Närrische Kurzweil bei der Sitzung der Möhnengesellschaft „Ewig Jung“ 1948
Annenache Möhne können Faasenacht!
Andernach. Verstand man in alten Zeiten unter „Möhnen“ ältere, verheiratete, mitunter auch verwitwete Frauen in dunkler Kleidung und mit Kopfbedeckung, so präsentiert sich diese Weiblichkeit heutzutage, vor allem in närrischer Zeit, jung geblieben, ausgelassen, farbig gekleidet und voller Humor. Die Andernacher Möhnengesellschaft „Ewig Jung“ 1948 bot in ihrer Sitzung rund 500 närrisch gestimmten Frauen, doch auch zahlreichen Männern, die sich in die Frauendomäne gewagt hatten, ein närrisches Programm, das eindrucksvoll alle Genres eines unterhaltsamen Sitzungskarnevals bediente.
Die sterbende Träne
Nachdem Hans-Peter Gerdom und sein Bandpartner Ewald Müller („Mickeys“) das wohlgestimmte Publikum in der Mittelrheinhalle mit Musik-Gymnastik für den Einzug des Damenkomitees und die Grußworte der Obermöhn Ingeborg Ludwig-Kraemer erfolgreich auf eine angemessene „Betriebstemperatur“ bringen konnte, stellte die Möhnenchefin das neue Sitzungskomitee vor. Mit Ingeborg Ludwig-Kraemer zeichnen nun Birgit und Manfred Freitag, Valeska Ludwig-Leinen, Petra Thelen, Andrea Schmitz Blum sowie Eva und Thomas Zinken für die Programmgestaltung der Möhnensitzung verantwortlich. Martina Bortscheller hatte ihr Amt als Leiterin der Fidelitas und Sitzungspräsidentin im Vorjahr aufgegeben. Erwartet fulminant fiel der Einzug von Prinz Tobias I. „Vom Gipfelbezwinger zum Tambourstabschwinger“ und Prinzessin Janine I. „die Frohnatur mit der Sonne im Herzen“ und ihrem Gefolge aus. Selbstverständlich übernahm Ihre Lieblichkeit Janine das Mikrofon, haben doch die Männer im „Hoheitsgebiet“ von Närrinnen zurückzustehen (offizielle Verlautbarung des Hofes: Seine Tollität hat „Männerschnupfen“). Dem Prinzen gelang es jedoch, Janine noch flüsternd als Botschaft für die Damen im Saal zu übermitteln, er wäre gerne „als Träne in den Augen der Frauen geboren worden, um schließlich auf ihren Lippen zu sterben.“ Junger Charmeur! Es folgte die obligatorische, stimmungsvolle Musikpräsentation des närrischen Regierungsensembles. Die „Möhnenhüpfer“, Kinder unter acht Jahren, ließen als Köche tänzerisch ihre Kochkünste erahnen. Reizend ihre Kostüme, einfangend ihr Tanz. Schon seit sechs Jahren wirbelt Felix Brenner mit der Nachwuchsgruppe über die Bühne und erhielt dafür als Anerkennung den diesjährigen Kinderverdienstorden. Puddel Jonas Leinen brachte Jung-Büttenrednerin Celina Ebert mit. Die 14-Jährige steht nicht nur seit vier Jahren auf der Möhnen-Bühne, auch die Prinzengarde entdeckte ihr Talent und erfreut sich ihrer Rednerqualitäten. Viel Applaus gab’s für die sympathische und erfrischende Celina. Mit ihrem schmissigen Gardetanz erfreuten Sandy und Johanna Dötsch von den Bassenheimer Möhnen und erarbeiteten sich eine Zugabe. Schlagerstar Andrea Berg in Andernach? Nein, Oliver Dittert war es, der da auf der Bühne eine eindrucksvolle Parodie der Sängerin darbot.
Ohne Bienen kein Spiel
Schlagfertig, frech, spontan und urkomisch erlebte man die „ahl Tösch“ (Andrea Nett), nach eigenem Bekunden „die letzte Überlebende aus Johannes Heesters Krabbelgruppe“. Als die „Oma“ zum verbalen Rundumschlag ausholte, blieb kein Auge trocken. „Herr Hütten, wo haben sie den Peitz versteckt? Sitzen sie etwa drauf?“ Kurzweiliger Spaß mit Lachgarantie, beim Auftritt der sonst jungen Sparkassenangestellten. Die „Youngstars“, das gemischte Möhnen-Nachwuchsballett, entführte ins märchenhafte Nimmerland, der Heimat von Peter Pan. Ihr wöchentliches Tanztraining konnte nun endlich auf der großen Bühne zur Begeisterung der Närrinnen und Narren umgesetzt werden. Dann - eine Katastrophe! Zumindest in Andernach. Die Bienenkörbe für das Bäckerjungenspiel waren verschwunden und die Linzer nahten schon. Alarm, Krisenbesprechung. Oberbürgermeister, Bürgermeister, Stadtbedienstete, Spiel-Leiter, Wehrleiter, Party-Zwillinge, Exprinz und viele mehr waren außer sich. Die Stadtsirene heulte. Wo sind die Bienen? Während im Rheintor übergangsweise das Summen der Insekten imitiert wurde, fanden sich die sagenhaften Körbe dann doch noch - sie waren nur weggeräumt worden. Köstlich und originell dieser Klamauk des 15-köpfigen Sketch-Ensembles. Ähnlichkeiten mit stadtbekannten Personen waren gewollt! Das Publikum dankte es mit Lachsalven und einem Riesenapplaus.
Schlag auf Schlag durch die zweite Halbzeit
„Zickezacke-Halligalli, wir sind schon wieder da“, tönte es nach der Pause durch die vollbesetzte Mittelrheinhalle. Die „Spruddler“, Gerd und Fred Thelen, rissen mit ihren selbstgetexteten und komponierten Stimmungshits nicht nur Andernachs OB vom Stuhl. Die „Party-Zwillinge“ verstehen ihr Fach: indem sie die Nähe ihres Publikums suchen, es animieren, nehmen sie auch Stimmungsmuffel mit auf ihre Tour der guten Laune. „Firedancer goes to Kölle“, so das Motto der gemischten Showtanzgruppe „Firedancer“, die mit ihrem mitreißenden Tanz in rot-silber-schwarzen Kostümen choreographisch Melodien der Kölner Mundart-Band Brings umsetzte. Da reifte die Stimmung zum Höhepunkt. Zugabe! Für Thomas Zinken, dem passionierten Dauerkarnevalisten, beginnen die Vorbereitungen für die Faasenacht schon am Karfreitag und an Weihnachten heißt es für ihn „Die Lichter hann jenoch gefunkelt, ab sofort wird hier jeschunkelt!“ Gefällig sein Reim, pointenreich seine Geschichte. Luisa Karbach und Sebastian Schneider bewiesen einmal mehr den Variantenreichtum ihres modernen Paartanzes, der ein fester Bestandteil im Programm der Möhnen „Ewig Jung“ ist. Ihre blickfangende, ausgefeilte Choreographie wurde in diesem Jahr auf Disney-Melodien aufgebaut. Liebreizende Schottinnen eroberten danach die Bühne. Die „Schööönsteher“, 20 Tänzerinnen, die jüngste 18, die älteste 56 Jahre, brachten das Flair des Vereinigten Königreiches in die Halle. Ihr Schlachtruf: „Wie stohn mer häi? Schön stohn mer häi“. Das Publikum gab ihnen Recht, verlangte eine Zugabe und verabschiedete die rothaarigen und schwarz-rot-kariert gekleideten Insulanerinnen frenetisch. „Et Dieterche vom Rhein“, der manchmal aus dem Mund riecht wie ein „Furz“, plauderte so einiges aus dem Nähkästchen über sein „Wachholderbeerchen“, bei dem er kaum zu Wort kommt, das beim Duschen nicht die Vorhänge schließen muss, weil das dann schon die Nachbarn tun und das eine Konfektionsgröße von schätzungsweise 78 hat, weil sein 80 cm Fernseher nur geringfügig schmaler ist. Dieter Scharnbach, der trockene Humorist mit jahrzehntelanger Bühnenerfahrung punktete mit vergnüglichen Anekdoten. Ein Taschendieb in der Mittelrheinhalle? Nicht mehr lange! Sage und schreibe 17 Polizisten nahmen sich der Sache an und machten den Gauner dingfest. Die „Möhnemänner“, bereits im 15. Jahr auf der Möhnenbühne, inszenierten die Gaunerkomödie tänzerisch und landeten damit ein weiteres Highlight.
Was blieb nach dem fast fünfstündigen unterhaltsamen Programm? Das Fazit: „Annenache Möhne können Faasenacht!“
Bei den Möhnen führte sie das Wort: die Frohnatur mit der Sonne im Herzen - Prinzessin Janine I.
Die „Möhnenhüpfer“ gaben einen tänzerischen Eindruck von ihren Kochkünsten.
