DRK Kreisverband Ahrweiler e.V.
Bosnische Rotkreuzler im Einsatzpraktikum bei Rock am Ring
Kreis Ahrweiler. Vorsichtig hält ein Rotkreuzhelfer den geschwollenen Fuß eines Festivalteilnehmers hoch. Ein anderer Rotkreuzler fixiert mit einer Binde eine spezielle Schiene. Der Ringrocker ist auf dem Gelände umgeknickt, das rechte Knöchelgelenk ist geschwollen. Von den zwei Rotkreuzhelfern erhält der Pechvogel freundliche Hilfe. Eigentlich keine ungewöhnliche Situation in den Sanitätsstationen vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), wenn da nicht die unterschiedlichen Rotkreuzabzeichen auf den Hemden wären: Jeweils ein Helfer vom DRK und vom Roten Kreuz Bosnien und Herzegowina aus Bihac haben die Hilfeleistung gemeinsam durchgeführt. Insgesamt 18 Rotkreuzler aus Bosnien, darunter zwei Ärzte, absolvierten erstmals ein Einsatzpraktikum auf dem Nürburgringgelände während Rock am Ring 2014. Fast eineinhalb Jahre haben sich die ehrenamtlichen bosnischen Rotkreuzkräfte auf diesen Einsatz vorbereitet. Drei Monate lang stand einmal wöchentlich auch Deutschunterricht auf dem Lehrplan. Zwei Ärzte und der Pflegedienstleiter des städtischen Krankenhauses Bihac, die gemeinsam die Ausbildung der im Durchschnitt 20-jährigen Helfer durchführten, begleiteten das Einsatzpraktikum. In Bosnien und Herzegowina kennt man auch Großveranstaltungen, jedoch nur vereinzelt in den Metropolen. Der Zivilschutz in Bosnien und Herzegowina ist durchweg staatlich organisiert. Sanitäts- und Rettungsdienste, wie sie das DRK am Nürburgring bei den dortigen Großveranstaltungen organisiert, gibt es in Bosnien und Herzegowina noch nicht. Rotkreuzleiter Selam Midzic möchte mit seiner jungen und hoch motivierten Einsatzgruppe einen Teil der deutschen Strukturen auch in der Region Bihac aufbauen. Das Praktikum am Nürburgring lieferte erste praktische Erfahrungen und völlig neue Erkenntnisse. „Einen Kulturschock hat keiner unserer Helfer bekommen. Natürlich haben wir uns über das Internet über den Nürburgring und über Rock am Ring umfassend informiert. Die tatsächlichen Dimensionen konnte das Internet aber nicht vermitteln“, erklärt der bosnische Rotkreuzleiter Selam Midzic. Alle Einsatzkräfte seien beeindruckt von den Dimensionen des Veranstaltungsgeländes und des Festivals, war über die Dolmetscherin Dijana Duric, bosnischstämmige Auszubildende Rettungsassistenten beim DRK-Kreisverband Ahrweiler, zu erfahren. Seit 2011 führt das Auslandshilfeteam des DRK-Kreisverbandes Ahrweiler, der auch die DRK-Einsatzleitung bei den Großveranstaltungen am Nürburgring stellt, Hilfsgütertransporte in die bosnische Region Bihac durch. In dieser Zeit wuchs das Interesse von Selam Midzic über das deutsche Bevölkerungsschutzsystem. Daraus entstand die Idee, die vorhandenen bosnischen Kräfte für den Einsatz in Deutschland vorzubereiten und ein entsprechendes Praktikum zu ermöglichen. Dabei wurde seitens des DRK darauf geachtet, dass die bosnischen Helfer nicht überfordert werden. In kleinen Gruppen waren die Bosnier auf die 13 Sanitätsstationen des Festivalgeländes verteilt und arbeiteten immer mit einem erfahrenen Helfer vom DRK zusammen. Durch die vier durchweg sonnigen und heißen Festivaltage bekamen viele Zuschauer einen Sonnenbrand. Hitzeerschöpfungen und Sonnenstiche verursachten bei einigen Besuchern Kreislaufprobleme, die vom DRK-Rettungsdienst behandelt und zur Weiterbehandlung in die umliegenden Krankenhäuser transportiert wurden. Die üblichen campingbedingten Blessuren vervollständigten die Arbeit des DRK am Nürburgring. Bei Rund 9.700 durchgeführten Hilfeleistungen (9.500 Stand 23:30 Uhr) hatten die bosnischen Rettungskräfte ausreichende Möglichkeiten, das erlernte Wissen im Einsatz zu vertiefen. Fast 1.000 Personen (903 Stand 21:00 Uhr) wurden durch den DRK-Rettungsdienst notfallmedizinisch versorgt und in die umliegenden Krankenhäuser zur Weiterbehandlung transportiert. Insgesamt 1.330 Kräfte vom DRK leisteten in den Sanitätsstationen, der Helferverpflegung der Einsatzleitung und den 26 Rettungsfahrzeugen ihren ehrenamtlichen Dienst, um die Sicherheit der Veranstaltungsteilnehmer zu gewährleisten. Die DRK-Einsatzleitung verwundern die hohen Zahlen nicht, da man bei der hervorragenden Wetterlage hohe Einsatzzahlen erwartet hatte.
Die Dimensionen des Veranstaltungsgeländes Nürburgring und des Festivals Rock am Ring beeindruckte die 18-köpfige Einsatzgruppe vom Roten Kreuz aus Bosnien und Herzegowina am Nürburgring. Fotos: Thorsten Trütgen
Internationale Zusammenarbeit vom Deutschen Roten Kreuz und dem Roten Kreuz von Bosnien und Herzegowina am Nürburgring: Eine 18-köpfige Einsatzgruppe vom Bosnischen Roten Kreuz absolvierte unter Anleitung erfahrender Kräfte vom DRK ein Einsatzpraktikum während Rock am Ring 2014.
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