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Ein Jahr im Rückblick
oder wie sich das Gemeindepsychiatrische Zentrum „Lichtblick“ wieder in die Gemeinde integrierte
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Der Morgen des 15. Juli – Ahrwasser im Großteil der Stadt, so auch 1,5 Meter hoch in den Räumen und Büros des Gemeindepsychiatrischen Zentrums der Bethesda - St. Martin gGmbH, wo Menschen sich täglich begegneten, miteinander lachten, Rat und Hilfe fanden. Vor dem Eingang standen die Dienstwagen senkrecht, eingekeilt zwischen Schutt und Schlamm. Fassungslos erreichten die Mitarbeiter/innen die ersten Fotos, die zeigten, dass hier vorerst gemeindepsychiatrische Arbeit nicht mehr möglich war. Viele wertvollen Informationen und Arbeitsmaterialien waren im Schlamm unter gegangen.
Einige Diensthandys hatten es an sichere Orte der Mitarbeiter/innen zuhause geschafft und so wurde am gleichen Tag über weite Entfernungen Kontakt untereinander aufgenommen. Nachdem telefonisch alle Verbindungen hergestellt waren, wurde das erste Teamtreffen in einem Café in Wachtberg vereinbart. In den kommenden Wochen fanden ausschließlich hier alle Teambesprechungen statt. Von diesem Ort organisierten sich die Mitarbeiter/innen und nahmen die Aufgaben einer gemeindepsychiatrischen Grundversorgung wieder auf. Eine enge Vernetzung auf digitalem Weg war die Voraussetzung.
Sieben Tage nach dem Flutereignis waren alle Betroffenen kontaktiert. Nun war bekannt, welcher der zuletzt im Kreis Ahrweiler Betreuten unter katastrophenähnlichen Bedingungen in der eigenen Wohnung geblieben war. Viele Klienten/innen waren in andere Kreise und Städte noch in der Flutnacht evakuiert worden. Das Gemeindepsychiatrische Zentrum war plötzlich dezentralisiert. Das neue Zentrum wurde getragen durch eine digitale Gruppe, ein Team von Ergotherapeuten/innen, Sozialarbeiter/innen und Sozialpädagogen/innen.
Da keine Dienstwagen mehr zur Verfügung standen, wurden mit den Privatwagen die Unterkünfte in der Eifel und dem Westerwald angefahren. Klienten/innen, die in die Kliniken in Bonn, Köln oder Andernach eingewiesen wurden, wurden hier ebenso besucht. In den ersten Monaten musste die Büroarbeit in den Privaträumen der Mitarbeiter/innen erfolgen. Mit neuen Laptops ausgestattet, die der Träger zeitnah anschaffte, wurde mit viel Engagement und Zeitaufwand die Arbeit wieder aufgenommen. Über die Anbindung an den Server in der Hauptverwaltung in Boppard konnten viele Daten gerettet werden und dieses bildete die Grundlage für die Rekonstruktion wichtiger Informationen. Beispielsweise konnten hier Medikamenten- und Behandlungspläne eingesehen werden, die in vielen zerstörten Arztpraxen in Bad Neuenahr-Ahrweiler nicht mehr abrufbar waren. Sie bildeten später die Grundlage für die ärztliche Versorgung.
Zunächst fehlte es an allem!
Sehr schnell wurden erste Besuche angekündigt, um zu unterstützen, wo Organisation und Begleitung erforderlich waren. Zunächst fehlte es an allem! Wo gibt es Ärzte? Auf welchen Wegen kommt der Betroffene dorthin? Woher bekommt sie/er ihre/seine Medikamente? Wie kommt man an Kleidung oder Lebensmittel? Der Träger Bethesda - St. Martin gGmbH ließ unbürokratisch allen Betroffenen eine Spende zukommen, mit denen erste existentielle Alltagsgegenstände gekauft werden konnten. Dazu konnte auch ein Mobiltelefon gehören, damit der regelmäßige Kontakt zur Bezugsperson, der ein Stück Sicherheit und Vertrauen bedeutete, gehalten werden und Ängste reduzieren konnte. Gespräche zur Krisenintervention hatten in diesen Wochen einen hohen Stellenwert.
Nach vier Wochen erhielt die Einrichtung das Angebot, die Tagesstätte für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen im Dorfgemeinschaftshaus in Grafschaft-Eckendorf kostenfrei wieder aufleben zu lassen. Das Angebot wurde sofort angenommen. Ein neuer Kleinbus zur Abholung der Besucher/innen aus dem gesamten Kreis Ahrweiler und eine Erstausstattung stellte der Träger kurzfristig zur Verfügung. In der Tagesstätte waren die Strukturen, dank eines professionellen Teams mit langjähriger Berufserfahrung, schnell wieder hergestellt und in den kommenden Wochen erhielten sie viele positive Rückmeldungen der Betroffenen und ihren Familienangehörigen.
Neben der inhaltlichen Arbeit, Betreuung und den Begleitungen, die bei jeder/m einzelnen Mitarbeiter/in unter eigens erschwerten privaten Bedingungen gelang, war nun auch die Organisation des Wiederaufbaus eines funktionierenden Gemeindepsychiatrischen Zentrums gefordert. Es mussten neue Räume für die soziale Einrichtung gefunden werden, was sich zu diesem Zeitpunkt als eine besonders schwierige Aufgabe erwies. In kürzester Zeit mussten weitere Neuanschaffungen zur Ausstattung getätigt werden. Hierbei erleichterte der Träger Bethesda - St. Martin gGmbH diese zusätzlichen Aufgaben durch kurze Dienstwege.
In Grafschaft-Vettelhoven wurden übergangsweise mehrere Büroräume und die Tagesstätte neu eingerichtet. Der Einzug erfolgte im Dezember 2021. Gleichzeitig schaffte Bethesda – St. Martin g GmbH mehrere Dienstwagen, jetzt vollelektrisch, an. Ein Lichtblick!
Ein Ort mit Teamgeist, ein Ort der Freude und des Lachens förderte den Einsatz und Engagement, weitere Hürden zu überwinden. Ein Lichtblick!
Im Frühjahr verließen drei erfahrene Mitarbeiter/innen, die berentet wurden, darunter auch die Leiterin, das Gemeindepsychiatrische Zentrum. Man suchte händeringend nach einem Ausblick, nach einer Perspektive bei dieser kräftezehrenden Wiederaufbauarbeit. Nach intensiver Suche konnten im Mai 2022 zwei neue engagierte Mitarbeiterinnen gewonnen werden. Der langjährige Mitarbeiter Oliver Waschnewski übernahm im Mai 2022 die Leitung des Gemeindepsychiatrischen Zentrums. Ein Lichtblick!
Der Arbeitsalltag hatte sich eingestellt. Inzwischen wurden wieder Kisten gepackt, Wände gestrichen, Möbel bestellt und ein weiterer Umzug liegt erneut hinter dem erfahrenen Team. Im Dezember 2022 kehrten sie zurück in die alten Räume in Bad Neuenahr-Ahrweiler in der Max-Planck-Straße 22 b. Auch hier wurde wieder neu aufgebaut und neu eingerichtet, was zugleich eine Chance der Modernisierung und der Umsetzung neuer Ideen darstellt. Alte Gruppen können wieder neuen Anschluss finden. Ein Lichtblick!
Dankbar schauen sie auf die Zeit, in der alle in Grafschaft-Vettelhoven eine Bleibe hatten und nun freuen sich die Mitarbeiter/innen über alle Besucher/innen, die das Gemeindepsychiatrische Zentrum in Ahrweiler wieder beleben werden.
Ansprechpartner
Wer sich für die Arbeit im Gemeindepsychiatrischen Zentrum interessiert, wer unterstützende Begleitung in der eigenen Wohnung aufgrund einer psychischen Beeinträchtigung sucht, wer die Tagesstätte zum Aufbau einer Tagesstruktur kennenlernen möchte oder unverbindlich ein Angebot der Kontaktstelle nutzen möchte, kann sich Montag bis Freitag zwischen 8 und 17 Uhr bei Oliver Waschnewski unter folgender Mobilnummer (01 60) 96 35 83 16 oder E-Mailadresse oliver.waschnewski@stiftung-bethesda.de melden.
Weitere Ansprechpartnerinnen sind: Ambulanter Dienst und Kontaktstelle: Julia Groß, Mobilnummer: (01 60) 6 17 50 17 und Tagesstätte: Leonie Doppelfeld, Mobilnummer: (01 60) 6 17 50 19.
Wer den Weg zum Gemeindepsychiatrischen Zentrum „Lichtblick“ nicht eigenständig bewältigen kann, wird auch zuhause besucht. Beratung und Unterstützung bei der Beantragung entsprechender Leistungen nach dem Sozialgesetzbuch sind selbstverständlich.
GPZ Ahrweiler
