Bienenzuchtverein Wershofen
Bilanz und Weichenstellung
Wershofen. Die letzten Blüten welken, die meisten sind es schon, und für die Bienen gibt es nur noch Nektar aus Läppertrachten. Mit der Lindenblüte endet für uns in der Regel die Zeit der Honigernte. Die Honigräume werden abgesetzt, der letzte Honig aus den Waben geschleudert. Nun zeigt sich, inwieweit das vergangene ein erfolgreiches Bienenjahr gewesen ist.
Nachdem die Frühtracht vornehmlich aus Löwenzahn, Raps, Obst- und Beerensträuchern je nach Standort recht unterschiedlich ausgefallen ist, vermelden die Kollegen durchweg gute bis sehr gute Erträge der Sommertracht aus Himbeeren, Brombeeren, Weißklee, Weidenröschen und vielen blühenden Kräutern. Die letzte Schleuder ist in unserer Höhenlage bei einigen noch nicht ganz abgeschlossen. Der zuletzt geerntete Honig ist dunkel wie Rübenkraut und legt die Vermutung nahe, dass die Bienen Waldhonig in den Stöcken hatten. Die Untersuchungen der Honige werden es zeigen.
Zeitnah erhalten die Völker nun ihr Winterfutter. Vorher wird Zwischenbilanz gehalten, und es werden wichtige Weichen gestellt, die für die Völkerbestände eines jeden Imkers und für den Erfolg des kommenden Jahres von grundlegender Bedeutung sind:
1. Beurteilung der Völker: Welche Wirtschaftsvölker haben es (vor allem aufgrund ihrer Friedfertigkeit und Honigleistung) verdient, aufgefüttert in den Winter zu gehen, um auch im nächsten Jahr als berechtigte Hoffnungsträger für eine gute Honigernte zu dienen?
Stechlustige, solche mit alten Königinnen und/oder erkannter Schwarmneigung erhalten eine neue Reinzuchtkönigin, oder sie werden aufgelöst und/oder durch ein Jungvolk ersetzt.
2. Beurteilung der heuer mit Reinzuchtköniginnen gebildeten Ableger: Welche Völker haben sich gut entwickelt und zeigen die Voraussetzungen, mit ausreichender Volksstärke den Winter zu überstehen und „Rennpferde“ für die kommende Tracht zu werden? Welche hinken der Entwicklung hinterher und sollten besser aufgelöst und/oder mit einem starken Altersgenossen vereinigt werden?
3. Systematische Erneuerung des Wabenbaus: Beschädigte Waben, solche mit Drohnenecken und nach dem 2. Nutzungsjahr dunkle Waben werden entnommen und eingeschmolzen. (Letztere könnten noch gebraucht werden, sind aber oft mit Krankheitskeimen befallen und sollten besser aussortiert werden). Neuer Wabenbau ist jedenfalls der Stockhygiene dienlicher und fördert die Bienengesundheit.
4. Behandlung der Völker gegen die Varroose: Diese Weichenstellung ist nicht nur wichtig für die Leistungsfähigkeit der Bienen, sondern ist langfristig ausschlaggebend für ihr Überleben: Die laufende Entnahme der Drohnenbrut während der Vegetationszeit stellt eine erste biologische Möglichkeit dar, der Ausbreitung der Varroen entgegen zu wirken, weil sich dieser Parasit hauptsächlich in den verdeckelten Drohnenzellen vermehrt. Manche Imker gehen so weit, Ende Juli, Anfang August alle Waben mit verdeckelter Brut aus den Völkern zu nehmen. Auf diese Weise erfassen sie bis zu 90 Prozent der vermehrungsfähigen Varroen und ergänzen dann diese biologische Methode noch mit der medizinischen Behandlung der Völker. Außerordentlich wichtig ist die Kontrolle des Befalls nach der Behandlung. Bei entsprechendem Handlungsbedarf sind weitere Maßnahmen einzuleiten.
Nun können die Völker aufgefüttert werden.
Pressemitteilung
des Imkervereins Wershofen
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