnte.
An die fremde Kultur gewöhnt
Selbstverständlich haben ihr während des Aufenthalts in Afrika ihre Familie, ihre Freundinnen und ihr Freund gefehlt.
„Ich würde aber jederzeit wieder dort tätig werden, es war eine tolle Erfahrung“, so Nina Brandenburger rückblickend. „Was ich gelernt habe? Offenheit, eine geduldige Lebensweise, mit den Dingen auszukommen, die man hat, sowie sich schnell an eine andere Kultur zu gewöhnen und darin aufzugehen“, resümiert die Mülheim-Kärlicherin.
Ihrem Arbeitgeber ist sie sehr dankbar, dass sie die Möglichkeit erhalten hat, in Tansania humanitär hilfreich zu sein. Ganz uneigennützig war der Einsatz für sie aber auch nicht: Sie hat jede Menge Erfahrungen gesammelt, die ihr nicht nur im Beruf, sondern auch im Leben zugute kommen.
Die Mülheim-Kärlicherin arbeitete auch in einem Waisenhaus, in dem bis zu siebenjährige Kinder leben.
