Märchenfest Ahrtal
Märchenfest und Mythen in Bad Münstereifel und Antweiler(Ahr)
aus Müsch
Märchenfest an der OberAhr.
Märchen offenb-AHR-en tiefgründige Wahrheiten.
Bad Münstereifel/Antweiler(Ahr) „Die Wahrheit, so wird es erzählt, wandelte rechtschaffen, nackt und bloß durch die Welt. Doch überall, wo sie auf Menschen traf, wurde ihr die Türe vor der Nase zugeschlagen. Da war sie ganz frustriert, rannte in den Wald, warf sich auf den Boden und weinete bitterlich. Kurz darauf kam das Märchen des Weges, froh und gut gelaunt, mit wehenden Tüchern und bunten Gewändern, sieht die Wahrheit jammervoll und fragt: ´Warum weinst du?´ Darauf die Wahrheit: ´Überall, wo ich auf Menschen treffe, wird mir die Türe vor der Nase zugeschlagen. Es wird wohl an meinem Alter liegen?´ ´Pah, das sicher nicht‘, entgegnet das Märchen. ´Schau, je älter ich werde, desto mehr lieben mich die Menschen. Aber, schau, Du darfst Ihnen nicht so nackt und bloß vor Augen treten. Du musst Dich schmücken.´ Und das Märchen gab der Wahrheit ein feines Gewand, und seither wandeln beide Hand in Hand und werden von den Menschen geliebt.“ Mit diesen einleitenden Worten eröffnete der Kurator des Conradushof-KulturGut , Hans Eberhard Maldfeld, den Abend in Gillíg´s Mühle.
Am Nachmittag zuvor desselbigen Samstags, des 08.August, bereits, war das Projekt ´Märchen, Mythen und andere Geschichten - frei erzählt´ in der Seniorenresidenz Haus Hardt, Bad Münstereifel, zu Gast. Der Saal war bis auf den letzten Platz besetzt. Maldfeld hatte zwei professionelle Märchenerzähler eingeladen, Ivo Hewing und Melody Reich. Mit dem Programm ´Glück, Tricksereien und andere Geschichten von Nah und Fern.´ nahmen beide ihre Zuhörerschaft mit auf eine einmalig phantastische Reise durch die Sagen und Märchen.
Hewing begeisterte, als er auf sinnliche Weise die Geschichte vom Teufelsloch illustrierte. Bilder mit Worten malen, mit Gesten und Blicken, mit dem Klang der Stimme Geschichten ins Hier und Jetzt zaubern, eine große Kunst, die Melody Reich´s Märchenmund auf beflügelnde Weise bei den Zuhörern lebendig werden ließ. Da wird das belastende ´Elend´ trickreich in einen hohlen Baumstamm weggesperrt und der Wohlstand wird wieder freudig gelebt, was nicht unerkannt bleibt dem gierigen Reichen, der Magie wittert, herausbekommt, wo er die Ursache des Wohlstandes vermutet und in der ´Befreiung ´ nunmehr selbst vom Elend heimgesucht wird.
Märchen & Mythen tauchen mit ähnlicher Grundaussage, in unterschiedlichen Kulturkreisen in verschiedenen Gewändern auf. So das Märchen der ´Goldenen Gans ´, das von Melody Reich hervorragend und spürbar auf die innewohnende Tiefe in Gestalt der Alten vorgetragen war, die im Wald einen Topf mit Gold findet und auf dem Nachhauseweg am Ende gewahr wird, welch Ehre ihr zuteil wurde, das magische Feenwesen „Hedley Kow“ geschaut zu haben.
Zurück im Ahrtal erzählt Hewing eindrucksvoll die Sage vom Rittersprung, jugendlich dynamisch und manchem älteren Zuhörer in unerwartetem Tempo. Eröffnet hatte Hewing den Nachmittag gemäßigter mit der Sage von der ´Bunten Kuh ´, der zu Stein erstarrten, die an den Raubritter erinnert, der von dem Bong-Bong ihrer Glocken -mit chorischer Resonanz des Publikums- zur Andacht gerufen, von seiner ursprünglichen Absicht, die Kaufleute auszurauben abgebracht wurde.
Welch ein eindrucksvoller Nachmittag, gefolgt von einem ebenso eindrucksvollen Abend mit einem zweiten Programm ´Rührlöffel, Sternenschleier und andere Geschichten von starken Frauen.´ in der Antweiler Mühle.
Aus überheblicher Langeweile stellt der König der schönen Müllerstochter ein Rätsel, unlösbar, weil absurd, wie er weiß, doch auf die intelligente Antwort folgt zunehmend sein Unmut und weitere Rätsel bis er sie am Ende zur Frau nimmt, doch mit der Auflage, niemandem einen Rat zu geben. Er selbst will sein Gesicht nicht verlieren.
Großartig startete Hewing diesen Erzählabend gefolgt von Melody Reich mit dem italienischen Märchen von den „Sieben Paar eisernen Schuhen“, in welchem die Treue und Liebe zu ihrem Prinzen die junge Frau stark jede gestellte Aufgabe lösen und erfüllen lässt.
Nach aktuellen Wahrheiten in alten Sagen zu forschen, alte Märchen in sein eigenes Gewand zu kleiden ist Hewings Leidenschaft. Einfühlsam und in beeindruckender Farbigkeit trug er das norwegische Märchen von „Zottelhaube“ vor, deren tief innewohnenden Werte sie am Ende erst durch ihre Antwort auf seine Frage offenbart.
Die Sage von „Hel“ aus der nordischen Mythologie trug er erneut dynamisch und in beeindruckendem jugendlichen Tempo vor. Begeisternd vermochte Melody Reich die Mär von „Lindu’s Sternenschleier“ in die Herzen der exklusiven abendlichen Hörerschaft zu zaubern.
Dem sommerlichen Wetter, dem Termin des letzten Ferienwochenendes möge geschuldet sein, dass der Wunsch eines vollen Saales in der Mühle unerfüllt blieb. Der geplante Workshop für die Kindern mit Marion Seiler wurde aus erwähnten Gründen verschoben.
Dankbarer und herzlicher Applaus für die Veranstaltungen des Conradushof-KulturGut macht neugierig auf die zukünftigen Angebote.
Gefördert wurde ´Märchen, Mythen und andere Geschichten- frei erzählt ´ vom Kreis Ahrweiler, der Stiftung der Kreissparkasse Ahrweiler. Unterstützt wurde dieses Projekt vom Verein zur Heimatpflege Antweiler e.V., sowie der Gastfreundschaft von Gillig´s Mühle.
Text: Hans Eberhard Maldfeld
Foto: Wolfgang Reich
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v.li.: Ivo Hewing, Melody Reich, Hans Eberhard Maldfeld Foto: Wolfgang Reich
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