Politik | 14.02.2013, 10:16 Uhr

Der Handel steht vor großen Herausforderungen

Neujahrsempfang der Industrie- und Handelskammer mit mehr als 800 Gästen

Manfred Sattler empfahl mehr Eigeninitiative. -uko-
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Koblenz. Zu mehr Eigeninitiative hat der Präsident der Industrie- und Handelskammer, Manfred Sattler, die Unternehmen im Kammerbereich aufgefordert. Anlässlich des Neujahrsempfangs in der Rhein-Mosel-Halle sagte Sattler vor mehr als 800 Gästen, es gelte noch mehr über den Tellerrand zu schauen, noch mehr gemeinsam zu bewegen, damit die Unternehmen das jetzige Erfolgsniveau sichern könnten. Gerade der Handel, so Sattler weiter, stehe angesichts der demografischen Entwicklung, dem zunehmenden Internethandel und dem unverändert intensiven Wettbewerb vor großen Herausforderungen. Der IHK-Präsident kündigte an, dass die IHK Koblenz sich mit neuen Angeboten und Veranstaltungen intensiver als bisher der Unterstützung des Handels widmen werde. Ein weiteres Feld, das neben anderen den Fokus der Industrie- und Handelskammer finden wird, ist der Tourismus. Hier will sich die Kammer einbringen, um die Koordination und Kooperation der touristischen Leistungsträger verbessern zu helfen. Manfred Sattler: „Der große Erfolg und der positive Nachhall auf die Bundesgartenschau in Koblenz zeigen deutlich, welches Potenzial unsere Region hat. In der Umsetzung scheint Kirchtumsdenken eine regionale Erfolgsstory aber noch zu behindern.“ Die anhaltende Diskussion um Bettensteuer und Fremdenverkehrsabgabe, also die Tourismusfinanzierung im Allgemeinen, zeige aber ebenso deutlich, welche Herausforderungen vor der Tür stehen, so der Kammerpräsident weiter. Unter großem Beifall führte der Redner weiter aus: „Das touristische Potenzial unserer Region können wir nur ausschöpfen, wenn es uns merklich besser als bisher gelingt, über Gemeinde-, Stadt- und Kreisgrenzen hinweg zu kooperieren und so die Vielfalt unserer Angebote für unsere Gäste auch nutzbar zu machen. Und daran anknüpfend sagte Sattler: „Die IHK Koblenz wird nochmals den Anlauf unternehmen, eine stärkere Vernetzung der touristischen Leistungsträger auf den Weg zu bringen. Ich hoffe und wünsche mir, dass wir dabei erfolgreich sein werden.“

Zur Landespolitik sagte der Redner, er anerkenne, dass die Schuldenbremse im Landeshaushalt bereits zu ersten Strukturverbesserungen geführt habe. Kritik übte er allerdings an dem Wie: „Für mich ist es überhaupt nicht nachvollziehbar, warum die Haushaltskonsolidierung in Rheinland-Pfalz fast ausschließlich über die Einnahmenseite und zu großen Teilen zu Lasten der gewerblichen Wirtschaft läuft, während offensichtlich kein Handlungsbedarf auf der Ausgabenseite gesehen wird.“ Rückblickend auf das Jahr 2012 bilanzierte Manfred Sattler u.a., dass der Druck des internationalen und nationalen Wettbewerbs weiter steige, die flächendeckende Breitbandversorgung nur langsam vorankomme und Verkehrswege auf dem heutigen Stand stehen blieben. Trotz zahlreicher Herausforderungen und Unwägbarkeiten seien die Unternehmen jedoch erfolgreich durch das vergangene Jahr gekommen. Beim Blick nach vorn überwiegt eine nüchterne Einschätzung. Sattler sprach unter anderem die Risiken der ungelösten Schuldenkrise in Europa und die Herausforderungen der Energiewende an. Mit Frank Schirrmacher, Mitherausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und ein ebenso bekannter wie meinungsfreudiger Publizist, hatte die IHK einen prominenten Redner verpflichtet. Ausgehend von der Alterung der deutschen Bevölkerung sprach Schirrmacher die Wahrnehmung an, dass kaum jemand registriere, wie sich die Märkte veränderten. Ein heute Siebzigjähriger habe heute die geistige und bisweilen auch körperliche Fitness eines 49-Jährigen in früheren Jahrzehnten. Dabei sei es eine unumstrittene Erkenntnis, dass eine befriedigende Arbeit die beste Methode gegen das Altern sei. Sechzigjährigen sollte in größerem Umfang als bisher die Möglichkeit eingeräumt werden, auch in diesem Alter einen beruflichen Neuanfang zu vollziehen. Das eröffne auch Wege, junge Menschen zu entlasten. Die gut ausgebildeten Senioren seien in der neuen Wahrnehmung ein Potenzial und keine Belastung. Und ein aktiver älterer Mensch entwickele Aktivitäten mit positiven Auswirkungen auf sein Konsumverhalten. In dem altersbezogenen Umbruch sieht Schirrmacher Chancen für die Wirtschaft, auf die es sich rechtzeitig einzustellen gelte. Deutschland, so der Gast aus Frankfurt weiter, könne Vorreiter einer Entwicklung sein, „auf die alle schauen werden“. „Stellen Sie sich auf neue Zeiten ein!“, lautete seine Empfehlung an die Wirtschaftsvertreter. Mit einem Bonmot, das große Heiterkeit hervorrief, charakterisierte Schirrmacher zum Abschluss seiner Rede das neue Denken der älteren Generation. Er berichtete von einer älteren Dame, die er auf 80 schätzte, die in Wirklichkeit aber schon 100 war: Sie suchte Altersheimplätze für ihre beiden Söhne. UKO

Manfred Sattler empfahl mehr Eigeninitiative. -uko-

Manfred Sattler empfahl mehr Eigeninitiative. Fotos: -uko-

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