Allgemeine Berichte | 17.09.2014, 10:00 Uhr

Spatenstich für das „Hospiz im Ahrtal“

Begleitung auf dem letzten Weg

Ein Ort für Schwerstkranke und Sterbende entsteht am Dorotheenweg in Bad Neuenahr

Den ersten Spatenstich vollzogen Initiatoren und Unterstützer am Dorotheenweg neben dem Krankenhaus.
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Bad Neuenahr-Ahrweiler. Es ist der schwerste Weg im Leben eines Menschen. Für den Sterbenden und für den begleitenden Angehörigen. Damit dieser letzte Weg bis zum Ende selbstbestimmt und würdig begangen werden kann, dafür bedarf es der Hilfe für alle Betroffenen. Der Hospiz-Verein Rhein-Ahr kümmert sich seit 22 Jahren um die Sterbebegleitung, doch genauso lange setzen sich die etwa 80 Mitarbeiter, von hauptamtlichen bis zu ehrenamtlichen, dafür ein, ein stationäres Hospiz zu errichten, um sich noch intensiver um Schwerstkranke und Sterbende kümmern zu können. Der Verwirklichung dieses Traumes kamen die Helfer am Donnerstag einen entscheidenden Schritt näher: Unter Beteiligung vieler Ehrengäste und der Bevölkerung wurde am Dorotheenweg in Bad Neuenahr neben dem Krankenhaus Maria Hilf der erste Spatenstich gefeiert. Dort entsteht für etwa drei Millionen Euro das „Hospiz im Ahrtal“, errichtet vom Hospiz-Verein, der Marienhaus Unternehmensgruppe und den von Bodelschwingh´schen Stiftungen Bethel. Ulrike Dobrowolny, die Vorsitzende des Vereins, freute sich sichtlich, dass nun endlich das Hospiz verwirklicht werden kann. Christoph Drolshagen, der Geschäftsführer der für das Vorhaben gegründeten Marienhaus Holding GmbH, stellte mit Hans-Gerd Daubertshäuser (Bethel) und der Vorsitzenden des Hospiz-Vereins die Planungen vor. Auf etwa 1000 Quadratmetern entstehen zehn Gäste-Zimmer, alle haben Balkon oder Terrasse, der Blick ist immer Richtung Weinberge. 160 Gäste sollen im Jahr dort betreut werden, für Angehörige gibt es ein Zimmer. Mehr werden nach den Erfahrungen mit anderen Hospizen nicht gebraucht, da die Gäste hauptsächlich aus der näheren Umgebung kommen und die Angehörigen dann auch zu Hause übernachten. Ein Raum der Stille lässt Sterbende und Familien zur Ruhe kommen, es gibt Wohnzimmer, Küche, einen großen Besprechungsraum und einen Garten. „Wir bauen ein stationäres Hospiz, um im Kreis Ahrweiler einen Ort zu schaffen für schwerstkranke und sterbende Menschen, die nicht mehr zu Hause betreut werden können. Zwischen Bonn und Koblenz, zwischen Trier und Siegen gibt es bislang kein stationäres Hospiz. Diese Lücke werden wir mit dem ökumenischen Hospiz auf dem Gelände des Krankenhauses Maria Hilf schließen“, heißt es in der Beschreibung der Holding. Mit im Boot ist Sternekoch Hans Stefan Steinheuer aus Heppingen, der die Schirmherrschaft übernommen hat. Gerne, wie er sagte. „Als ich gefragt wurde, habe ich mich intensiv mit dem Gedanken eines Hospiz´ beschäftigt. Und mich erinnert, wie Angehörige in meiner Familie gestorben sind. Ich werde mich einbringen und auch dafür sorgen, dass das Bewusstsein in der Bevölkerung geschärft wird. Außerdem werde ich die Werbetrommel rühren“, sagte der Besitzer der „Alten Post“ und hatte gleich einen Scheck über 1500 Euro für das Hospiz dabei. Das Geld war beim Rudi-Altig-Charity-Cup auf dem Golf- und Landclub Köhlerhof zusammengekommen. Zu den 12 fest angestellten Mitarbeitern des Hospiz´ wären noch viele ehrenamtliche notwendig, um sich zum Beispiel um Garten und Haus zu kümmern, betonte der Sternekoch. Dafür werde er werben. Er selbst sagte zu, zum Beispiel dem Küchenpersonal sein Wissen zu vermitteln. Und „für ein Schwarzbrot mit Leberwurst“ werde er gerne einspringen, es müsse ja nicht immer die Sterneküche sein. „Ein gutes Wort, eine Berührung oder ein Gespräch ist da wichtiger.“ Wichtig wird es in nächster Zeit sein, den Bau bis zu seiner geplanten Fertigstellung im kommenden Jahr voranzutreiben. Die Bodelschwingh´schen Stiftungen Bethel und die Unternehmensgruppe Marienhaus werden jeweils 45 Prozent der Kosten aufbringen, zehn Prozent der Hospiz-Verein. Eine halbe Million Euro müssen durch Spenden erwirtschaftet werden. Auch zehn Prozent der Betriebskosten werden so aufgebracht. Dazu wollen alle Beteiligten verschiedene Aktionen starten, angelaufen ist der Verkauf von „Bausteinen“. „Mit 40 Euro können wir einen Quadratmeter Klinkersteine finanzieren, mit 100 Euro einen Quadratmeter Natursteinboden verlegen und mit 200 eine Markise einbauen“, appellierte Christoph Drolshagen an Bürger und Unternehmen. Bei der Grundsteinlegung dankte auch Landrat Dr. Jürgen Pföhler den Initiatoren. Er habe bereits vor zehn Jahren die wichtige Arbeit des Hospiz-Vereins mit der Ehrenplakette des Kreises gewürdigt. Ulrike Dobrowolny dankte den zahlreichen Gästen bei der kleinen Feierstunde. Die große Resonanz in der Bevölkerung zeige, dass man mit dem Gedanken „Von Bürgern für Bürger“ richtig liege. „Jetzt können wir noch besser den Menschen ein Leben in Würde und Gemeinschaft bis zuletzt ermöglichen. Das Hospiz ist eine entscheidende Ergänzung zur Arbeit unseres Vereins.“ Die Hospizarbeit im Kreis Ahrweiler ruhe damit jetzt auf drei Säulen. Die ambulante Arbeit der Palliativstation im Remagener Krankenhaus und das Engagement des Hospiz-Vereins werden bald durch das Hospiz im Ahrtal ergänzt.

Den Scheck über 1500 Euro überreichte Sternekoch Hans Stefan Steinheuer an Vereinsvorsitzende Ulrike Dobrowolny.WM

Den Scheck über 1500 Euro überreichte Sternekoch Hans Stefan Steinheuer an Vereinsvorsitzende Ulrike Dobrowolny.Fotos: WM

Im Grünen liegt das Hospiz, die Gäste schauen aus ihren Zimmern auf Weinberge.

Im Grünen liegt das Hospiz, die Gäste schauen aus ihren Zimmern auf Weinberge.

Den ersten Spatenstich vollzogen Initiatoren und Unterstützer am Dorotheenweg neben dem Krankenhaus.

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