„Mir seyn klor“ Kaltenengers begeisterte mit sechsstündiger Sitzung zum 111-jährigen Jubiläum
„Lachmuskeln in Dauerbeanspruchung“
Hunderte Narren hielt es in einem Programm der Superlative nicht mehr auf ihren Sitzen
Kaltenengers. „Sagt die Lehrerin zu einer Mutter: Mit dem, was Ihr Sohn nicht weiß, können noch acht weitere Schüler sitzen bleiben.“ Mit diesen und weiteren Witzen trieb „Der einsame Doof“ (Guido Häring) den Narren in der Kaltenengerser Jakob-Reif-Halle die Lachtränen in die Augen und weiter: „Ich sollte für 50.000 Euro in Las Vegas einen Vortrag halten, aber ich hab´ das Geld nicht zusammenbekommen.“ Stunden vorher hatten die beiden Sitzungspräsidenten Walter-Hans Schäfer und Jochen Rünz hunderte Narren, darunter zahlreiche Ehrengäste aus Politik und Wirtschaft, zur Jubiläumssitzung begrüßt. Schließlich feiert die Kaltenengerser Karnevalsgesellschaft „Mir seyn klor“ (MSK) in dieser Session ihr 111-jähriges Bestehen. Stehend und mit „Kallengisch Helau“ hießen die Narren Prinz Werner III., der lachende Hundenarr, und Prinzessin Sarah I. von Unkelhausen mit Hofstaat willkommen. Und damit die Untertanen wissen, wie sie sich in dieser Session zu verhalten haben, wurden die elf Gesetze seiner Tollität verlesen, in denen es unter anderem, gerichtet an die Ortsverwaltung, heißt: „Weiterhin ist der Brunnen vor der Kirche immer mit frischem Bier zu füllen“. Mit einer tollen Vorführung, die Judith Neumann einstudiert hatte, begeisterte dann das Kindertanzpaar Maya Girod und Lukas Häring. „Der Beck ist weg, am Nürburgring hat er 400 Millionen Euro verblasen, jetzt können die Formel-Eins-Piloten dort richtig rasen“, meinte in der Bütt „Der Till“ (Walter-Hans Schäfer) bei seinem Prolog über politische und andere Ereignisse des vergangenen Jahres, die von der Koblenzer Seilbahn über die GroKo bis hin zum NSA-Skandal reichten. Mit einer gewagten Pyramide beeindruckte die Jugendgarde zum Abschluss ihres Tanzes, den Isabell Keil und Viola Theisen choreographiert hatten. „Je oller desto toller“ meinte Sitzungspräsident Walter-Hans Schäfer zum „Kallengier Käthche“ (Birgit Girod). Die bezeichnete sich als schön knackig, vor allem morgens, „…da knackt es hier, und da knackt es da…“ Dem Elferrat verordnete sie eine „Gumminastik“: „Schön die Ärmche hoch“ und das während ihres ganzen lustigen Vortrags. Zum Schluss hatte sie noch ein Kunststück aus der Gentechnik parat: „Ich gehn jetzt.“ Nach dem flotten Tanz der Prinzengarde, den Melanie Dötsch und Judith Schäfer einstudiert hatten, erzählte der Möhnenverein Kaltenengers eine Geschichte mit Verkehrsschildern, als ein Mann ein Mädchen traf und so weiter… Jedenfalls konnten sich die Aktiven, so wie viele andere auch, über einen riesigen Beifall freuen. Für „Et Thusnelda“ (Sepra Boos aus Urmitz) war die stetige humorvolle Auseinandersetzung mit den beiden Nachbarorten Thema, wobei aber auch das Verhältnis zwischen den Geschlechtern und ihrer eigenen Figur nicht zur kurz kam. „Mein Vortrag hat ein gebremstes Nivau, darauf ein dreifach Kallengisch Helau“, rief sie dem lachenden Publikum zu. Wie quirlig und gelenkig ein junges Mädchen sein kann, zeigte Tanzmariechen Angela Raczkowiak (Trainerin Sabrina Müller) bei ihrem Soloauftritt. Der Bauer und sein Hausmeister (Berthold Schlösser und Walter-Hans Schäfer) präsentierten in „kallengischer Platt“ einen lokalen Witz nach dem anderen und strapazierten damit die Lachmuskeln der Zuhörer. Dann war „Showtanz-Time“: Nach den „Green Marmelade“ aus Urmitz wurde es dunkel und unheimlich in der Narrhalla: Als gestrenge Polizistinnen wirbelten die Mitglieder der MSK-Jugendgarde über die Bühne. Einstudiert hatten dies Isabell Keil und Viola Theisen. „Hallo liebe Liebenden“ steht auf dem T-Shirt von Rüdiger aus Kallengisch (Markus Landen), der nicht nur Witze mit seinem „Löckchen“ in dieser Richtung zum Besten gab, sondern die Themen fächerte. Ein lustiges Casting mit vier Bewerbern, dabei auch eine fesche Olivia und eine mollige Cindy für einen neuen MSK-Vorsitzenden, derzeit Friedhelm Haymann. Mit dem tausche dann Sieger aus „Örms“ sein grünes gegen das rote Jackett. Exotisch wurde es, als Dschungelmädchen die Bühne eroberten. Die Mitglieder der Prinzengarde brillierten mit einem fantastischen Showtanz, den Melanie Dötsch und Judith Schäfer einstudiert hatten. Es ist fast schon Tradition, dass in Kaltenengers Elferrat und Vorstand mit ihrer MSK-Hitparade für den letzten Programmpunkt sorgen. Präsentiert von Prinzessin Sarah (Müller) mimten die Aktiven unter anderem Andreas Gabalier, Helene Fischer und Heino und brachten die Narren so in Stimmung, dass sie auf die Stühle stiegen. Diese Show mündete in das große Finale, mit dem nach fast sechs Stunden ein dem Jubiläum gerechtes närrisches „Feuerwerk“ endete. Um aber den Wünschen aller MSK-Fans gerecht zu werden, wurde die Prunksitzung einen Tag später wiederholt. Hier präsentierte dann auch die Zwergen- und Kindergarde ihren Garde- und Showtanz.
Abgehoben hatten die Dschungelmädchen der Prinzengarde.
Der Möhnenverein Kaltenengers hatte eine Geschichte mit Verkehrsschildern erzählt.
Der einsame Doof, Guido Häring.
