Kunstwerke Weißenthurm
Historische Kanzelbilder in Weißenthurm: Restaurierung und Bedeutung religiöser Kunst
aus Weißenthurm
Weißenthurm. Großes Interesse fand eine gemeinsame Veranstaltung des Katholischen Gemeindeteams und des Geschichtsvereins Weißenthurm in der Pfarrkirche „Heilige Dreifaltigkeit“. Rund 50 Besucherinnen und Besucher nutzten die Gelegenheit, mehr über die Restaurierung von fünf seltenen Bildtafeln des Koblenzer Malers Jakob Bachta zu erfahren.
Die Gemälde zeigen Christus sowie die vier Evangelisten und gehörten ursprünglich zur ersten Kanzel der Kirche. Diese entstand zusammen mit dem von Johann Claudius von Lassaulx entworfenen Gotteshaus um 1840. Im Zuge der Erweiterung der Kirche durch den Architekten Caspar Clemens Pickel um die Jahrhundertwende wurde die alte Kanzel entfernt. Die Bildtafeln galten lange Zeit als verschollen und wurden erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt.
Einen unmittelbaren Einblick in die laufenden Restaurierungsarbeiten vermittelte die Koblenzer Diplom-Restauratorin Katrin Etringer. In einer eigens eingerichteten offenen Werkstatt im Seitenschiff der Kirche zeigte sie anhand zweier Bildtafeln die Veränderungen vor und nach der Restaurierung. Dabei erläuterte sie die unterschiedlichen Arbeitsschritte, den Umgang mit Schäden am Holzträger sowie die behutsame Freilegung und Sicherung der historischen Farbschichten. Die Besucher nutzten die Gelegenheit, viele Fragen zu stellen und mit der Fachfrau ins Gespräch zu kommen.
Für die kunsthistorische Einordnung sorgte der Kunsthistoriker Dirk Hamann. In seinem Vortrag zeichnete er Leben und Schaffen des Koblenzer Künstlers Jakob Bachta nach. Der 1806 geborene Maler erhielt von Baumeister Lassaulx den Auftrag zur Gestaltung der Weißenthurmer Kanzelbilder. Weitere Aufträge führten ihn unter anderem nach Stolzenfels und Treis. Da heute nur wenige Werke Bachtas erhalten sind, kommt den Weißenthurmer Bildtafeln eine besondere Bedeutung zu. Sie zählen zu den seltenen erhaltenen Beispielen religiöser Tafelmalerei aus der Mitte des 19. Jahrhunderts im nördlichen Rheinland.
Die Restaurierung der Kunstwerke verursacht Kosten von rund 8.000 Euro. Dass deren Erhalt auch überregional als wichtig angesehen wird, zeigt die finanzielle Unterstützung durch das Bistum Trier, das sich mit einem Zuschuss von 25 Prozent an den Kosten beteiligt.
Nach dem offiziellen Teil setzte sich der Austausch bei kleinen Snacks sowie Wein und Wasser fort. Dabei zeigte sich, dass die Veranstaltung weit über die Region hinaus Aufmerksamkeit erregt hatte. Mehrere Gäste berichteten, eigens aus der Eifel oder dem Westerwald angereist zu sein. Aufmerksam geworden waren sie durch eine Veröffentlichung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, die das Restaurierungsprojekt vorgestellt hatte.
Für die Veranstalter war dies ein erfreulicher Beleg dafür, dass die Geschichte der Weißenthurmer Kirche und ihrer lange verloren geglaubten Kunstwerke weit über die Stadtgrenzen hinaus Interesse weckt.
Weitere Themen
Diplom-Restauratorin Katrin Etringer erläutert die Schäden der Bildtafeln Foto: Udo Weber