Heute ist der Tag der Ausbildung
Letztmalig leichter Zuwachs an Ausbildungsverträgen - Gastronomie bereits jetzt Sorgenkind im nördlichen Rheinland-Pfalz
Koblenz. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) rechnet für dieses Jahr mit einem leichten Plus von einem Prozent bei den Ausbildungsverträgen im Bereich von Industrie, Handel und Dienstleistungen. 2013 wird damit als letzter Ausreißer in die Ausbildungsstatistik eingehen. „Vor allem durch die doppelten Abiturjahrgänge in einzelnen Bundesländern kann noch einmal ein kleiner Zuwachs gelingen“, erklärte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK, der heute in Berlin die Ausbildungsumfrage 2013 vorstellte. Ihr liegen über 15.000 Unternehmensantworten zugrunde.
Dercks betonte: „Ab 2014 gibt es dann nur noch einen Trend: Die Zahl der Schulabgänger und damit auch der Ausbildungsverträge wird stetig zurückgehen. Schon im nächsten Jahr werden 65.000 junge Leute weniger die Schulen verlassen.“ Der Run auf die Hochschulen tue ein Übriges.
Welche Folgen das haben wird, zeigt der Blick zurück: Schon seit 2006 gibt es von Jahr zu Jahr weniger Bewerber. Dadurch blieben immer mehr Lehrstellen unbesetzt. 2012 konnten allein die Unternehmen im IHK-Bereich für 70.000 Lehrstellen keine geeigneten Bewerber finden.
„Dieser Trend ist natürlich auch im nördlichen Rheinland-Pfalz zu spüren“, erläutert Bernhard Meiser, Geschäftsführer Aus- und Weiterbildung der Industrie- und Handelskammer (IHK) Koblenz. „Besonders bei den Gastronomieberufen sind die Eintragungen drastisch zurückgegangen. Gegenüber dem Vorjahr gab es in unserer Region 2012 fast 14 Prozent weniger Ausbildungsverhältnisse in diesem Bereich.“
Trotz der sinkenden Bewerberzahlen will die große Mehrheit der Betriebe das Ausbildungsplatzangebot konstant halten. 70 Prozent der Unternehmen sind vor dem Hintergrund des zunehmenden Engpasses bei den Bewerbern bereit, auch lernschwächere Jugendliche in Ausbildung zu integrieren. Während schulische Leistungen von Unternehmensseite aktiv unterstützt werden können, sind ungenügende soziale und persönliche Kompetenzen ernsthafte Ausbildungshindernisse.
Bundesweit steigt die Unzufriedenheit der Unternehmen mit der Berufsorientierung, die mittlerweile von 53 Prozent der Unternehmen als konkretes Ausbildungshemmnis genannt wird. „In Rheinland-Pfalz ist hier zumindest ein positiver Trend erkennbar. Die Unternehmen haben den Handlungsbedarf erkannt und bieten mittlerweile aktiv ein immer breiteres Praktikumsangebot an“, so Meiser. Unterstützung erhalten die Unternehmen der Region dabei durch die IHK Koblenz, die unter anderem bei der Organisation von Schulpatenschaften zwischen Firmen und allgemeinbildenden Schulen behilflich ist. Seit Beginn des Projekts im Oktober 2009 konnten im nördlichen Rheinland-Pfalz über 330 solcher Patenschaften vereinbart werden.
Nahezu alle Betriebe nutzen bei der Azubisuche verstärkt alternative Wege und Medien. Die Meldung freier Stellen bei der Bundesagentur für Arbeit reicht bei Weitem nicht mehr aus, um geeignete Auszubildende zu finden. 60 Prozent der Betriebe setzen dabei auf das Internet, wobei Social-Media-Aktivitäten deutlich zunehmen. Auch hier bieten die IHKs mit der bundesweiten IHK-Lehrstellenbörse aktive Unterstützung für ihre Mitgliedsunternehmen an.
Pressemitteilung der IHK Koblenz
