Allgemeine Berichte | 28.04.2015

Bürgerverein Kesselheim gedenkt mit einer besonderen Ausstellung an Kriegsgefallene

Nur ein Totenzettel als Gedenk- und Erinnerungsstück

Der alte und neue Vorsitzende des Bürgervereins Kesselheim, Hans-Klaus Daumen (r.), und Frank Schuth, zeigen die für die Ausstellung zusammengetragenen Totenzettel.BSB

Koblenz-Kesselheim. Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Zu den insgesamt schätzungsweise rund 55 Millionen Kriegstoten zählen mehr als sechs Millionen deutsche Soldaten und Zivilisten, rund 1,3 Millionen Soldaten wurden als vermisst gemeldet. Den 70. Jahrestag des Kriegsendes nimmt der 1892 gegründete Bürgerverein Kesselheim in Zusammenarbeit mit dem Ortsvereinsring Kesselheim zum Anlass, besonders der Kesselheimer gefallenen und vermissten Soldaten beider Weltkriege zu gedenken. Im Anschluss an eine Ökumenische Gedenkfeier am 8. Mai um 19 Uhr in der Katholischen Pfarrkirche St. Martin und eine Kranzniederlegung am Kriegerdenkmal wird eine sehr besondere Ausstellung im Casino des Bürgervereins, Kaiser-Otto-Straße 60, eröffnet. Sie soll erinnern an all jene, deren Namen am Kriegerdenkmal in Stein gemeißelt sind. Oftmals war es nur ein gedruckter Totenzettel, der den Angehörigen der vorwiegend jungen Männer als Gedenk- und Erinnerungsstück blieb, wenn diese von den Schlachtfeldern nicht mehr zurückkehrten. Neben einem Bild des Verstorbenen – meist in Uniform – enthalten die Zettel in der Regel seinen Namen, das Geburts- und Sterbedatum, den Geburts- und Sterbeort, den militärischen Dienstgrad, seine charakterlichen Vorzüge und ein Gebet. Auf vielen Totenzetteln finden sich dazu anerkennende Sätze wie: „In treuer Pflichterfüllung opferte er sein Leben für seine geliebte Heimat“. Einer der insgesamt 34 in der Ausstellung gezeigten Totenzettel (davon nur zwei aus dem Ersten Weltkrieg) ist für Nikolaus Rohmann ausgestellt worden. Er starb 1943 in Stalingrad. Er war der Onkel von Hans-Klaus Daumen, dem vormaligen Vereins-Vorsitzenden, der außerdem 25 Jahre lang das Amt des Ortsvorstehers in dem 1969 eingemeindeten Ort ausübte. Fast jeden Mitbürger kennt der 1938 in Kesselheim geborene Daumen mindestens von Angesicht. Ihren Toten und Vermissten „ein Gesicht geben“ will er zum bevorstehenden Jahrestag des Kriegsendes. „Es ist die letzte Chance, das zu tun“, sagt er und investierte dafür zwei Jahre mühevolle und akribische Arbeit.

Den Toten und Vermissten „ein Gesicht geben“

Er bewerkstelligte es, die Totenzettel der Kesselheimer Gefallenen des Zweiten Weltkriegs zusammenzutragen. Darüber hinaus gelang es ihm, für jeden der rund 90 Kesselheimer Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege eine kleine Biografie zu erstellen. Dafür befragte er deren Familien und Bekannte, alte Kesselheimer Bürger, durchforstete Kirchenbücher, Archive und Melderegister und füllte schließlich etliche Ordner mit den Daten und den vielen, ihm überlassenen Fotografien und Dokumenten. Gehilfenbriefe, Abschlusszeugnisse, persönliche Briefe, Ehrungen, Urkunden und mehr sind die Unterlagen, die den Besuchern der Ausstellung den meist kurzen und oftmals sehr hoffnungsvollen Lebensweg der Gefallenen aufzeigen sollen. Was dort zu sehen und zu lesen ist, kann selbst nach 70 Jahren niemanden unberührt lassen. Genau das bezweckt Daumen mit der Ausstellung. Er will berühren, will erinnern an die Kesselheimer, die den viel gerühmten „Heldentod“ starben und an die Vermissten, deren Schicksal im Ungewissen blieb. Der neue Vorsitzende des Bürgervereins Kesselheim, Frank Schuth, hofft, dass möglichst viele Schulklassen die Ausstellung besuchen werden, damit diejenigen, denen die Ausstellung gewidmet ist, auch von der jungen Generation nicht vergessen werden. Um das Ergebnis der Recherchen zur Vorbereitung der Ausstellung dauerhaft zu erhalten, wünscht sich Daumen, ein Buch dazu herauszubringen. Da der 455 Mitglieder starke Bürgerverein Kesselheim die Kosten dafür nicht aufbringen können wird, hofft der Vorstand, Unterstützer und Sponsoren zur Umsetzung des Projektes zu finden.

Die Ökumenische Gedenkfeier am 8. Mai wird gestaltet durch Pfarrer Eric Condé von der katholischen und Pfarrer Wolfgang Hüllstrung von der evangelischen Kirchengemeinde. An der Feier mitwirken werden der Männergesangverein 1865 Kesselheim, der Trompeter Theo Dötsch, der Kirchenchor Cäcilia Kesselheim, die Freiwillige Feuerwehr Koblenz-Nord und Vertreter der rund 20 Kesselheimer Ortsvereine. Die Ausstellung im bewirtschafteten Casino ist geöffnet vom 9. bis 11. Mai, jeweils von 11 bis 17 Uhr.

Auch für Daumens Onkel wurde ein Totenzettel ausgestellt.

Auch für Daumens Onkel wurde ein Totenzettel ausgestellt.

Der alte und neue Vorsitzende des Bürgervereins Kesselheim, Hans-Klaus Daumen (r.), und Frank Schuth, zeigen die für die Ausstellung zusammengetragenen Totenzettel.Fotos: BSB

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