Politik | 14.09.2015

BKA richtete Cybercrime Conference C³ aus

Gemeinsam für mehr Sicherheit im Netz

Symbolbild. Foto: pixelcreatures / pixabay

Wiesbaden. Auf Einladung des Bundeskriminalamtes (BKA) trafen sich mehr als 260 Cyber-Experten aus Polizei, Justiz und Wirtschaft in Wiesbaden, um sich über die Kriminalitätsentwicklung im Internet auszutauschen. Neben Verschlüsselungsmöglichkeiten, welche die Strafverfolgungsbehörden vor große Herausforderungen stellen, gehörten auch bekannte und neue Kriminalitätsformen wie „Crime-as-a-Service“ und sogenannte „Advanced Persistent Threats“ - zielgerichtete, dauerhafte Angriffe, um über einen längeren Zeitraum sensible Informationen auszuspähen - sowie geeignete Bekämpfungsmöglichkeiten zu den Themen der Tagung. Laut dem veröffentlichten Bundeslagebild Cybercrime 2014 hat die Polizei im vergangenen Jahr fast 50.000 Straftaten im Bereich der Cybercrime im engeren Sinn registriert. Dabei handelt es sich um alle Straftaten, die sich gegen das Internet, Datennetze, informationstechnische Systeme oder deren Daten richten.

Rund 22.300 Taten entfallen auf den Computerbetrug, was einem Anteil von 45 Prozent aller Straftaten entspricht. Der festgestellte Schaden des Computerbetrugs lag bei 36,9 Millionen Euro. In fast 11.900 Fällen (24 Prozent) wurden Daten ausgespäht oder abgefangen. Ein direkter Vergleich dieser Zahlen mit den Statistiken der Vorjahre ist aufgrund geänderter Erfassungsregeln nicht möglich. Seit 2014 werden Delikte der Cybercrime nur noch in der PKS erfasst, wenn konkrete Anhaltspunkte für die Tatbegehung in Deutschland vorliegen. Bis 2013 wurden auch Delikte erfasst, bei denen der Tatort nicht eindeutig bekannt war und somit auch im Ausland liegen konnte. Durch die geänderte Erfassungsweise können die aktuellen Zahlen demnach nicht als Beleg für eine geringere Gefährdung durch Cybercrime gewertet werden.

Warenbetrug im Internet

Neben den Fällen der Cybercrime im engeren Sinn begingen Kriminelle zahlreiche Straftaten mit dem Internet als Tatmittel (rund 247.000 Taten). Überwiegend handelte es sich um Betrugsdelikte (74,2 Prozent), darunter vor allem der Warenbetrug (40,8 Prozent). In diesen Fällen bietet der Täter über das Internet Waren zum Kauf an, die er entweder gar nicht oder in minderwertiger Qualität liefert. Ziel des Angebotes ist es, den Käufer zu einer Zahlung ohne entsprechende Gegenleistung zu bringen. Die Zahlen bilden jedoch nur die polizeilich bekanntgewordenen Fälle, das sogenannte Hellfeld, ab. Die tatsächlichen Fall- und Schadenszahlen sind, wie zahlreiche Studien belegen, um ein Vielfaches höher.

Rasante IT-Entwicklung machen sich Straftäter zu Nutze

Vizepräsident Peter Henzler unterstrich in seiner Begrüßungsrede das Gefahrenpotential der Cybercrime. Die rasante Entwicklung immer leistungsfähigerer Informationstechnologien, eine stetig steigende Zahl von Internetnutzern und die immer umfassendere Vernetzung machen sich die Straftäter für ihre Taten zu Nutze. „Schlagworte wie „Smart Home“, „Industrie 4.0“ oder „Internet der Dinge“ sind Synonyme dafür, dass moderne IT und das Internet zunehmend integraler Bestandteil unseres täglichen privaten und beruflichen Lebens werden - und sich in völlig neuartigen Bereichen weitere Tatgelegenheiten auftun werden“, sagte Henzler. „Zugleich werden Straftaten im Schutze der Anonymität des Netzes mittlerweile wie Dienstleistungen - Crime-as-a-Service - angeboten.“

Während der zweite Tagungstag Polizei und Justiz vorbehalten war, diente der erste Veranstaltungstag dem Austausch der deutschen Strafverfolgungsbehörden mit Vertretern von Europol, Interpol und des FBI sowie verschiedener Wirtschaftsunternehmen wie Deloitte, G-Data und VW. Das Bundeskriminalamt ist dem weltweiten 24/7-Netz der Cybercrime-Units angeschlossen und beteiligt sich in Kooperation mit Europol und Interpol an einer Vielzahl operativer Maßnahmen. Im Bereich der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft ist das BKA beispielsweise Ende 2013 eine Public Private Partnership mit dem Verein „German Competence Center against Cyber Crime (G4C) eingegangen. Unter einem Dach arbeiten Vertreter namhafter Banken und der Internetwirtschaft zusammen. „Für eine nachhaltige Bekämpfung von Cybercrime ist eine interdisziplinäre Netzwerkbildung zwischen Behörden, Wirtschaftsunternehmen und Wissenschaft auf nationaler und internationaler Ebene unabdingbar“, erklärte Peter Henzler in seiner Rede.

Weitere Informationen zum Thema Cybercrime

Um ein Stimmungsbild der Konferenzteilnehmer zu erhalten, wurden den Teilnehmern mittels eines TED-Systems verschiedene Fragen zum Thema Cybercrime gestellt. Unter anderem ging es darum einzuschätzen, wie hoch das Risiko für deutsche Unternehmen ist, Opfer einer Cybercrime-Straftat zu werden. Das Ergebnis dieser Umfrage ist unter www.bka.de abrufbar. Dort findet man auch das veröffentlichte „Bundeslagebild Cybercrime 2014“ unter dem Punkt Publikationen/Jahresberichte & Lagebilder. Weitere Informationen zum Thema Sicherheit und Datenschutz finden Nutzer bei der Initiative „Deutschland sicher im Netz“ unter www.sicher-im-netz.de, beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik unter www.bsi-fuer-buerger.de, beim BITKOM unter www.bitkom-datenschutz.de oder bei den Verbraucherzentralen unter www.vzbv.de/Digitale_Welt.htm. Informationen zum Verein G4C finden Sie auf www.g4c-ev.org.

Pressemitteilung Bundeskriminalamt

Symbolbild. Foto: pixelcreatures / pixabay

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