20. Dienstags-Demo gegen Bahnlärm in Neuwied
Immer wieder Flagge zeigen
Klare Worte auch aus der Politik
Weißenthurm/Neuwied. Immer mehr Menschen engagieren sich für ein leiseres Rheintal und gegen den unerträglichen Bahnlärm in Verbindung mit immer stärkeren Erschütterungen sowie der ständigen Bedrohung durch Gefahrguttransporte. Auch bei der 20. Dienstags-Demo in Neuwied ist den Betroffenen und Unterstützern der lange Atem im Kampf für ein menschenwürdiges Leben an und mit der Bahn und damit für die Zukunft des Mittelrheintals nicht ausgegangen.
„Achtung Grube“ und „Für ein leiseres Rheintal“: Diese Schlachtrufe begleiteten auch die nun bereits 20. Dienstags-Demo gegen Bahnlärm in Neuwied, zu der die „Interessengemeinschaft Schutz gegen Bahnlärm und Erschütterungen e. V.“ aus Bad Hönningen wieder eingeladen hatte. Der Landtagsabgeordnete Fredi Winter, der Oberbürgermeister der Stadt Neuwied, Nikolaus Roth, und der Stadtbürgermeister der Stadt Weißenthurm, Gerd Heim, zeigten durch ihre Anwesenheit ihre Solidarität mit den lärmgeplagten Bahnanwohnern. Erstmals nahm der neue Landrat des Rhein-Lahn-Kreises Frank Puchtler an der Dienstags-Demo teil und stellte gleich zu Beginn seines engagierten Grußwortes fest, dass das bahnlärmgeplagte Mittelrheintal von Hessen über Rheinland-Pfalz bis NRW reicht und das es gilt, über Landes- und Parteigrenzen hinweg im Kampf gegen den immer stärkeren Bahnlärm zusammen zu stehen. Den Anwesenden rief er zu: „Wichtig ist, dass Sie hier stehen, dass sie Flagge zeigen, auch in den Ferienmonaten und sagen "Achtung Grube, Achtung Berlin", wir stehen hier und brauchen Entlastung, denn Bahnlärm macht die Menschen krank und verhindert die Strukturentwicklung in unserem Mittelrheintal. Als Folge ziehen die jungen Menschen von hier fort. Dieser Entwicklung muss rasch Einhalt geboten werden.“ Unter großem Beifall fügte er an, dass die Menschen entlang der Bahnlinien endlich handfeste Maßnahmen und greifbare Ergebnisse sehen wollen.
Demonstration jeden zweiten Dienstag
Seit Januar 2013 treffen sich Menschen aus dem Mittelrheintal an jedem zweiten Dienstag eines Monats um 19 Uhr vor dem Bahnhof von Neuwied, um gegen den inzwischen unerträglichen Bahnlärm zu demonstrieren und Bahn und Politik aufzufordern, endlich spürbare Maßnahmen zur Bahnlärmreduzierung verzugslos in Gang zu setzen. Der Bahn wird vorgeworfen, auf Zeit zu spielen und die Reduzierung von Bahnlärm im Rheintal, aber auch in anderen, von Bahnlärm besonders betroffenen Bereichen Deutschlands, zugunsten der Gewinnmaximierung in unverantwortlicher Weise zu verschleppen. „Wir kommen uns manchmal vor wie David gegen Goliath, wenn wir gegen die scheinbar übermächtige Bahn und gegen eine Geld, Geiz und Gier-Mentalität aufstehen, die unsere Menschenwürde als Bahnanwohner mit Füßen tritt“, erklärt eine Teilnehmerin und ein anderer Bahnanwohner ergänzt: „Noch vor zehn Jahren glaubte ich, dass ich mich an den Bahnlärm gewöhnt habe. Die verheerende Entwicklung der letzten Jahre macht aber ein menschenwürdiges Leben an und mit der Bahn unmöglich. Alle paar Minuten donnern Züge mit oft über 100 Dezibel Tag und Nacht an unseren Häusern vorbei.“
Thomas Przybylla, Erster Beigeordneter der Verbandsgemeinde Weißenthurm und Mitglied der Weißenthurmer Bürgerinitiative gegen Bahnlärm, der selbst viele Jahre an der Bahn gewohnt hat, zitierte zu Beginn seiner Ansprache den amerikanischen Schriftsteller Ambrose Bierce, der bereits vor über hundert Jahren feststellte: „Lärm ist wie Gestank für die Ohren“. Begeistert wurde von den Teilnehmern seine Erkenntnis aufgenommen, dass die Forderung nach einem Mindestmaß an Lebensqualität absolut berechtigt sei und die Menschen über Parteigrenzen im Kampf für ein leiseres Rheintal eine. Ausdrücklich lobte er das große Engagement und die nachhaltige Motivation der Demo-Teilnehmer über einen so langen Zeitraum. Dabei wies er darauf hin, dass es auch die öffentliche Sorgfaltspflicht gebiete, sich um die Bahnlärmproblematik intensiv zu kümmern und dass es in der Verantwortung des Lärmverursachers liege, etwas gegen den Lärm zu tun. „Wir fordern, dass die Lärmminderungsmaßnahmen endlich konsequent und zeitnah umgesetzt werden. Hierzu zählen die Einführung eines Tempolimits, das Nachtfahrverbot für Güterzüge und die konsequente Umrüstung der Güterwagen auf sogenannte Flüsterbremsen“, so Thomas Przybylla und er merkte an, dass die derzeitige Umrüstung viel zu langsam erfolge. Nach einem kurzen Rückblick auf die vielfältigen Aktivitäten gegen Bahnlärm und das bisher Erreichte, wobei er besonders die im Aufbau befindliche parlamentarische Arbeitsgruppe „Bahnlärm“ lobend erwähnte, ging er am Ende seiner Ausführungen auf die Gefahren ein, die vom Bahnbetrieb durch Gefahrguttransporte, unter anderem mit Uran, ausgehen.
Rolf Papen von der Weißenthurmer Bürgerinitiative, der diese Dienstags-Demo moderierte, stellte am Ende der Veranstaltung fest, dass sowohl Landrat Frank Puchtler, als auch Thomas Przybylla den lärmgeplagten Bahnanwohnern aus der Seele gesprochen haben. Für ihn war Przybyllas Botschaft an die Zuhörer, der sich auch Landrat Puchtler anschloss, besonders wichtig: „Man darf die Gesundheit der Menschen und am Ende auch Menschenleben nicht in einer Kosten-Nutzen-Analyse gegen Geld aufwiegen. Dieser Umgang mit unseren Bürgerinnen und Bürgern verbietet sich in unserem demokratischen Rechtsstaat, in dem der Schutz der Menschenwürde oberstes Gebot ist.“
Pressemitteilung
Bürgerinitiative gegen Bahnlärm „WIR in der VG Weißenthurm e.V.“
