Bäckerei Andernach
Bäckerei Kalt in Andernach – Geschichte und Handwerksliebe
aus Andernach
Andernach. Wenn Manfred Kalt von seiner Bäckerei erzählt, spricht er nicht zuerst über Maschinen, Arbeitszeiten oder Umsätze. Er spricht über Menschen. Über seinen Vater, bei dem alles begann. Über seinen Schwiegervater, dem er bis heute dankbar ist. Und vor allem über seine Frau Annemarie, mit der er die Bäckerei Kalt in Andernach zu einem gemeinsamen Lebenswerk machte.
Die Liebe zum Bäckerhandwerk begann früh. Schon als junger Mensch sah Manfred Kalt seinem Vater zu, der die Bäckerei Kalt in Koblenz-Moselweiß führte. Während andere noch schliefen, stand der Vater auf und begann mit der Arbeit in der Backstube. Für Manfred Kalt war dieser Anblick prägend. Das Bäckerhandwerk faszinierte ihn von Anfang an – für ihn war es beinahe Liebe auf den ersten Blick.
Das frühe Aufstehen machte ihm nichts aus. Im Gegenteil: Schon bald begann er gemeinsam mit den Lehrlingen die ersten Vorbereitungen zu treffen, bevor sein Vater später hinzukam. Um ein Uhr morgens in der Backstube zu stehen, empfand er nie als Last.
Mit gerade einmal 23 Jahren legte Manfred Kalt seine Meisterprüfung ab. Er kannte die Rezepte auswendig, wusste genau, wie Teige beschaffen sein mussten, und konnte sich auf seine Erfahrung verlassen. Für ihn war das Bäckerhandwerk kein Beruf, den man nach Feierabend ablegte. Es war seine Berufung.
Auf die Frage nach seinem persönlichen Lieblingsgebäck muss Manfred Kalt nicht lange überlegen: Lachend antwortet er schlicht „Alles!“ – eine Antwort, die zeigt, wie sehr er sein Handwerk und seine Backwaren liebte.
Nach dem Tod seines Vaters wurde der Betrieb in Koblenz-Moselweiß zunächst eingestellt. Doch dann nahm sein Leben eine neue Wendung: Manfred Kalt lernte Annemarie kennen und zog ihretwegen nach Andernach.
Hier arbeitete er zunächst in der Bäckerei Heinzen, dem Betrieb seines Schwiegervaters, der zufällig auch Bäckermeister war. Dass dieser ihm später ermöglichte, die vorhandenen Geräte und die Ausstattung zu übernehmen, bedeutete Manfred Kalt sehr viel. Im Gespräch wurde deutlich, wie dankbar er für diese Unterstützung bis heute ist. Sie gab ihm die Chance, in Andernach neu anzufangen und wieder eine eigene Bäckerei unter dem Namen Kalt aufzubauen.
Manfred Kalt übernahm nicht einfach nur einen bestehenden Betrieb. Er entwickelte ihn Schritt für Schritt weiter. Er wollte die bestmögliche Qualität herstellen und seinen Kunden Backwaren anbieten, hinter denen er vollständig stehen konnte. Doch wenn Manfred Kalt von diesen Jahren erzählt, rückt er seine eigene Leistung immer wieder in den Hintergrund. Stattdessen spricht er voller Wärme über Annemarie.
Sie stand vorne im Verkauf, kümmerte sich um die Kundschaft und half weit über das hinaus mit, was man von außen sehen konnte. Manfred Kalt betont sogar, sie habe „die meiste Arbeit gemacht“. Darin steckt keine bloße Höflichkeit. Es klingt wie die Anerkennung eines Mannes, der weiß, dass die Bäckerei ohne seine Frau nicht das geworden wäre, was sie war.
Während er hinten in der Backstube arbeitete, hielt Annemarie vorne den Laden zusammen. Sie kannte die Kunden, nahm Bestellungen entgegen, verkaufte die Backwaren und trug ihren Teil dazu bei, dass aus der Bäckerei Kalt ein vertrauter Ort in Andernach wurde.
Pünktlich um halb sieben lagen die frischen Backwaren bereit. Zu diesem Zeitpunkt war Manfred Kalt bereits seit Stunden bei der Arbeit. Seit ein Uhr hatte er vorbereitet, geknetet, geformt und gebacken.
Die Bäckerei war für ihn dennoch nie nur die Backstube. Sie war das gemeinsame Leben mit Annemarie. Wenn er von ihr spricht, wird aus der Erinnerung an einen Betrieb eine Liebesgeschichte. Es wird spürbar, wie gern die beiden diesen Weg zusammen gegangen sind und wie eng Arbeit, Ehe und Alltag miteinander verbunden waren.
Wenn er auf die Entwicklung des Bäckerhandwerks blickt, wird er nachdenklich. Vieles sei heute anders, und Betriebe hätten sich verändert. Was ihm besonders fehlt, fasst er in einem Satz zusammen:
„Die Individualität ist ein bisschen verloren gegangen.“
Damit meint er vor allem die persönliche Handschrift kleinerer Betriebe: eigene Rezepte, vertraute Abläufe, Stammkunden und die Menschen hinter der Ladentheke und in der Backstube. In der Bäckerei Kalt wusste man, wer die Backwaren hergestellt hatte und wer sie am Morgen mit einem freundlichen Wort verkaufte.
Von 1971 bis 1996 führten Manfred und Annemarie Kalt gemeinsam die Bäckerei Kalt in der Hochstraße 69. Für ihn war diese Zeit nicht nur ein beruflicher Erfolg. Sie war ein großer Teil seines Lebens – getragen von der Unterstützung seines Vaters, seines Schwiegervaters, seiner Liebe zum Handwerk und vor allem von der gemeinsamen Arbeit mit seiner Frau.
Am Ende seines Rückblicks braucht Manfred Kalt nur wenige Worte:
„Ich habe mein Leben gelebt.“
Mit seiner Geschichte beginnt die monatliche Reihe „Andernach erzählt“. Darin teilen Bewohnerinnen und Bewohner des Seniorenzentrums Katharina Kasper ihre Erinnerungen an frühere Berufe, Geschäfte und besondere Orte der Stadt.
Auch ehrenamtlich geschenkte Zeit hilft dabei, solche Erinnerungen lebendig zu halten. Interessierte an einem ehrenamtlichen Engagement oder an weiterführenden Informationen können sich bei Dilara Köksal, der Ehrenamtskoordinatorin des Seniorenzentrums Katharina Kasper in Andernach, melden. Sei ist telefonisch unter 02632 307 - 290 oder per E-Mail unter d.koeksal@katharina-kasper-andernach.de erreichbar.
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Die Bäckerei J. Heinzen, ein aktuelles Porträt des ehemaligen Bäckermeisters Manfred Kalt und die Andernacher Hochstraße mit dem Schild der Bäckerei Kalt. Foto: Stadtarchiv Andernach