Allgemeine Berichte | 15.09.2013

500 Jahre Burgtornachbarschaft Andernach

Der Amtmann und seine „Mannschaft“ - Der Schöffenstuhl der Burgtornachbarschaft

Der zurzeit amtierende Schöffenstuhl, (v.l.n.r.): Schultheis Bernd Böhmer, Schöffe und Fahnenträger Wolfgang Heinrichs, Schöffe und Kassierer Frank Biesenbach, Schöffe Stephan Klemmer, Amtmann Paul Kraemer, Schöffe und Schriftführer Carsten Umbscheiden, die Schöffen Sebastian Stölzgen, Martina Biesenbach und Rolf Thelen. Es fehlt der Prokurator Marc Krischer. privat

Andernach. Im langen Zeitraum von 500 Jahren hat sich, bedingt durch historische Ereignisse und Entwicklungen, vieles verändert oder ist gar vollkommen verschwunden. Der traditionelle Aufbau und die Organisation der „ehrsamen Andernacher Nachbarschaften“ hat sich nahezu unberührt bis in die heutige Zeit erhalten.

An der Spitze einer jeden Nachbarschaft steht der Amtmann mit seinem Schöffenstuhl. Dieses Gremium war in den frühen Jahren der Entstehung der Nachbarschaften analog zum Stadtrat mit dem Bürgermeister an der Spitze.

Zurzeit steht Paul Kraemer als Amtmann dem Schöffenstuhl der Burgtornachbarschaft vor. Sein Vorgänger war der jetzige Ehrenamtmann Werner Schwickert. Früher wurde der Amtmann wie auch alle anderen Schöffen auf Lebenszeit gewählt und hatte für diese Wahl eine „Jura“, z.B. jährlich eine ordentliche Weinspende an die Nachbarn zu leisten. Der Amtmann führt traditionell sämtliche Geschäfte der Nachbarschaft und repräsentiert diese in der Öffentlichkeit.

Gemäß alter Nachbarschaftsverfassung stehen dem Amtmann „Schultheis“ und „Prokurator“ zur Seite. Auch heute werden diese Ämter traditionell noch besetzt, ihr Aufgabenbereich hat sich in der modernen Welt jedoch eher erübrigt. Der Schultheis, zurzeit Bernd Böhmer, hatte für die öffentliche Ordnung in der Nachbarschaft - teils mit Polizeigewalt - zu sorgen und war bei Nachbarschaftsstreit für die Schlichtung zuständig. Den Titel des Pokurators führt in der Burgtornachbarschaft zur Zeit Marc Krischer. Dieser hatte in früheren Zeiten für Vorbereitung und reibungslosen Ablauf des „Gelochs“ zu sorgen. Dabei konnte er Störenfriede ermahnen, verwarnen oder gar ein Strafgeld erheben, das der Nachbarschaftskasse zugute kam. Diese beiden Ämter waren die einzigen, welche nicht auf Lebenszeit gewählt, sondern auf 2 Jahre befristet waren. Danach erfolgten nach einem bemerkenswerten Wahlmodus Neuwahlen.

Die Nachbarschaftskasse, welche früher auch der Geschäftsführung des Amtmanns oblag, wird heute in der Burgtornachbarschaft von Schöffe Frank Biesenbach verwaltet. Er ist auch der Spezialist für das leibliche Wohl der Nachbarn bei allen möglichen Anlässen und Festen. Eine früher sehr angesehene und heute wichtige Stellung ist die des „Gerichtsschreibers“ oder auch „Protokollarius“ genannt. Er ist für den gesamten Schriftverkehr jeglicher Art (Briefverkehr, Protokolle, Jahresberichte, Pflege der Mitgliedslisten etc.) zuständig. Auch heute, im Zeitalter modernster Dokumentations- und Informationstechnik ein arbeitsintensives Amt, welches zurzeit von Carsten Umbscheiden ausgeübt wird.

Unterstützt wurden und werden auch heute noch diese „Amtsträger“ von weiteren „Mitarbeitern“ - den Schöffen. Zu ihrem Aufgabenbereich gehören Vorbereitung und Mitgestaltung des Gelochs, vieler Feste und Feierlichkeiten, beratende Sitzungen, gemeinsame Problemlösungen sowie die Repräsentation in der Öffentlichkeit. Weitere Mitglieder des Burgtorschöffenstuhls sind zurzeit: Martina Biesenbach, Stefan Klemmer, Sebastian Stölzgen, Rolf Thelen und Wolfgang Heinrichs.

Die ehemaligen Funktionen des „Brunnenmeisters“ und des „Nachbarschaftsknechtes“ müssen in der heutigen Struktur und Gesellschaft nicht mehr ausgeübt werden. Wie sich die Zeiten allerdings auch geändert haben, zeigt folgende Entwicklung: Waren früher nur „ehrwürdige“ und „ältere“ Herren im Schöffenstuhl, so sind heute problemlos Damen und junge dynamische Männer Mitglieder des Schöffenstuhls.

Während Schöffen früher auf Lebenszeit gewählt waren, werden heute nach demokratischem Prinzip in bestimmten Zeiträumen Neu- oder Wiederwahlen der Schöffen durchgeführt. Der Schöffenstuhl um Amtmann Paul Kraemer bereitet sich seit geraumer Zeit auf das 500 jährige Jubiläum der Burgtornachbarschaft vor, welches am Sonntag, dem 06. Oktober 2013 gefeiert wird.

Der zurzeit amtierende Schöffenstuhl, (v.l.n.r.): Schultheis Bernd Böhmer, Schöffe und Fahnenträger Wolfgang Heinrichs, Schöffe und Kassierer Frank Biesenbach, Schöffe Stephan Klemmer, Amtmann Paul Kraemer, Schöffe und Schriftführer Carsten Umbscheiden, die Schöffen Sebastian Stölzgen, Martina Biesenbach und Rolf Thelen. Es fehlt der Prokurator Marc Krischer. Foto: privat

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