Forstamt Adenau
Schwarzer Storch?
Waldbewirtschaftung schont die Jungenaufzucht seltener Vogelarten
Region. In diesen Wochen zieht auch in den tiefen Wäldern der Eifel der geheimnisvolle Schwarzstorch seine Jungen groß. Mit acht bis zehn Brutpaaren ist der westliche Kreis Ahrweiler und der nördliche Kreis Mayen wegen der einsamen großen alten Buchenwälder und der fischreichen Bäche eines der am dichtesten besiedelten Gebiete Deutschlands. In ganz Rheinland-Pfalz leben rund 60 Brutpaare, in Deutschland 600. „Ich selbst wäre Anfang der 90er Jahre beinahe in den Straßengraben gefahren, als ich zum ersten Mal völlig unerwartet einen erwachsenen Schwarzstorch auf einer Waldwiese sah“, berichtet Förster Jürgen Wagner vom Forstamt Adenau. „Ich hatte immer davon geträumt, einen dieser wundervollen Waldvögel in freier Wildbahn zu sehen.“ Nachdem der Schwarzstorch nun regelmäßig im Ahrgebiet brütet, nehmen die Förster bei der Waldbewirtschaftung auf ihn ganz besondere Rücksicht. „Kurz vor und während der Brutzeit werden keinerlei Forstarbeiten in unmittelbarer Nähe der Horstbäume durchgeführt“, so Förster Wagner. Schon ein bis zwei Störungen können dazu führen, dass die Altvögel ihre Brut aufgeben und einen neuen Brutplatz suchen. Nach 35-tägiger Brutdauer stehen die Jungstörche dann 60 Tage als Nestlinge auf dem riesigen Horst. Mitte Juli sind sie fertig entwickelt und flugfähig. Die Jungvögel sind buchstäblich Grünschnäbel, denn im Gegensatz zu den leuchtend roten Schnäbeln der Altvögel sind ihre noch grün. Anfang August verlassen die Jungstörche die Eifel und fliegen via Gibraltar nach Westafrika. „Bis vor einigen Jahren hatten wir im hiesigen Raum noch eine der äußerst seltenen Felsenbruten. Doch dann übernahm ein Uhupaar dieses Gebiet. Der Schwarzstorch zog einige Kilometer weiter, da ihm die Uhus, die seine Jungen rauben, zu stark sind“, weiß Jürgen Wagner zu berichten. Die Altvögel des scheuen und seltenen Waldvogels, der fast 100 Jahre im Westen Deutschlands ausgerottet war, folgen ihren Jungen zwei Wochen später ins Winterquartier.
Pressemitteilung
Forstamt Adenau