Kommunales Kino Andernach
Bewegende Geschichte eines jüdischen Kindes
"Der Junge im gestreiften Pyjama" aufgeführt
Andernach. Man kennt sie aus vielen Gedenkstätten, diese grobe, gestreifte KZ-Kleidung, die ein unbedarfter Betrachter für einen Schlafanzug halten könnte. Zum Novembertermin des „Kommunalen Kinos“ wurde ein Film ausgewählt, der sich mit dem zentralen Thema beschäftigt, dem alljährlich im November gedacht wird. 60 Zuschauer waren gekommen, um sich einen Film anzusehen, der aus der Sicht eines neunjährigen Kindes die ganze Ungeheuerlichkeit des Holocaust vor Augen führt.
„Auf den 9. November fällt eine Reihe von Ereignissen, die für die deutsche Geschichte als politische Wendepunkte mit teilweise internationalen Auswirkungen gelten“, erläuterte Sigrid Schug bei ihrer Begrüßung. Auch Barbara Söhngen, Vorsitzende des Freundschaftskreises Dimona-Andernach, sprach deutliche Worte, mit denen sie den immer stärker werdenden Antisemitismus anprangerte, den man nicht unwidersprochen hinnehmen dürfe.
„Der Junge im gestreiften Pyjama“ aus dem Jahr 2008 ist die Verfilmung eines Romans des irischen Autors John Boyne, der weltweit großes Kritikerlob erhielt. Der Originaltitel „The Boy in the Striped Pyjamas“ erschien im Jahr 2006. Aus der Perspektive eines unbedarften Neunjährigen wird der Mord an Millionen Juden thematisiert. Bruno, Sohn des Lagerkommandanten, lebt mit seiner Familie in einer großzügigen Villa in unmittelbarer Nähe des Vernichtungslagers Auschwitz. Bruno glaubt, nebenan sei ein „Bauernhof“, wo Menschen leben, die alle Pyjamas tragen. Manches kommt ihm seltsam vor, z. B. der beißende Geruch, der von dort herüberweht. Seine Fragen werden aber nur ausweichend beantwortet. Die ältere Schwester Gretel ist vollständig von der Nazi-Ideologie eingenommen. Sie schwärmt für einen strammen Leutnant und lauscht hingerissen seinen Worten. Ihr Zimmer dekoriert sie mit Nazi-Insignien. Man spürt förmlich, wie manipulative Indoktrination funktioniert.
Obwohl es Bruno streng verboten ist, das Privatgelände zu verlassen, gelingt es ihm eines Tages, an den Lagerzaun zu kommen. Er freundet sich mit dem jüdischen Jungen Schmuel an, der hinter dem Stacheldraht eingesperrt ist. Beiden Jungen ist gemeinsam, dass sie die Realität des Lagers aus ihrer kindlichen Sicht heraus nicht wirklich begreifen können und nicht verstehen, warum sich der eine diesseits und der andere jenseits des Zaunes befindet. Bruno bezeichnet Schmuel als seinen Freund, spielt mit ihm und besorgt ihm Essen, das dieser gierig verschlingt.
Es ist diese naive Sicht der Kinder, die besonders anrührt. Was sich tatsächlich hinter dem Zaun abspielt, übersteigt jede menschliche Vorstellungskraft - umso mehr die eines Kindes. Die Unmenschlichkeit einer Ideologie, die auf einem Herrenmenschendenken basiert, das andere Menschen degradiert und vernichtet, wird schonungslos, aber nicht plakativ vorgeführt, was manchem Zuschauer den Atem stocken ließ. Besonders nach dem schockierenden Ende des Films herrschte noch lange Schweigen im Raum.
Der nächste und letzte Filmtermin für dieses Jahr ist am 17. Dezember. An diesem Dienstagabend wird ein Wunschfilm im Gemeindesaal der Christuskirche gezeigt, den die Zuschauer unter zwei möglichen Filmen auswählen konnten. Man darf gespannt sein, ob eine Tragikomödie mit Robert de Niro oder die romantische Komödie mit Hugh Grant das Rennen gemacht hat.
Pressemitteilung des
Kommunalen Kinos Andernach
