Allgemeine Berichte | 16.06.2013, 17:00 Uhr

Bassenheimer fahren in das polnische Masurenstädtchen Pasym

Silbernes Jubiläum einer wahren Freundschaft

Mit dem Satz „Freundschaft ist eine gute Sache“ empfing der Ortschef die Besucher aus Bassenheim vor genau 25 Jahren.  privat

Bassenheim. Vor 25 Jahren, am 1. Juni 1988, begrüßte der polnische Bürgermeister Andrzej Gralcsyk erstmals den Bassenheimer Kollegen Theobald Groß. Am 25. August fährt eine Gruppe Bassenheimer nach Polen, um die langjährige und erfolgreiche Beziehung zu feiern.

Der Empfang 1988 vor dem Rathaus in Pasym war überaus herzlich, hatte aber nicht nur eine positive Resonanz: Gralczyk wurde vom Regierungspräsidenten in Allenstein zum Rapport zitiert: „Wie kommen Sie dazu, einen deutschen Bürgermeister zu empfangen? Sie wissen doch, dass die Regierung, in Warschau, das verboten hat.“ Der gerügte Ortschef reagierte mutig: „Freundschaft ist eine gute Sache.“

Das Bestreben, eine Partnerschaft mit dem heute polnischen Pasym aufzunehmen, hat einen geschichtlichen Hintergrund.

Die Ritter und Grafen Walpot von Bassenheim erfreuten sich im Deutschen Orden von der Gründung an eines hohen Ansehens. Heinrich Walpot wurde 1198 erster Hochmeister des Ritterordens. Als 1386 erstmals in Masuren ein Dorf Stadtrechte erhielt, wurde die junge Stadt zu Ehren Siegfrieds, des Obersten Spittlers und „Großgebietigers“ des Ordens auf den Namen Bassenheim getauft. Die Ostpreußen machten Passenheim daraus. Die nach 1945, aus ihrer Heimat, vertriebenen Passenheimer feierten 1986 in Bassenheim, der Heimat ihres Stadtvaters, das 600-jährige Bestehen ihrer Stadt. Dabei wurde die Idee geboren, mit Pasym eine Partnerschaft anzustreben.

Die um Unterstützung gebetene polnische Botschaft lehnte freundlich, aber bestimmt ab. „Wir dürfen nicht helfen.“

Der Botschafter gab den Rat, „fahren Sie doch einfach nach Pasym und sehen, was passiert.“

So geschah es 1988. Eine offizielle Partnerschaft mit Pasym wurde jedoch erst nach dem Regierungswechsel in Warschau möglich: Am Kirmessonntag 1992 wurde in einer Sondersitzung des Gemeinderates Bassenheim im Festzelt der Partnerschaftsvertrag von den Bürgermeistern beider Gemeinden unterzeichnet.

In zahlreichen Begegnungen von Vertretern beider Gemeinden wurden kommunale Probleme ihrer Kommunen erörtert. Mit dem Direktor der Schule in Pasym wurde vereinbart, dass 1990 und 1991 zweimal je 30 Schulkinder einen zweiwöchigen Urlaub in Bassenheim verbringen konnten.

In Pasym sind neben den Beziehungen zur Stadt herzliche Verbindungen zur katholischen Pfarrei und der evangelischen Kirchengemeinde entstanden.

Das bedeutendste Baudenkmal in Pasym ist die 1391 von Siegfried Walpot von Bassenheim errichtete Ordenskirche. Die kleine evangelische Kirchengemeinde war mit der dringend notwendigen Sanierung finanziell völlig überfordert.

Als ein bei der deutsch-polnischen Kulturstiftung in Warschau beantragter Zuschuss abgelehnt worden war, hat Bürgermeister Groß zusammen mit dem deutschen Mitglied der Kulturstiftung Prof. Jacobsen aus Bonn, die notwendigen Mittel beschaffen können.

In 25 Jahren gab es immer wieder Ereignisse, zu denen die Gemeinde Bassenheim nach Pasym eingeladen worden ist. Die Jubiläen 610 und 620 Jahre nach der Stadtgründung wurden mit großem Aufwand gefeiert. Beim Jubiläum der Feuerwehr, bei der Gründung eines Heimatvereins und der Einweihung der restaurierten Orgel in der Ordenskirche waren Bassenheimer gern gesehene Gäste. Ein Ereignis war es 2006, als in der Herz-Jesu-Kirche ein deutsch-polnischer Gottesdienst mit dem Bassenheimer Pfarrer Michael Rams stattfand. Aufsehen erregte 2007, als 38 Bassenheimer Pfadfinder ein Zeltlager am Kalbensee aufbauten und viele Jugendliche aus Pasym zum Lagerfeuer kamen.

Bei allen Besuchen in der polnischen Partnerstadt wurden von der Arbeiterwohlfahrt Spenden für Kinder eines Waisenhauses überreicht. Die Kinder bedankten sich stets mit Liedern und kleinen Spielen.

Auf der am 25. August beginnenden Fahrt in das 1250 km entfernte Pasym sind Zwischenübernachtungen in Stettin und Danzig mit Besichtigungen geplant.

Auch eine Dampferfahrt auf dem großen Spierdingsee gehört zum Programm. Am 30. August sind Empfänge und Besichtigungen im Rathaus in Pasym und den beiden Kirchengemeinden vorgesehen.

Infos sind bei Altbürgermeister Groß, Tel. (0 26 25) 63 11 zu erhalten.

Mit dem Satz „Freundschaft ist eine gute Sache“ empfing der Ortschef die Besucher aus Bassenheim vor genau 25 Jahren. Foto: privat

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