Allgemeine Berichte | 17.01.2013, 22:00 Uhr

Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen

Der Chef ging von Bord

Günter Thull ging zum Jahresende in den Ruhestand

Günther Thull war stets für Veränderungen aufgeschlossen und gestaltete sie maßgeblich mit. privat

Mayen. Mit dem Jahreswechsel endete in der Agentur für Arbeit auch eine Ära: Nachdem die Mayener Behörde bereits Anfang Oktober mit der Schwester-Agentur in Koblenz fusioniert hatte, ging nun Günter Thull, der langjährige Leiter der Mayener Einrichtung, in den Ruhestand.

Als Günter Thull im April 2005 das Ruder der Agentur für Arbeit Mayen übernahm, stand der gelernte Diplom-Soziologe bereits seit mehr als einem Vierteljahrhundert in unterschiedlichsten Führungspositionen in Diensten der einstigen Bundesanstalt für Arbeit - die meiste Zeit davon in seiner Wahlheimat Neuwied. In die Eifel wechselte der gebürtige Trierer zu einem für die Arbeitsverwaltung bedeutsamen Zeitpunkt: Nachdem das Arbeitsamt im Jahr zuvor zur Agentur für Arbeit geworden war, kam 2005 nicht nur der Umbau zum modernen Kundenzentrum in Fahrt, sondern auch die Hartz-IV-Reformen - und damit musste der Aufbau der Jobcenter umgesetzt und mit Leben erfüllt werden. Aufgaben, die Günter Thull mit der ihm eigenen Energie und Leidenschaft verfolgte.

Die jungen „Kunden“ lagen ihm am Herzen

Wichtig waren ihm aber auch die weniger spektakulären „Baustellen“ seiner Agentur. So holte er 2006 das Berufsinformationszentrum - kurz BiZ genannt - zurück ins „Mutterhaus“ am Katzenberger Weg und sorgte dafür, dass die regelmäßigen Vortragsangebote für Jugendliche wiederbelebt wurden. Ohnehin lagen ihm seine jungen Kunden besonders am Herzen. In den ersten Jahren seiner Mayener Amtszeit war deren Situation noch dramatisch. In manchen Jahren kamen zwei bis drei Jugendliche auf eine Ausbildungsstelle und der Agenturleiter wurde nicht müde, an die Betriebe der Region zu appellieren, den jungen Leuten die Chance auf einen gelungenen Berufseinstieg zu geben. „Es war ja nicht so, dass all diese jungen Menschen schlechte Zeugnisse oder sonstige Handicaps mitbrachten. Die meisten hatten nur das Pech, zur falschen Zeit auf den Arbeitsmarkt zu drängen und sich gegen die riesige Konkurrenz nicht durchsetzen zu können. Heute wären viele Betriebe froh, wenn sie einen jener Bewerber bekommen könnten, die sie vor ein paar Jahren nicht einmal zum Vorstellungsgespräch eingeladen haben.“

Aber auch im internen Ablauf der Agentur hat der „Chef“ Spuren hinterlassen. Besonders stolz sei er darauf, dass der Anteil weiblicher Führungskräfte der Agentur sich während seiner Amtszeit deutlich erhöht habe, sagte Thull. „Deshalb kann ich Arbeitgebern auch aus vollster Überzeugung versichern, dass es vor allem eine Frage der Rahmenbedingungen ist, ob Frauen mit Kindern bereit sind, Führungsverantwortung zu übernehmen. Wer es ihnen möglich macht, Beruf und Familienpflichten zu vereinbaren, hat in der Regel überaus tüchtige und loyale Mitarbeiterinnen.“

Seit der Fusion Anfang Oktober führt Ulrike Mohrs, die bisherige Koblenzer Agenturleiterin die neue Agentur für Arbeit Koblenz-Mayen. Günter Thull, der weit über BA-Grenzen hinweg als ausgesprochener Arbeitsmarktexperte geschätzt wird, stand ihr als Mitglied der Geschäftsführung bis zu seinem Ausscheiden zur Seite und gestaltete den Zusammenschluss der beiden Verwaltungseinheiten maßgeblich mit. Nun verabschiedet er sich in den Ruhestand. Das tut er aber nicht, ohne all seinen Kolleginnen und Kollegen, aber auch sämtlichen anderen Akteuren am Arbeitsmarkt zu danken, die in den vergangenen neun Jahren konstruktiv mit ihm zusammengearbeitet haben. Denn er weiß: „Sie haben meinen und den Erfolg der Agentur Mayen erst möglich gemacht. Und dafür danke ich Ihnen.“

Günther Thull war stets für Veränderungen aufgeschlossen und gestaltete sie maßgeblich mit. Foto: privat

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