Freilichtbühne Schuld zeigt orientalisches Märchen
„Sindbads Reise ins Glück“
Schuld. Der Orient war auf der Waldlichtung der Freilichtbühne in Schuld schon öfters zu Gast, 1986 hieß es hier „Der Schatz des Alibaba“, 2007 sah man „Aladin und die Wunderlampe“, nun also wieder ein Märchen aus 1001 Nacht, „Sindbads Abenteuer“ stehen in diesem Jahr auf dem Programm. Regisseur Raik Knorscheidt hat die Textvorlage selbst erstellt, Dutzende von Mitwirkenden setzen sie bei der umjubelten Premiere um.
Orientalisches Treiben auf der grünen Waldbühne
Es beginnt, wie man sich als Europäer den Orient gerne vorstellt: Buntes Treiben auf dem Markt von Bagdad, Händler preisen lautstark ihre Teppiche an, ein Gaukler zeigt Kunststücke und speit Feuer, allerlei Waren werden feilgeboten, leckere Früchte warten auf Abnehmer. Mittendrin im Gewimmel sitzt der Lastenträger Sindbad, der nicht nur an den Teppichen, sondern auch an seinem Schicksal schwer zu tragen hat. Sein Namensvetter Sindbad der Kaufmann lädt den mit seinem Los Hadernden ein, bewirtet ihn in seinem prunkvollen Zuhause und erzählt eine Geschichte, das Märchen aus dem Morgenland kann beginnen. Prinz Kassim soll gekrönt werden. Die Festgesellschaft hat sich in prächtigsten Kostümen zur Zeremonie versammelt, die wunderschönen, in den Hüften besonders beweglichen Tänzerinnen haben zu Ehren des neuen Königs getanzt, da geschieht das Unfassbare: Zenobia, die böse Stiefmutter, verwandelt Kassim in einen Affen, um damit ihren Sohn Rafi auf den Thron zu bringen. Das ist die Gelegenheit für Sindbad, er macht sich Prinzessin Farah, der Schwester des Prinzen und einer Handvoll Leuten auf, um den Fluch rückgängig zu machen und Kassim wieder auf den Thron zu bringen.
Abenteuerliche Reise mit Eremit und einem Koloss
Mit dem Schiff, das mehrmals über die Lichtung segelt, macht sich Sindbad auf die Reise zum Eremiten Melantius, der als Einziger das Rätsel der Verwandlung lösen kann. Er glaubt zunächst nicht, dass dieser Orang-Utan tatsächlich ein verzauberter Mensch ist. Als der Affe aber schreiben und Schach spielen kann, ist er überzeugt und stellt sein ganzes Wissen in den Dienst der guten Sache. Gemeinsam schippern sie weiter, bis sie zum Schluss am Schrein der Arimaspen den Fluch lösen können, selbst ein bronzener Koloss namens Minoton kann sie daran nicht hindern. Zurückgekehrt nach Bagdad wird der rechtmäßige Prinz gekrönt, Sindbad kriegt die schöne Prinzessin zur Frau und darf fortan als Seefahrer statt als Lastenträger sein Leben fristen.
Anspruchsvolles Spektakel mit Rauch und Feuer
Die Inszenierung von Raik Knorscheidt bedient sich eines klugen Kunstgriffs. Ester Goldstein, Tochter des im vergangenen Jahr verstorbenen Michael Vogel, dem im Programmheft ein rührender Nachruf zuteil wird, erläutert als Scherezade mit angenehmer Stimme aus dem Off das Geschehen. Aber die verwickelte Geschichte um Liebe, Freundschaft und Glück, aber auch um Wissenschaft und Schwarze Magie ist anspruchsvoll, stellt die Schauspieler, aber auch das Publikum vor eine Herausforderung. Sehr klar ist die Botschaft, die das Stück vermitteln will, aber der ambitionierte Text und manche Längen machen es vor allem den jüngeren Besuchern schwer, zu folgen, so kommt gelegentlich Unruhe auf. Außerdem hätte man sich etwas mehr Humor und eine Prise Lokalkolorit gewünscht, wie man es aus den Vorjahren kannte. Abgesehen von diesen kleinen Schwächen hat das tolle Theaterspektakel in Schuld aber viele Stärken: Ein engagiertes Darstellerensemble, das von den Hauptrollen bis in die kleinste Charge mit Eifer bei der Sache ist, ein Bühnenbild, das seinesgleichen sucht, Kostüme und Maske als exzellent gemeisterte Herkulesausgabe, Feuer, Rauch und Pyrotechnik satt, alles zusammen ein großes orientalisches Spektakel. Die bezaubernde Geschichte um Sindbad und seine phantastischen Abenteuer sollte man sich nicht entgehen lassen, zu sehen live und in Farbe bis 10. August jeden Samstag (20.30 Uhr) und Sonntag (15.30 Uhr), Karten unter Tel. (0 26 95) 3 18.
