Allgemeine Berichte | 03.02.2015

Kriegserinnerungen zum 70. Jahrestag von Hermann Lehmann

Als die Adenauer Pfarrkirche durch einen Bombenangriff zerstört wurde

Im linken Seitenschiff wurde Mariechen Hoffman unter den Trümmern verschüttet und erst acht Wochen nach der Bombardierung geborgen.

Adenau. Es war ein winterlicher Samstagnachmittag am 27. Januar 1945 gegen 17 Uhr, meine Mutter und meine Geschwister waren noch mit dem Hausputz beschäftigt, als ich, damals zwölf Jahre alt, im Hof hinter unserem Haus in der Hauptstraße in Adenau bei unserer Nachbarin Frau Haubrichs war und die Kaninchen versorgte. Wir beobachteten hierbei einen amerikanischen Lightning, der in größerer Höhe über Adenau kreiste.

Plötzlich merkten wir, dass dieses Kreisen in einen Angriff im Tiefflug überging. Ich flüchtete mit der Familie Haubrichs in den gegenüberliegenden Keller der Metzgerei Lahr, wo bereits mehrere Bewohner dieses Hauses, unter anderem auch Pastor Dederichs, Schutz suchten. Wir hatten kaum den Luftschutzkeller erreicht, als bereits eine riesige Detonation zu hören war. Die Kellertür sprang auf und Herr Haubrichs stürzte in den Keller und sagte: „Unsere Kirche ist zerstört“. Als der Angriff vorüber war und die Luft wieder rein war, verließen wir den Luftschutzraum und ich hatte große Sorge, da meine Mutter mit meinen drei Geschwistern nicht bei mir ware, sondern Schutz in unserem Splittergraben im Garten in der Holl gesucht hatte. Zunächst waren wir alle froh, dass wir den Angriff überlebt hatten. Die schneebedeckte Straße war übersäht mit braunem Staub und Trümmerteilen von der zerstörten Kirche. Wir gingen in unser Haus, welches nur 50 Meter Luftlinie von der Kirche entfernt lag und mussten feststellten, dass auf der zweiten Etage, genau dort, wo das Ehebett unserer Eltern stand, ein riesiger Stein das Dach und die Decke des Schlafzimmers durchschlagen hatte.

Als wir zur Kirche schauten, sahen wir nur noch einen großen Bombentrichter und in den Trümmern herumliegende Teile der Orgel, des Gestühls und der Dachkonstruktion der alten Kirche. Später erfuhren wir dann, dass unter den Trümmern bei diesem Angriff unser früherer Lehrer Josef Capitain sowie Fräulin Mariechen Hoffmann verschüttet seien, die in der Kirche Schutz gesucht hatten. Es wurde sofort begonnen, nach den beiden zu suchen. Vier Tage später, am 31. Januar 1945, wurde die Leiche von Josef Capitain und acht Wochen später die Leiche von Mariechen Hoffmann gefunden.

Es war ein riesiges Glück, dass bei diesem Angriff nicht noch mehr Opfer zu beklagen waren, da zu dieser Zeit viele Gläubige zur Beichte gingen und sich in der Kirche immer sicher fühlten. Wir waren natürlich sehr traurig, dass unsere schöne alte Kirche nun in Trümmern da lag, wo wir doch immer so gerne als Messdiener der Küsterin Trautchen Schorn helfen durften.

Leider war mit diesem Angriff der Schrecken durch die Tieffliegerangriffe nicht vorüber, denn in den nachfolgenden Tagen folgten noch weitere Bombenangriffe auf Adenau. Wegen der näher rückenden Front und der Häufung der hier eingerichteten Verpflegungslager im Bereich des Bahnhofs bis zum Markt mussten wir täglich mit Angriffen rechnen. Außer der Zerstörung der Pfarrkirche wurden noch die Adler Apotheke, die Häuser Nikolaus Hoffmann, Haus Joas, Dr. Frings, Görgen, Hees und Breitenbach zerstört bzw. unbewohnbar. Da zu dieser Zeit auf dem Adenauer Bahnhof immer wieder kriegswichtige Güter, unter anderem die „Wunderwaffe V2“, von den Waggons auf LKW umgeladen wurden, war er auch ein Hauptziel der Tieffliegerangriffe. Aus diesem Grunde wurden auch viele Häuser in diesem Umfeld zerstört oder unbewohnbar.

Von diesem Zeitpunkt an war zu erkennen war, dass die Angriffe auf diese Bereiche gerichtet waren. Die Bewohner flüchteten entweder in den Wald, wo man sich eine Hütte baute, oder in den oberen Stadtteil von Adenau. So mussten wir auch unser Haus in der Hauptstraße am Markt verlassen. Die wichtigsten Sachen brachte uns Franz Sebastin Lehmann (Esels Fränz) mit seinem Pferdegespann zum Leidinger Platz, wo wir in einer Garage unser Schlafzimmer aufstellen konnten, während unsere Küche vorübergehend auf dem Gassenpösch in einer Mansarde eingerichtet wurde. Leider war der Krieg noch nicht zu Ende und wir mussten von hier aus noch erleben, wie das Kriegslazarett im Kölner Kinderheim auch Ziel eines Angriffs wurde, wobei wieder mehrere Menschen ums Leben kamen.

Am 9. März standen wir auf dem Leidinger Platz und sahen, wie die amerikanischen Panzer und Infanteristen einrückten, ohne das ein Schuss gefallen ist. Ab diesem Zeitpunkt konnten wir wieder ruhig schlafen. Unser Haus in der Hauptstraße wurde notdürftig repariert und „Esels Fränz“ brachte unser Hab und Gut wieder in die Hauptstraße 95. Nach Kriegsende kam dann zunächst für uns eine neue Sorge, denn unser Vater, der im Mai 1940 zum Kriegsdienst eingezogen wurde, war zunächst vermisst. Täglich warteten wir auf eine Nachricht von ihm mit der Sorge, ob er wohl den Krieg überlebt hat. Erst im April 1946 kam dann das erste Lebenszeichen von ihm, dass er sich in amerikanischer Gefangenschaft befinde. Glücklicherweise wurde er bereits kurze Zeit danach aus der Gefangenschaft entlassen. Wie froh waren wir vier Kinder und Mutter Christine, als wir am Karsamstag 1946 unseren Vater, gekleidet in einer schwarz gefärbten Uniform, auf dem Rücken die Buchstaben PW, als entlassener Kriegsgefangene in seiner Heimat Adenau umarmen durften.

Er erzählte uns später, dass er am 5. März in Remagen in amerikanische Gefangenschaft gekommen sei und zunächst nach Rheinbach und anschließend nach Frankreich ins Gefangenenlager kam, von wo er dann nach einem Jahr entlassen wurde.

Hermann Lehrmann,

Adenau

Im linken Seitenschiff wurde Mariechen Hoffman unter den Trümmern verschüttet und erst acht Wochen nach der Bombardierung geborgen.

Im linken Seitenschiff wurde Mariechen Hoffman unter den Trümmern verschüttet und erst acht Wochen nach der Bombardierung geborgen.

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