Informationsveranstaltung der Wirtschaftsförderung des Kreises Ahrweiler
Gut besucht war die Infoveranstaltung „Fachkräftemangel“
Adenau. „Seit meinem Amtsantritt statte ich den Unternehmern in der Verbandsgemeinde Adenau Besuche ab, um sie kennenzulernen und ein Gespür für ihre Sorge und Nöte zu erhalten. Dabei kam immer wieder zum Ausdruck, dass viele Betriebe zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre Lehrstellen zu besetzen, beziehungsweise geeignete Fachkräfte zu finden“, verkündete Bürgermeister Guido Nisius bei der Informationsveranstaltung der Wirtschaftsförderung des Kreises Ahrweiler im Sitzungssaal der Verbandsgemeinde. Deshalb begrüße ich neben den Damen und Herren Unternehmer, Gewerbetreibende und Arbeitgeber, die Landtagsabgeordneten Horst Gies und Wolfgang Schlagwein, Frau Margarete Spurzem von der Bundesagentur für Arbeit, Kerstin Wietalla und Dr. Bernd Greulich von der IHK, Stefan Gustav HWK sowie die Vertreter der regionalen Banken zu dieser Veranstaltung. Diese Entwicklung des Mangels an Fachkräften führte Nisius auf den demografischen Wandel zurück. So wird einer Prognose zufolge die Bevölkerung im Kreis Ahrweiler bis 2030 um rund 10.000 Einwohner abnehmen das sind 8 Prozent. Davon wird die Verbandsgemeinde Adenau mit 2.000 Einwohnern, das sind 16 Prozent, am stärksten betroffen sein. Laut der jüngsten IHK-Fachkräfteerfassung fehlen dem Land Rheinland-Pfalz zwischen 2013 und 2030 im Jahresschnitt 63.000 Fachkräfte. Im Jahre 2030 könnte die Lücke schon 142.000 betragen. So gab es 2014 mehr Studienanfänger wie Auszubildende.
Ausbildungsstellen können nicht alle besetzt werden
Deshalb wird es für viele kleine und mittlere Betriebe immer schwieriger, angesichts sinkender Bewerber, ihre angebotenen Ausbildungsstellen zu besetzen, beziehungsweise die benötigten Fachkräfte am Markt zu finden, berichtete Nisius. „Inzwischen müssen sich Unternehmer um Arbeitnehmer bewerben, und nicht mehr umgekehrt“, legte Guido Nisius die paradoxe Situation dar. Hier bieten die Kammern und die Arbeitsverwaltung interessante Hilfestellungen an und begleiten solche Prozesse in den Unternehmen. So hat die Wirtschaftsförderung zusammen mit der Industrie und Handelskammer, der Handwerkskammer und der Kreishandwerkerschaft ein Konzept entwickelt, das sich „Arbeitgebermarke Kreis Ahrweiler“ nennt. Tino Hackenbruch und Christian Weidenbach von der Wirtschaftsförderung erläuterten das Projekt. Hier geht es darum, dass sich viele Unternehmen zusammenschließen, um gemeinsam stark zu sein mit dem Ziel, Attraktivitätssteigerung des Kreises AW für potenzielle Arbeitnehmer, Positionierung des Landkreises als Region attraktiver Arbeitgeber, gemeinsame Personalmarketing-Kampagnen, Benchmarking und Wissensvermittlung für die Unternehmen im Kreis und eine Lösung zu finden für eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. Für die Agentur für Arbeit stellte Margarete Spurzem die Möglichkeiten für den Arbeitgeber vor. Bei ihr stand die Qualifizierungsberatung ganz oben. Hierbei wird um den Fachkräftebedarf zu sichern gemeinsam die individuelle Ausgangssituation des Unternehmens analysiert und Lösungswege erarbeitet. Kerstin Wietalla von der IHK listete Problem- und Behandlungsfelder auf. So erschwert die größere Konkurrenz auf dem Bewerbermarkt die Rekrutierung von Fachkräften. Ein weiteres Problem ist die langfristige Mitarbeiterbindung und der Erhalt der Leistungsfähigkeit (nicht nur) der Generation 50 plus. Ganz wichtig ist ein Sicherstellen des Wissenstransfers, um einem Wissensverlust vorzubeugen.
Spezifischen Fachkräftemangel gibt es nicht
Weiter führte Wietalla aus, dass es den spezifischen Fachkräftemangel nicht gibt. Die Situation eines Unternehmens ist abhängig von der Branche, den Berufsgruppen, der Altersstruktur der Belegschaft und der Attraktivität als Arbeitgeber. Das Thema Attraktivität griff auch einer der anwesenden Unternehmen auf, in dem er auf die Präsentation der Firma im Internet hinwies, hier soll sich die Firma positiv präsentieren und ihre Stärken hervorheben. Ein anderer hatte keine Schwierigkeiten Fachkräfte langfristig an die Firma zu binden. Er hat als Garten- und Landschaftsbaubetrieb mit der Realschule Plus eine Schulpatenschaft geschlossen, wo er durch berufsbezogene Praktika einen Berufseinstieg ermöglicht. „Wir sind wie eine große Familie, wenn einer mit dem Rechnen nicht klar kommt üben wir mit den Jungs- oder Mädels, bis sie es können. Auch im Praktischen haben die keine Probleme, wenn der Vorarbeiter mit 24 Jahren genauso alt oder nur unwesentlich älter wie der Azubi ist, arbeiten die wunderbar zusammen. Wenn die mal ihre Prüfung in der Tasche haben, wollen die gar nicht mehr weg.“ So sind die Wege verschieden, die die Unternehmen einschlagen können, um den Fachkräftemangel einzudämmen. So gab Guido Nisius den Anwesenden Unternehmen mit auf den Weg „Es gibt keinen Königsweg, jedes Unternehmen muss individuell für sich schauen, was passt und was nicht“.
