Sonderforum Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz
Ebola: Aufklärung statt Panik
Konferenz in Bad Neuenahr informierte Institutionen über die gegenwärtige Lage
Bad Neuenahr. Seit dem Ausbruch der Ebola-Epidemie in Westafrika wurden der Weltgesundheitsorganisation (WHO) über 13.000 Erkrankte und Verdachtsfälle gemeldet. Knapp 5.000 Menschen sind gestorben. Die WHO befürchtet in den nächsten Wochen einen rasanten Anstieg von Ebola-Infektionen. Doch für die Menschen in Deutschland bedeutet diese schlimme Entwicklung in Afrika nicht, in Panik zu verfallen. Denn das Risiko einer Einschleppung von Ebola-Fieber nach Deutschland ist gegenwärtig gering. Ein Import einzelner Fälle ist aber nicht auszuschließen. Trotz der zur Verfügung gestellten Informationen gibt es immer wieder Anfragen, auch von Verantwortungsträgern auf allen Ebenen. Das Informationsbedürfnis in Deutschland ist nach wie vor hoch.
Diesem Aufklärungswunsch kamen am vergangenen Wochenenden das Robert Koch-Institut (RKI) und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) mit der gemeinsamen Veranstaltung „Sonderforum Gesundheitlicher Bevölkerungsschutz“ im Dorint Parkhotel Bad Neuenahr nach. Zu ihr waren Vertreter der kommunalen Ebene, aus dem öffentlichen Gesundheitsdienst, Polizei, Feuerwehr, Hilfsorganisationen und Fachverbänden gekommen. Vor kurzem informierten BBK-Präsident Christoph Unger, RKI-Vizepräsident Dr. Lars Schaade und Prof. René Gottschalk, Leiter des Amtes für Gesundheit in Frankfurt am Main sowie Sprecher der Kompetenz- und Behandlungszentren für hochkontagiöse und lebensbedrohliche Erkrankungen (STAKOB), über die Ergebnisse der Konferenz.
Kein Grund zur Besorgnis
Unger betonte, das wir es „allenfalls mit Einzelfällen von Ebola in Deutschland zu tun haben“. Er räumte jedoch ein: „Wir werden uns auch auf Verdachtsfälle einzustellen haben, gerade in den nächsten Monaten.“ Das beträfe beispielsweise den Zeitraum, wenn die ersten deutschen Helfer von ihren Einsätzen aus den Ebola-Gebieten zurückkehren. Das gelte aber auch für zu erwartende, alljährliche Grippe-Epidemien im Winter, denn die Symptome ähnelten mitunter denen von Ebola. Unger sieht jedoch keinen Grund für eine übergroße Besorgnis, denn „wir sind gut aufgestellt, haben eine große Anzahl an Behandlungsplätzen“. Wie gut das System funktioniere, „haben wir bei den drei in Deutschland behandelten Ebola-Patienten unter Beweis gestellt“. Dennoch sei das Ziel der Konferenz gewesen, den Blick zu weiten und die Behörden sowie Institutionen einzubinden - von den Kommunen über Verkehrsbetriebe und Flüchtlingsorganisationen bis hin zum Bestattungswesen.
Proben für den Ernstfall
So sollten etwa Szenarien durchgespielt werden, wenn Verdachtsfälle bei niedergelassenen Ärzten oder Krankenhäusern auftreten sollten. Eine Plattform für den Erfahrungsaustausch sei ebenso das Ziel gewesen wie ein detailliertes Programm für den Umgang mit Einzel- und Verdachtsfällen, um praxisnahe Informationen geben zu können. Auch die psychosoziale Betreuung der Helfer wie etwa THW-Einsatzkräfte und deren Angehörigen sei beraten worden. Laut RKI-Vizepräsident Dr. Lars Schaade deutet sich zurzeit eine Stabilisierung der Fallquoten in einigen Ebola-Gebieten an. Das sei ein Hoffnungsschimmer, gebe aber noch keinen Anlass zur Entwarnung. Auch in Deutschland könnten aufgrund der täglichen Flugverbindungen Ebola-Infizierte einreisen. Doch sei die Ansteckungsgefahr nicht so hoch, wie gemeinhin kolportiert werde. Denn im Gegensatz zum Grippe-Virus würde Ebola nicht über die Luft übertragen. Es sei im Gegenteil ein direkter Kontakt mit dem Infizierten nötig. Außerdem gebe es eine lange Inkubationszeit. Ansteckend sei ein Patient auch nur dann, wenn er Symptome zeige. „Deswegen ist die Eingrenzung einer möglichen Patientengruppe in Deutschland leicht möglich. Wir halten eine Ausbreitung des Virus in Deutschland für praktisch ausgeschlossen“, gab Schaade Entwarnung. Dennoch: Der Fokus liege daher darauf, die Virusausbreitung in Westafrika zu bekämpfen, auch um das Restrisiko in Deutschland zu begrenzen. Dennoch solle man den Rückkehrern unter den Helfern nicht mit übertriebenem Misstrauen begegnen, wie das in den USA geschehen sei. Stattdessen gelte es, den Helfern Respekt und Dank zu zollen. Laut Prof. René Gottschalk habe die Veranstaltung gezeigt, dass es noch viel Informationsbedarf in Deutschland hinsichtlich Ebola gebe. Medizinisch sei man jedoch vorbereitet. So gäbe es sieben Sonderisolierungsstationen im Lande. Außerdem sei jedes Krankenhaus in der Lage, mit einem Erstkontakt zurechtzukommen. In diesem Fall würde zunächst eine Blutprobe entnommen und in eines der beiden vorhandenen Hochsicherheitslabore in Marburg oder Hamburg geschickt. „Deutschland ist diesbezüglich sehr gut aufgestellt, wir besitzen einen hohen Standard“, betonte Gottschalk.
Positive Entwicklung in den Krisengebieten
In der anschließenden Diskussion mit den Pressevertretern aus ganz Deutschland wurden einige interessante Aspekte angesprochen. So sei die entscheidende Frage, wenn ein Patient mit Ebola-ähnlichen Symptomen in eine Praxis oder in ein Krankenhaus käme: War der Patient in Westafrika, oder war er in Kontakt mit jemanden aus den Krisengebieten? Es müsse auch nicht jeder Mensch, der in einem Ärztewartezimmer oder Flugzeug zusammen mit einem Ebola-Verdachtsfall gesessen habe, isoliert werden. Denn im Gegensatz zur Grippe sei eine Ansteckung unwahrscheinlich. „Wenn ein Grippekranker in einem Flugzeug sitzt, ist die Gefahr groß, dass am Ende des Flugs 50 Leute angesteckt sind. Bei einem Ebola-Kranken ist es aber keine Ansteckung anderer zu erwarten, wenn es nicht engen Körperkontakt gegeben hat“, so die Experten. Für die Medienvertreter gab es außerdem Informationen aus erster Hand. So deute sich in Guinea und Liberia eine positive Entwicklung an. Das seien auch die ersten Länder gewesen, in dem das Virus großflächig aufgetreten sei. Deshalb hätten hier die Maßnahmen früher gegriffen als beispielsweise in Sierra Leone, wo noch ein Anstieg der Fälle zu erwarten sei. Auch wäre die Gesellschaft mittlerweile für Ebola sensibilisiert. Die übliche Zeremonie in diesen Ländern, die Toten vor der Beerdigung intensiv zu umarmen, wäre nämlich bis dato dafür verantwortlich, dass schätzungsweise ein Drittel neuer Fälle im Anschluss von Beerdigungen Infizierter aufgetreten sei. Wem die Vorsorgemaßnahmen der Behörden und Institutionen nicht ausreichen: Vermutlich Ende des ersten Quartals 2015 stehe laut den Experten ein Impfmittel bereit, um die Bevölkerung flächendeckend impfen zu können. BÜN
BBK-Präsident Christoph Unger stellt sich den Fragen der Presse.
RKI-Vizepräsident Dr. Lars Schaade im TV-Interview.
Die Teams von SWR und WDR befragen Prof. René Gottschalk.
