Das kommunale Jobcenter MYK ist eine Erfolgsstory
In zehn Jahren fast 24 000 Menschen in Lohn und Brot gebracht – Landkreis freut sich über positive Bilanz
KREIS MYK: „Wir würden diesen Weg jederzeit wieder gehen. Es war kein leichter Spaziergang und führte nicht direkt ans Ziel. So manche Abzweigung oder auch unwegsamer Streckenabschnitt mussten wir gemeinsam durchwandern“, erklärte Dr. Alexander Saftig, Landrat des Kreises Mayen-Koblenz, zu der Entwicklung der ARGE (Arbeitsgemeinschaft) zu einem kommunalen Jobcenter. Grund dieser Pressekonferenz im Koblenzer Kreishaus ist das zehnjährige Bestehen der Arbeitsmarktreformen (ALG II, Hartz IV).
2005 wurden im Zuge der Arbeitsmarktreformen zum Zweiten Sozialgesetzbuch Arbeitslosenhilfe und Sozialhilfe zur „Grundsicherung für Arbeitsuchende“ zusammengeführt. Die „Arbeitsgemeinschaft Landkreis Mayen-Koblenz“ (ARGE) nahm die Aufgabe der Hartz IV-Auszahlungen und Jobvermittlungen wahr. Im Dezember 2007 wurde die gemeinsame Aufgabenwahrnehmung durch Bundesagentur für Arbeit und Kommunen in den Arbeitsgemeinschaften für verfassungswidrig erklärt. Durch Gesetzesreformen war es später für Kommunen möglich, die Aufgaben in alleiniger Trägerschaft wahrzunehmen. So entstand 2011 das kommunale Jobcenter des MYK-Kreises als Eigenbetrieb des Kreises (im Land gibt es davon lediglich fünf) mit dem heutigen Geschäftsführer Rolf Koch.
Fast ein Drittel weniger Hartz IV-Bezieher
Landrat Dr. Saftig und Burkhard Nauroth unterstrichen den Erfolg des kommunalen Jobcenters mit eindrucksvollen Zahlen für den MYK-Kreis: 23.641 Menschen wurden in den vergangen 10 Jahren aus Hartz IV in ein sozialversicherungspflichtiges Arbeitsverhältnis vermittelt. 2006 gab es 10.583 erwerbsfähige Leistungsbezieher, heute sind es 7.389 (fast ein Drittel weniger). Um fast 30 Prozent verringerte sich seit 2006 die Zahl der Hartz IV-Empfänger, von 7.700 zu 5.502. Stolz verkündete der Erste Kreisbeigeordnete die Zahlen der jungen Leute: „2006 gab es 804 junge Arbeitslose unter 25 Jahren im Landkreis. Heute sind es 262, ein Rückgang von mehr als zwei Dritteln. Das sind 67 Prozent.“ Das ist den 175 Mitarbeitern im Jobcenter zu verdanken von denen fast die Hälfte seit 2005 zum Team gehören. Neben Mayen werden die Außenstellen in Koblenz, Andernach, Weißenthurm und Bendorf betreut.
Dr. Alexander Saftig führte aus, dass sich das kommunale Jobcenter auch für die Menschen im Kreis gelohnt hat: „Wir konnten alleine im vergangenen Jahr 4.468 Einzelförderungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) verwirklichen, seit 2011 rund zwei Millionen Euro. Dieses Geld kommt unmittelbar bei den betroffenen Mayen-Koblenzer Kindern und deren Familien an.“
Der Landrat nannte auch die Gründe, warum man sich für die Kommunalisierung des Jobcenters entschieden hatte: Eine ganzheitliche Betrachtung der Menschen steht im Mittelpunkt, ihre Probleme und Ängste werden ernst genommen, denn man kennt die Leute und die Verhältnisse vor Ort sehr gut. Ferner kann die Kommunalpolitik durch aktives Gestalten und innovative Ideen eigene arbeitsmarktpolitische Schwerpunkte setzen, also passgenau Projekte auf den hier herrschenden Arbeitsmarkt zuschneiden. Hinzu kommt eine nachhaltige Wertschöpfung für das Gemeinwohl durch Verknüpfung kommunaler Belange mit der Arbeitsmarktpolitik des Bundes (Bürgerarbeit z.B. in der Essbaren Stadt Andernach).
Sozialauftrag optimal erfüllt
Da bei der Kreisverwaltung alles unter einem Dach ist, kann der soziale Auftrag optimal erfüllt werden. Pro Jahr werden insgesamt rund 73 Millionen Euro aufgewandt. Rund 55 Millionen Euro gingen im vergangenen Jahr an die so genannten Bedarfsgemeinschaften (Haushaltsgemeinschaften von Leistungsbeziehern). Weitere Vorteile des kommunalen Jobcenters sind laut Landrat die direkte und verbindliche Kooperation mit den Jugendämtern und der direkte Zugriff auf die Angebote von beispielsweise Schuldnerberatung, psychosozialem Dienst, Kinderbetreuung, Pflege, Suchtberatung sowie enge Verzahnungen mit der Jugendhilfe-, Sozialhilfe- und Wohngeldstelle und der Wirtschaftsförderung des Kreises. Eng vernetzt ist das Jobcenter auch mit den Schulen und mit den regionalen Akteuren der Flüchtlingsintegration.
Obwohl das Gesetz, nach dem Flüchtlinge und Asylbewerber nach drei Monaten Aufenthalt in Deutschland arbeiten dürfen, erst ab 1. März gilt, war der Landkreis bereits aktiv: „Der erste Kontakt dieser Menschen erfolgt beim Jobcenter“, erläuterte Geschäftsführer Rolf Koch und weiter: „Die DEHOGA will sie und die Handwerkskammer sagt: Wir brauchen diese Menschen. Zuerst müssen sie aber in Deutsch unterrichtet werden, dafür gibt es Ehrenamtler und Integrationsbeauftragte. Mit den Kammern wollen wir schnell ein Paket schnüren.“
Dennoch gibt es bei den Hartz-IV-Bescheiden auch Widerspruchsverfahren. Laut Rolf Koch waren es etwa 800 Verfahren im vergangenen Jahr: „Wir haben eine Erfolgsquote von 75 Prozent. Bundesweit sind es nur 55 Prozent. Vor zehn Jahren hatten wir jährlich 1800 Widersprüche.“
Zum Abschluss der Pressekonferenz wurden stolz zwei Zertifizierungsurkunden präsentiert. Denn das Jobcenter durchlief eine Qualitätsmanagementprüfung, bei der jeder Arbeitsschritt unter die Lupe genommen wurde. Zur Freude von Kreisverwaltung und Jobcenter fielen die Prüfungen so positiv aus, dass einer Zertifizierung nichts mehr im Wege stand.
HEP
