Ein Stück Andernacher Geschichte auf dem Burgerberg ist jetzt ohne Leben
Burgerhaus in den letzten Zügen?
Andernach. Ob Schulwandertag oder Familienausflug, der Burgerberg mit seinem Burgerhaus am südwestlichen Rand der Kernstadt war in den vergangenen Jahrzehnten nicht nur für Andernacher ein beliebtes Ziel. Dort wo die Gemarkungsgrenzen von Andernach, Kretz, Plaidt und Nickenich in 200 Meter Höhe zusammenlaufen, bietet sich ein sehenswerter Blick in die Weite des Neuwieder Beckens. Hier atmet man die reine Luft der von Ackerland geprägten Landschaft.
Bis in die frühen 70er-Jahre konnten sich Wanderer und Spaziergänger zudem im Gastraum und auf der Terrasse des Burgerhauses stärken. Neben dem üblichen Getränkeangebot stand da, neben Würstchen auch der traditionelle „stramme Max“ in der Verzehrkarte, ein einfaches Gericht aus Mischbrot, Schinken und Spiegelei. In den letzten Jahren wurde das Anwesen ausschließlich wohn,- land- und viehwirtschaftlich genutzt. Dies alles ist nun Geschichte.
Einst römische Befestigungsanlage
Wann und ob die Abbruchbagger anrücken werden, ist jedoch noch nicht entschieden, ergab eine Nachfrage von "Blick aktuell" beim derzeitigen Eigentümer. Was viele nicht wissen - schon vor dem Bau des alten Bauerngehöfts „Burgerhaus“ im Jahr 1837 war der Burgerberg besiedelt. Frühere Ausgrabungen lassen auf eine römische Befestigungsanlage schließen, ein Zeichen für einen strategisch wichtigen Platz. So lässt sich die heutige Silbe „Burger“ vom lateinischen Wort „Burgus“ (Turm) ableiten.
Ältere Mitbürger kennen aber auch die tragische Geschichte des Burgerhauses. Am 1. April 1946 wurden dort bei einem Raubüberfall neun Menschen brutal erschossen. Der Kriminalpolizei, den damals zuständigen französischen Behörden und später auch dem rheinland-pfälzischen Landeskriminalamt ist es nicht gelungen, den oder die Täter zu ermitteln. 1979 verjährten die Morde schließlich.
Neuer Nutzungsplan gegen die Interessen der Bewohner erstellt
Gegen die Interessen zahlreicher Bewohner des angrenzenden Neubaugebietes „Am Burgerbergweg“ wurde vor einiger Zeit der Flächennutzungsplan für das Areal rund um das Burgerhaus geändert. Ein Unternehmen aus der Region erwarb das Land rund um das Gehöft am Burgerbergweg, und fühlt sich dort, so steht es auf dessen Internetseite, „dem behutsamen, umweltschonenden Abbau mineralischer Rohstoffe aus heimischen Lagerstätten verpflichtet“ (Zitat von der Internetseite). So mancher, den noch etwas mit dem Burgerhaus verbindet, wird vielleicht die Gelegenheit nutzen wollen, noch mal zum Burgerhaus zu spazieren, um Kindheitserinnerungen aufleben zu lassen.
