Traditioneller Möhnenempfang im Kreishaus wartete mit einem tollen Showprogramm auf
Jecke Wiever machten den Landrat zum „Hahn im Korb“
Ahrweiler. Die närrischen Weiber konnten einfach nicht warten: Drei Tage vor dem Möhnentag schlechthin, dem Weiberdonnerstag, eroberten über 100 knatschjecke Möhne die Regierungszentrale des Kreises Ahrweiler. Landrat Jürgen Pföhler und der Kreisbeigeordnete Friedhelm Münch gaben sich geschlagen und akzeptierten die Machtübernahme ohne Murren.
Auf dem traditionellen Möhnenempfang im Kreishaus wurde geschunkelt, gesungen, gelacht, getanzt und gefeiert. Vom Rhein bis zu den Eifelhöhen strömten die Möhnen in die Kreisstadt, um das närrische Zepter zu übernehmen. Landrat Pföhler nahm es mit Gelassenheit und reimte sich munter: „Alaaf zusammen und herzlich willkommen! Ich grüß‘ Euch, die ihr seid gekommen, in meine Residenz zum Feiern und Lachen, um hier richtig ’ne Party zu machen. Liebe Möhnen, ich sag Euch gern, was ich weiß: Viele Karnevalsvereine gibt’s in unserem Kreis. Über die Hälfte ist nur für die holde Weiblichkeit gedacht, in 60 Möhnengruppen wird hier Karneval gemacht“. Dabei hatte sich Landrat Jürgen Pföhler auch extra in närrische Schale geworfen - und sollten dem kölschen Jung dann doch einmal die Kräfte versagen, sei mit dem Kreisbeigeordneten Friedhelm Münch ein richtiger Jeck „zur Stell‘“, gab der Landrat bekannt, der sich von den Möhnen im Rahmen des Defilees reich beschenken ließ. Mit einer schwungvollen Darbietung eroberte Niederzissens Solomariechen Anna-Marie Weiler die Herzen der überwiegend weiblichen Jecken im Saal wie im Sturm. Zuvor strapazierte Irmgard Köhler-Regnery alias „En aus Jönnerschdorf“ sämtliche Lachmuskeln - und musste dem Herrn Landrat erst einmal beibringen, wie man denn ihren Heimatort richtig ausspreche: „Jönn-ersch-doorf“ machte sie es ihm vor. Aus dem Vinxtbachtal, „in Richtung Amerika“, war die Landesbeamtin nach Ahrweiler gekommen, das entspricht der Wahrheit. Alles anderer geriet zur jecken Narretei zwischen den Tücken der Technik und plötzlichen Nahtoderlebnissen.
Es sei ja viel interessanter, über „Frauen un Jedöns“ und im Speziellen über „Die ältere Frau“ zu rekurrieren als über Kommunalpolitik im Verwaltungshaus, gab die kecke Irmgard zu verstehen. Und so holte sie aus: Ein Touchscreen bringe nur Probleme mit sich, schon „wahl- und ziellos“ habe sie sich gewählt, besonders schwer mit fettiger Handcrème: „Rechne man das alles zusammen, hätte der Herr Landrat die Wahl schon gewonnen“, ulkte sich die Gönnersdorferin durch ihren Auftritt. Kaum jemand kenne mehr die klassische SMS („Abkürzung für Steinmeißelservice“), und zwischen der Marseillaise bis hin zu „Mein Baum ist tot“ sei der Wahl des richtigen Klingeltons keine Grenze gesetzt. Zustimmendes Nicken gab es im Saal bei ihrer Frage: „Wie hat man sich eigentlich vor Handy und Internet verständigt?“. Damals gab es noch Uhren und Uhrzeiten, an denen man einander traf. „Und Orte gab es auch schon lange vor Google Maps“, stellte die Karnevalistin fest, um vor lauter Applaus nicht um eine Zugabe herumzukommen. Gute Laune versprühten derweil die beiden Stimmungskanonen Rudi und Tünn - und spätestens bei der Showeinlage des Walporzheimer Männerballetts schmolzen sämtliche Möhnenherzen dahin.
Der Rest war dann Party pur: Bevor Landrat Jürgen Pföhler seine närrischen Gäste verabschiedete und der Abend in ein gemütliches Beisammensein überging, stellten die bunt kostümierten Möhnen im Saal nicht nur musikalisch fest: „An der Theke ist der allerschönste Platz“ bei frischem Kölsch und spritzigem Sekt - auf Kosten des Landrates. Im Kreishaus soll dann später wieder langsam, aber sicher Ruhe eingekehrt sein. Aber nur bis zum nächsten Jahr, so viel steht jetzt schon fest, denn: „Wir kommen wieder“, ließen die kecken Weiber noch verlauten, ehe sie endgültig ihren Heimweg antraten. Landrat Jürgen Pföhler wird es freuen, macht er doch in der Rolle des Frauenverstehers Jahr für Jahr eine gute Figur. Bützje gibt es ja immer inklusive.
Über 100 knatschjecke Möhne eroberten die Regierungszentrale des Kreises Ahrweiler. Foto: FIX
