Allgemeine Berichte | 29.11.2013

Ausstellung der Foto-Arbeitsgemeinschaft läuft noch bis zum 8. Dezember

Auch Fred Doll hinterlässt „Spuren der Vergangenheit“

Der VHS-Dozent und Leiter der Fotoarbeitsgemeinschaft wird nach über 40-jähriger Kursleitertätigkeit in der Volkshochschule Andernach feierlich verabschiedet

„Ehemalige Fa. Weissheimer“ (Fred Doll).

Andernach. In der Fotoausstellung „Spuren der Vergangenheit“ im Historischen Rathaus präsentiert die Foto-Arbeitsgemeinschaft der VHS künstlerische Fotos aus ihren diesjährigen Kursen. „Die Bilder wollen“, so Fred Doll, VHS-Dozent und Leiter der Fotoarbeitsgemeinschaft, in seiner Einführung bei der Vernissage, „den Betrachter an längst vergangene und unvergessene Spuren in der Vergangenheit erinnern, sie vorstellen und beeindruckende Augenblicke festhalten.“ Die Bilder führen die Besucher aus ihrer täglichen oberflächlichen Wahrnehmung zur Detailbeachtung. Da wirkt zum Beispiel selbst ein alter rostiger Fahrradsattel wie ein technisches Kunstwerk.

Die Fotoausstellung im Historischen Rathaus ist noch bis zum 8. Dezember geöffnet: Mittwoch bis Freitag 10-12 und 14-18 Uhr; Samstag 9-14 Uhr und am Sonntag 13-18 Uhr.

„BLICK aktuell“ führte mit Fred Doll ein Interview. Der rüstige 76-jährige gebürtige Nickenicher, ehemalige technische Beamte und dreifache Großvater gab uns dabei auf unsere Nachfrage einen beindruckenden Einblick in die farbige Palette seines ehrenamtlichen Engagements. Ergänzend zu erwähnen ist Dolls kompetentes Wirken als Initiator, Organisator und Leiter der traditionellen, in Fachkreisen hochgeschätzten, „Nickenicher Fototage“. Während dieser Veranstaltung wirbt Fred Doll bei den internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen von Stadtbesichtigungen auch immer wieder für die Attraktivität Andernachs.

„BLICK aktuell“: Nadar, ein bekannter französischer Fotograf sagte schon vor 150 Jahren: „Die Fotografie ist eine wunderbare Entdeckung, eine Wissenschaft, welche die größten Geister angezogen, eine Kunst, welche die klügsten Denker angeregt - und doch von jedem Dummkopf betrieben werden kann.“ Teilen Sie diese Bewertung?

Fred Doll: Da widerspreche ich. Fotografie kann nicht von jedem Dummkopf betrieben werden, aber von jedem Menschen, egal welchen Alters er ist oder aus welchem Umfeld er kommt. Ob er ein einfacher Mensch ist oder ein Akademiker - jeder kann fotografieren.

„BLICK aktuell“: Etwa 1300 Teilnehmer haben Sie in den letzten vier Jahrzehnten in über 90 VHS Kursen in Techniken der Fotografie eingeführt, haben Ihnen den rechten Blick vermittelt. Was waren das für Leute?

Fred Doll: Der Querschnitt zieht sich durch alle Bevölkerungs- und Altersschichten.

„BLICK aktuell“: Was macht für Sie den Unterschied zwischen „knipsen“ und fotografieren aus?

Fred Doll: Ganz einfach. Wenn jemand ein Andenkenfoto braucht, dann wird er/sie wahrscheinlich knipsen, auch als Profi. Wird jedoch vorher überlegt, also lässt man das Bild im Kopf entstehen, dann spricht man von „Fotografieren“.

„BLICK aktuell“: Wie lautet Ihre Hauptempfehlung für fotografische Neueinsteiger?

Fred Doll: Der Einsteiger sollte nicht meinen, die teuerste Ausrüstung haben zu müssen. Man sollte mehr Wert darauf legen, wie man Fotos gestaltet, damit sie die gewünschte Aussage treffen. Eine nachträgliche Korrektur und Bearbeitung am Computer sollte man sich nicht so einfach vorstellen.

„BLICK aktuell“: Ist eigentlich eine Nachbearbeitung unter Profis verpönt?

Fred Doll: Viele Profis lehnen sie ab. Auch wenn ich in einer Jury sitze, heißt es oft, das Bild ist bearbeitet, das möchten wir nicht haben. Ich halte eine Nachbearbeitung aber für legitim. Früher hat man auch manipuliert.

„BLICK aktuell“: Das fotografische Arbeits-Ergebnis Ihrer Kurse präsentierten Sie über die Jahrzehnte in rund 150 Ausstellungen. Die diesjährige ist überschrieben mit „Spuren der Vergangenheit“. Was bekommen interessierte Besucherinnen und Besucher hier noch bis zum 8. Dezember zu sehen?

Fred Doll: (auszugsweise) Zum Beispiel das direkte Umfeld, also die Stadt Andernach, alte Gebäude, an die man sich vielleicht noch als Kind erinnert. Weiter zerfallene Industrieanlagen aus der Nachkriegszeit und Kriegsruinen in Frankreich oder Bilder von Ausstellungsstücken im Eisenbahnmuseum Koblenz.

„BLICK aktuell“: Wann haben Sie selbst zum ersten Mal im Leben eine Kamera in die Hand genommen?

Fred Doll: Als Kind. Ein Schulfreund, der mit seinem Fotoapparat nicht umgehen konnte, hat ihn mir gegeben. Es muss so um das Jahr 1950 gewesen sein, als mir meine Mutter dann zu Weihnachten eine neue Kamera schenkte,- eine Agfa Record III. Die habe ich heute noch.

BLICK aktuell“: In den letzten Jahrzehnten gab es in der Fotoszene eine rasante Entwicklung. Sie selbst haben noch die Zeiten der überwiegenden Analog-Schwarz-Weiß-Fotografie mit Rollfilmen erlebt, die dann erst noch in einem Labor entwickelt werden mussten. Jetzt sind wir in der Zeit der Digitalkameras angekommen. Welche Fotografie-Epoche war für Sie die Schönste?

Fred Doll: Die Zeit, in der ich im eigenen Labor manuell die Bilder entwickelt habe.

„BLICK aktuell“: Für Ihr besonderes ehrenamtliches Engagement in mehreren gesellschaftlichen Bereichen wurde Ihnen vor einem Jahr in Mainz das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland verliehen. Was bedeutet Ihnen diese Würdigung?

Fred Doll: Es ist für mich eine Anerkennung für meine ehrenamtliche Tätigkeit, nicht nur im Bereich der Fotografie. Der Schwerpunkt lag auch im Sozialen. Als ausgebildeter Sozialarbeiter habe ich mich damals in Plaidt für den Aufbau des Jugendheimes eingesetzt und für dessen Belebung gesorgt. Auch zahlreiche Ferienlager führte ich durch. Darüber hinaus baute ich dort eine DRK-Ortsgruppe auf, deren Vorsitzender ich 25 Jahre lang war. Nicht zuletzt war ich Amtmann einer Nachbarschaft und betreue heute noch sechs Waisen im Rahmen des Postbetreuungswerkes.

„BLICK aktuell“: Nun wurden Sie nach über 40-jähriger Kursleitertätigkeit in der Volkshochschule Andernach in der Vernissage feierlich verabschiedet. Ich vermute dennoch, bei Fred Doll wird auch künftig keine Langeweile aufkommen? Was gibt’s zu tun?

Fred Doll: Man muss sich zunächst selber etwas zurücknehmen und nicht meinen, man müsste wieder alles neu erfinden. Ich möchte natürlich jetzt auch wieder selber mehr fotografieren.

„BLICK aktuell“: Vielen Dank, Herr Doll, für dieses Gespräch und weiterhin alles Gute für Sie.

Das Gespräch führte Michael Krupp.

„Ehemalige Fa. Weissheimer“ (Fred Doll).
„Geblieben sind Ruinen“ (Rainer Nitten).

„Geblieben sind Ruinen“ (Rainer Nitten).

„Ehemalige Fa. Weissheimer“ (Fred Doll).

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