Der Historische Verein zu Besuch beim Restaurator
Aus Liebe zum Vergangenen
Nächste Exkursion des Historischen Vereins am 29. Juni
Andernach. 2020 hat der Andernacher „Dom“, die Liebfrauenkirche, 800 jähriges Jubiläum. Das war für den Historischen Verein Andernach Anlass, die Themen des Jahres 2019 als Vorbereitung auf dieses Ereignis zu wählen. Im Januar besuchten die Mitglieder eine Ausstellung zu Werken des „Samsonmeisters“, eines mittelalterlichen Bildhauers, der auch für den Bauschmuck am Andernacher Dom verantwortlich war. Im März folgte ein Vortrag zum Thema Wandmalerei in mittelalterlichen Kirchen im Rheinland. Das Mittelalter scheint lange vergangen, über ein halbes Jahrtausend entfernt und doch holt es einen immer wieder ein- spätestens, wenn Baudenkmäler oder Kunstwerke aus dieser Zeit ihr Alter im Zustand verraten und gepflegt werden wollen. Dann schlägt die Stunde der Fachleute und Restauratoren. Einen von ihnen durften jüngst die Mitglieder des Historischen Vereins in Mendig besuchen. Der Restaurator Stephan Retterath empfing die Besucher in seiner Werkstatt, die er sich in einem ehemaligen Brauhaus, welches auch mal als Schneiderei gedient hatte, nach seinen Vorstellungen und Bedürfnissen eingerichtet hat. Er erklärte, dass er nach seiner Lehre als Schreiner noch einen Studiengang für Restaurierung und Konservierung absolvierte. Ideal ist es in seinen Augen, wenn sich das akademische Fachwissen mit handwerklich fundiert erworbenen Techniken kombinieren lässt. Natürlich gibt es für jedes Material speziell ausgebildete Restauratoren. Retterath versteht sich als „Holzfachmann“. Die Besucher staunten über die großen Räume, stabilen Maschinen, Werkbänke und Arbeitsvorrichtungen, die auch die Herstellung beziehungsweise Wiederherstellung großer Werkstücke erlauben.
Grundsätze von Restauratoren
Bei der ausgiebigen Besichtigung erklärte Retterath zum Teil an bestimmten Werkstücken, zum Teil ganz allgemein die Grundsätze seriöser Restauratoren: Grundsätzlich gilt es vor dem Restaurieren mit dem Besitzer, beziehungsweise Auftraggeber, über die anstehenden Maßnahmen zu sprechen und abzuklären, ob ein Objekt in seinem Zustand nur gereinigt und konserviert werden soll. Oder ob beschädigte Teile ersetzt werden müssen und wenn ja, ob mit moderner Technik oder in der historischen gearbeitet werden soll. Hier ist die Kenntnis historischer Arbeitsverfahren und Materialien enorm wichtig, auch das Wissen um alte Farbzusammensetzungen, Pigmente, Bindemittel. Grundsätzlich gebietet der Respekt vor dem Original und seiner Geschichte ein behutsames Vorgehen und eine Reversibilität, sodass später notwendige Eingriffe vorherige Maßnahmen rückgängig machen können, falls dies nötig wäre. Im Zweifelsfall entscheidet man sich heute eher für eine Konservierung, es sei denn, dass die praktikable Nutzung und Weiterverwendung, zum Beispiel bei Möbeln oder Gebäuden, auch eine Restaurierung beschädigter Teile nahelegt. Die Besucher hatten schon das ein oder andere „Schätzchen“ im Kopf, welches sie im Geiste bereits in Stephan Retteraths Hände legten. Alle waren sich einig, dass der Besuch in Mendig sich sehr gelohnt hat. Die nächste Exkursion des Historischen Vereins geht am 29. Juni nach Köln, wo die Besichtigung von St. Pantaleon und der Dombauhütte, beziehungsweise des Kölner Doms anstehen. Treffpunkt ist der Bahnhof Andernach um 8:15 Uhr.
