Arme Eifel, fruchtbare Grafschaft, bevorzugtes Rheintal
Wenn in diesem Jahr der Kreis Ahrweiler sein 200-jähriges Bestehen feiert, dann bieten sich Rückblicke in die Vergangenheit an. Wie lebten die Menschen im 19. Jahrhundert? Antworten finden sich im Heimatjahrbuch 2016 insbesondere im ausführlichen historischen Beitrag von Ignaz Görtz, Leonhard Janta und Hubert Rieck. Wichtige Textquellen dieser Autoren sind die Kreisstatistiken und Beschreibungen der damaligen Landräte Adam Anton Fonck (Adenau) und Rudolf Felix von Groote (Ahrweiler) aus den Jahren 1862 und 1863.
Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft. Im Kreis Ahrweiler waren das 6.167 Selbständige im Acker- und Weinbau sowie 16.159 helfende Familienangehörige. Im Kreis Adenau bewirtschafteten zwei Pächter und 2.699 Landwirte mit 9.261 Frauen, Kindern und Angehörigen Haupterwerbsbetriebe. Hinzu kamen noch 631 Landwirte mit Nebenerwerbsbetrieben und 18 Pächter. 2.520 Familienangehörige halfen dort bei der harten Feldarbeit.
Erschwert wurde die Bearbeitung durch die große Bodenzersplitterung aufgrund der realen Erbteilung, bei der jeder Erbberechtigte den gleichen Anteil erhielt. Die natürlichen klimatischen Voraussetzungen und die unterschiedliche Bodenqualität bedingten ein großes Gefälle zwischen den benachteiligten Höhengebieten [meist in der Eifel] und der fruchtbaren Grafschaft, dem unteren Ahrtal und Rheintal. In den Höhengebieten konnte in guten Jahren gerade der Jahresbedarf an Frucht und Kartoffeln erzeugt werden. Dagegen erzielten die bevorzugten Gebiete durchweg Überschüsse. Neuerungen in der Landwirtschaft, Kunstdünger, Maschineneinsatz, Drainagemaßnahmen begannen sich erst langsam durchzusetzen. Vielfach scheiterten solche Verbesserungen jedoch an den fehlenden Mitteln.
Die umfangreichen Waldungen in beiden Kreisen bedurften intensiver forstwirtschaftlicher Maßnahmen, da sie sich aufgrund schlechter Bewirtschaftung zum Teil in einem kläglichen Zustand befanden.
Basaltabbau bot Beschäftigung
Im Kreis Adenau waren 17 Bergwerkskonzessionen erteilt worden (7 auf Eisenerz, 5 auf Bleierz, 3 auf Kupfererz, 1 auf Zinkerz, 1 auf Braunkohle), jedoch erzielten diese Bergwerke nur geringe Ausbeute, so dass sie keinen nennenswerten Wirtschaftsfaktor darstellten. Zahlreiche kleine Steinbrüche lieferten die notwendigen Bausteine.
Im Kreis Ahrweiler bot der Basaltabbau in Remagen (Scheidskopf), Unkelbach (Domkopf) und Oberwinter (Unkelstein) bis zu 10 Arbeitern eine regelmäßige Beschäftigung. Die Mineralwasserabfüllung und der Mineralwasserversand aus Neuenahr expandierten. Insgesamt spielten Industriebetriebe in der Region eine nachrangige Rolle.
23 Schiffseigentümer am Rhein
An der Rheinschifffahrt hatten 23 Schiffseigentümer aus Remagen, Kripp, Oberwinter, Niederbreisig und Brohl mit Segelschiffen Anteil. Es handelte sich bei den Eignern überwiegend um Basalt-, Tuffstein- und Trasshändler. Im Transportwesen vollzog sich zunehmend eine Umschichtung. Immer mehr Güter wurden von Rheinschiffen auf die neue Eisenbahn auf der Rheinstrecke verlegt.
Von dem Verdrängungsprozess betroffen war auch der Landtransport durch Fuhrwerke. Um den Straßenausbau bemühten sich beide Kreise und die Gemeinden. Für den Kreis Ahrweiler stellte Landrat von Groote fest: „Die Hauptstraßen der Dörfer sind zuweilen gepflastert, in der Regel jedoch macadamisirt (Anmerkung: mit unterschiedlich großen, gut verdichteten Gesteinskörnungen befestigt) und mit gepflasterten Seitenrinnen versehen. Die Nebenstraßen sind noch vielfach gleich Feldwegen in einem mangelhaften Zustande. Das Pflaster der Nebenstraße in den Städten läßt mit einigen Ausnahmen von Remagen noch Vieles zu wünschen übrig. - Ahrweiler, Remagen, Sinzig, Oberwinter haben im Winter Straßenbeleuchtung, theilweise auch Niederbreisig und Altenahr. Die Einführung der Gasbeleuchtung ward in Ahrweiler projectirt.“
Lastschiffe am Rheinufer von Niederbreisig um 1840. Fotos: Kreisverwaltung Ahrweiler
