Katholische Arbeitnehmer-Bewegung Reifferscheid/Rodder
„Wir sind bei der Landesregierung gegen Gummiwände gerannt“
KAB-Frau Elisabeth Herudek berichtet über Sozialstandards in Partnerprovinz Fujian
Reifferscheid/Adenau/Kreis Ahrweiler. „Wie lebt man dort, wo unsere Waren herkommen?“ war die zentrale Fragestellung interessierter Teilnehmer, die kürzlich im Pfarrheim Reifferscheid zusammenkamen. Der Vorsitzende des Ortsverbandes der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Reifferscheid/Rodder Peter Kaiser begrüßte die Anwesenden herzlich, besonders die Referentin des Abends, Elisabeth Herudek, sowie den Bezirkssekretär der KAB, Bezirksverband Mittelrhein, Martin Mohr. Die KAB Reifferscheid/Rodder hatte diesen Abend in Kooperation mit dem KAB-Bezirksverband Mittelrhein angeboten. „Made in China“ war der bezeichnende Titel; ein Dokumentarfilm mit dem Namen „Bewegung in China - das Problem der Arbeitsmigration in Fujian“, Berichte der Referentin Elisabeth Herudek aus dem Partnerschaftsbesuch im vergangenen Jahr und die anschließende Frage- und Diskussionsrunde ließen die nach wie vor gravierenden sozialen Schieflagen in der rheinland-pfälzischen Partnerprovinz deutlich werden.
Elisabeth Herudek ist Vertreterin des KAB-Diözesanverbandes Trier im Arbeitskreis „Keine Partnerschaft ohne Sozialstandards“, der im Februar 2012 mit zwölf VertreterInnen in die Provinz Fujian gereist war, mit der das Bundesland Rheinland-Pfalz eine Wirtschaftspartnerschaft pflegt. „Im Rahmen der zahlreichen Partnerschaftsaktivitäten wurde anscheinend noch nie die Sprache auf Arbeits- und Sozialstandards gebracht. Wir mahnten dies bei der Landesregierung an und sind bei ihr immer nur gegen Gummiwände gerannt“, berichtete Elisabeth Herudek, „dann haben wir den Entschluss gefasst, einfach hinzufahren“.
Bevor der Dokumentarfilm gezeigt wurde, berichtete die Referentin, die selbst beim Partnerschaftsbesuch dabei war, über wesentliche Entwicklungen, Vorgänge und Situationen wie die Rechtlosigkeit der 10 Millionen Wanderarbeiterinnen. Das schlechte Bildungsniveau sowie fehlende Arbeitsplätze auf dem Land rauben ihnen die beruflichen Perspektiven und Frauen haben noch schlechtere Bedingungen als Männer. Sie versuchen ihr Glück in der Stadt.
Der Film machte eindrucksvoll-beklemmend das ganze Ausmaß der Situation in Fujian offensichtlich: Die wenigsten unter den Wanderarbeiterinnen haben ein ordentliches Arbeitsverhältnis; sie arbeiten überwiegend in Fabriken und erhalten ein Einkommen, das ihnen kein Auskommen gewährleistet. Dazu kommen unzureichende Sozialleistungen, staatliche Restriktion sowie die nur zaghafte Entwicklung von Gewerkschaften, die diesen Namen auch wirklich verdienen. 40 Prozent der Wanderarbeiterinnen würden gerne auf dem Land leben, was nicht verwundert. Der Familienzusammenhalt und besonders auch die Sorge um die Alten genießt unter den chinesischen LandbewohnerInnen eine nach wie vor sehr hohe Wertschätzung. Und wenn sie eines Tages wieder zurück auf das Land zu ihren zurückgelassenen Kindern, zu ihrer Familie kehren möchten, werden sie gleich nochmals dafür bestraft: Sie dürfen ihren Rentenanspruch nicht mitnehmen.
„Was können wir dagegen unternehmen?“ war die dominierende Frage im anschließenden Gespräch mit der Referentin. Denn dies scheint angesichts der wachsenden wirtschaftlichen Bedeutung des inzwischen 1,4 Milliarden Einwohner starken chinesischen Staates fast aussichtslos, oder? Beispiel Textilindustrie und -handel: Die neueste „Masche“ ist wohl, dass im Kleidungsstück gar kein Etikett mehr ist, das über dessen Herkunft aufklärt. So sollen wohl aus verantwortungsvollen KäuferInnen willige KonsumentInnen gemacht werden. „Das wird aber nicht auf Dauer so weitergehen“, ist sich Elisabeth Herudek sicher, „denn in China herrscht jetzt bereits Arbeitskräftemangel und die wachsende Zahl der KundInnen in Deutschland, die kritisch nachfragen, wo und unter welchen Arbeitsbedingungen produziert wurde, wird noch so einiges zum Guten hin korrigieren, denn sie haben Macht“, so Herudek. Es gelte auch, an einem Punkt dieses fast überwältigenden Problems anzufangen, Veränderungen herbeizuführen und dies immer auch öffentlich zu machen. Spontan kam es an diesem Abend zum Entschluss, dass die KAB Reifferscheid/Rodder Textilfirmen, die in China produzieren, anschreibt und gezielt nach den Arbeitsbedingungen nachfragt und menschenwürdige Arbeitsbedingungen sowie faire Löhne einfordert.
Der AK Fujian und die KAB Trier (Informationen unter www.kab-trier.de) werden bei der Landesregierung Rheinland-Pfalz auch weiterhin das soziale Element in den Partnerschaftsverträgen einfordern.
Weitere Informationen zur Arbeit des AK Fujian unter www.ak-rlp-fujian.de.
Pressemitteilung
KAB Reifferscheid/Rodder
