Bundesarbeitsministerin gab in der Bäckerei „Die Lohner’s“ den Startschuss zum Mindestlohn
Andrea Nahles: Wenn nicht jetzt, wann dann?
Mayen. Es ging beschaulich zu im Mayener Hit-Markt am vergangenen Freitagmorgen gegen 10.50 Uhr. Die meisten Kunden wirkten noch sehr verschlafen nach den Feierlichkeiten zum Jahreswechsel, die Mitarbeiter richteten sich erst langsam auf den Ansturm fürs Wochenende ein. Lohner-Mitarbeiterin Andrea Beck verteilte Schmalzbrote. Wenig später rieben sich aber alle verwundert die müden Augen: Andrea Nahles, Bundesministerin für Arbeit und Soziales, betrat an ihrem ersten Arbeitstag des neuen Jahres unter Blitzlichtgewitter der zahlreichen Fotografen die Bäckerei „Die Lohner’s“.
Fernsehstationen wie das ZDF oder Sat1 hatten ihre Kameras aufgebaut, zahlreiche Radiosender wie beispielsweise der Südwestfunk ihre Mikrofone auf die 44-Jährige aus dem benachbarten Weiler gerichtet. Das hatte einen guten Grund: Nahles gab in Mayen den symbolischen Startschuss für den am 1. Januar 2015 eingeführten Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde. Einen Tag später, aber werbewirksam inszeniert.
„Wir haben die beste Arbeitsmarktsituation seit Jahrzehnten. Wenn nicht jetzt, wann dann hätten wir den Mindestlohn einführen sollen?
Es ist der ideale Zeitpunkt gewesen. Wir haben schon in 21 anderen europäischen Ländern den Mindestlohn, und das haben wir uns natürlich auch angeschaut“, erläuterte die Bundesarbeitsministerin ihr Prestigeobjekt. „Die eine Sache ist, dass ein Mindestlohn auf dem Papier steht, die andere Sache ist die, dass er auch umgesetzt wird. Es geht darum, dass ihn die Leute auch in der Lohntüte haben.“
Der Mindestlohn sei zwar schon seit vielen Jahren nötig gewesen, aber nun bekomme der Niedriglohnsektor eine „Haltelinie nach unten“. Viele Betriebe fürchten aber, dass durch den Mindestlohn die Brötchen oder die Waren allgemein teurer werden und Arbeitsplätze in der Zukunft verloren gehen. Diese Argumente wollte Nahles aber nicht gelten lassen: „Wir rechnen nicht mit einer negativen Beschäftigungswirkung.
Das basiert auf den Erfahrungen, die wir gemacht haben mit den 13 Branchenmindestlöhnen, die es in den vergangenen Jahren in Deutschland bereits gegeben hat. Und ehrlich gesagt hat es auch in anderen europäischen Ländern keine negativen Beschäftigungseffekte gegeben. Und auch das ist ein Hinweis darauf, dass wir den Mindestlohn erfolgreich umsetzen werden.“
Die Menschen müssen von ihrem Lohn leben können.
Der 67-jährige Achim Lohner aus Cochem leitet mit seiner Ehefrau Ellen seit 1979 das Familienunternehmen „Die Lohner’s“ und ist verantwortlich für 120 Filialen und 1400 Mitarbeiter. Für ihn ist der Mindestlohn schon seit über zwei Jahren kein Fremdwort mehr. „Seit 2012 liegen wir über dem Mindestlohn. Die Qualität ist das A und O.
Für unseren Betrieb ändert sich durch die Einführung des Mindestlohns nichts. Die Menschen müssen ordentlich leben können, mit sieben Euro die Stunde geht das nicht.“
Dass nun vor allem Unternehmen im Osten Deutschlands bedroht seien, glaubt Lohner nicht: „Wenn Bäckereien schließen müssen, dann hat das nichts mit dem Mindestlohn zu tun.
Der Billigwettkampf ging auf Kosten der Qualität. Der Mindestlohn setzt einen Gegenakzent, letztendlich muss sich das der Kunde überlegen und dann entscheiden. Beim Backen ist es wie beim Kochen: Von innen muss es stimmen.“
Für Auszubildende greift der Mindestlohn nicht. Die 17-jährige Alina Storm aus Mayen, seit 1. September 2014 beim Unternehmen beschäftigt, hatte dennoch ihren großen Auftritt: Sie durfte der Arbeitsministerin als erste Beschäftigte die Hand schütteln. „Sie ist eine ganz Liebe“, fällte sie ein schnelles Urteil. Ob sie Nahles, bei der „das Raubritter-Brot, das Mayener Landbrot, das neue Vollkornbrot und der Krümelkuchen oft auf dem Einkaufszettel“ stehen, schon einmal bedient habe, konnte Storm nicht beurteilen: „Dafür ist hier zu viel los. Du bekommst manchmal gar nicht mit, wen du bedienst. Das geht mir sogar bei guten Freunden so.“ Mit dem Mindestlohn hat sie sich dennoch auseinandergesetzt: „Wer gut arbeitet, sollte auch gutes Geld verdienen.“ Die Auszubildende hatte den Sinn des Mindestlohns also verinnerlicht.
Nahles selbst stellte sich schnell noch hinter die Bedienungstheke und ließ sich beim Brotverkauf ablichten. Anschließend verabschiedete sich die SPD-Politikerin höflich von den Beschäftigten und hetzte zum nächsten Termin. Der Spuk hatte nach gut 50 Minuten ein Ende. Nur Bäckereifachverkäuferin Andrea Beck (50) aus Kottenheim, seit acht Jahren bei der Firma „Die Lohner’s“ mit „100 Prozent Leidenschaft beschäftigt“, verteilte immer noch ihre Schmalzbrote.
Auszubildende Alina Storm begrüßte den hohen Besuch.
Umringt von zahlreichen Kameras unterhielt sich die SPD-Politikerin mit dem Leiter des Familienunternehmens.

Die Löhne bei Lohner s-Name verpflichtet- müssen sich lohnen.
Großbäckerei kann s:
Mindestlohn löhnen und sogar mehr!
Frau Nahles , warum lassen Sie sich nicht abbilden und öffentlich zur Schau stellen beim kleinen Dorfbäcker bei Ihnen um die Ecke-dem wahren Familienbetrieb!?