Allgemeine Berichte | 12.12.2015

Stadtorchester Andernach - das musikalische Aushängeschild der Stadt

Ein harmonischer Klangkörper - beliebt und mit hohem Ansehen

So präsentiert sich das Stadtorchester Andernach heute seinem Publikum, zum Beispiel auch bei den Adventskonzerten.

Andernach. Es kehrt Ruhe ein im Probensaal. Ein letztes Räuspern, Blättern, Stuhlrücken. „Beginnen wir einfach bei Ziffer 3. Fertig?“ - Auf dem Holzpodest hält der Dirigent seinen Taktstock vor der Brust, fordert die Aufmerksamkeit der gut 40 Musikerinnen und Musiker, die sich zur Probe eingefunden haben. Dann zählt er vor, markiert den für das Orchester verbindlichen Takt. Holzbläser, Blechbläser und Schlagzeuge vereinen sich schließlich zu einem harmonisch raumfüllenden Klangkörper - mal berührend sanft, mal majestätisch erhaben. Der Beobachter spürt: Die Instrumentalisten nehmen ihre Rolle ernst, legen Wert auf persönliche Perfektion, sind stolz, dazuzugehören. „BLICK aktuell“-Mitarbeiter Michael Krupp besuchte eine Probe des Stadtorchesters Andernach für die Adventskonzerte in der Mittelrheinhalle. Das Orchester probt regelmäßig am Mittwochabend im Christophorus-Saal, Karolingerstraße.

Am Anfang eine Idee - heute ein Name

Fast ein halbes Jahrhundert zuvor, es war im Jahr 1967, konnten der ehemalige „Verkehrsdirektor“ Mattes Maus, Bürgermeister Walter Steffens und Schulrektor Clemens Bläcker noch nicht erahnen, dass ihre Idee, ein Blasorchester in Andernach aufzubauen, in der Bäckerjungenstadt Jahre später zu einer bemerkenswerten künstlerischen Dimension reifen würde. Die neue Formation „Musikfreunde Andernach“ erarbeitete sich in den 1970er-Jahren den klangvollen Namen „Stadtorchester Andernach“. Mit dieser Bezeichnung unterstrichen die Musikerinnen und Musiker ihre Verbundenheit zur Stadt. Für die Verwendung des Stadtwappens zum Beispiel im Vereinslogo, auf Plakaten oder produzierten CDs gab es seitens der Stadtverwaltung gerne grünes Licht. „Unser Kapital kommt aus den Eintrittsgeldern der Konzerte“, verneint Volker Montermann die Frage, ob der eingetragene Verein auch eine besondere finanzielle Förderung durch die Stadt erfahre.

Der Verein und seine Leitung

Der Steuerfachmann Montermann ist seit 1984 mit dabei und lenkt seit nun fünf Jahren (erstmals 2004-2008) wieder als Vorsitzender mit weiteren fünf Vorstandsmitgliedern die Geschicke seines Vereins. Der „e.V.“ zählt mittlerweile 233 Mitglieder. Rund 100 Musikerinnen und Musiker wirken in den drei Orchestern des Vereins - Stadtorchester, Jugendorchester, Vororchester - und finden ihre Arbeitsgrundlage in den Notenschränken des Stadtorchesters, die mittlerweile rund 1000 Titel aus den Genres sinfonische und traditionelle Blasmusik, aber auch moderne Stücke aus dem Pop- und Unterhaltungsbereich enthalten. Überraschend zu hören, dass rund 80 Prozent der Stadtorchestermusiker nicht in Andernach leben. Das Orchester könne nicht auftreten, wenn nur Andernacher spielen würden, erfährt „BLICK aktuell“ im Gespräch mit dem Vorsitzenden und dem Dirigenten. „Das ist natürlich auch eine Auszeichnung, da der gute Ruf über die Stadt hinaus reicht. Die Vielfalt, die wir bieten, ist in dieser Region einzigartig“, erklärt Bertram Kleis das Phänomen der „Fremdarbeit“.

Kleis, der musikalische Leiter des Stadtorchesters und fünfte Dirigent in der Vereinsgeschichte, wurde 1998 von der Stadt anerkennend zum „Stadtkapellmeister“ ernannt. Er spielte schon im Kindesalter Klarinette, heute ist Musik sein Beruf. Auf der Grundlage eines Hochschulstudiums (Karinette; Klavier), und seiner fast dreißigjährigen Tätigkeit in Musikkorps der Bundeswehr, spielt der Diplom-Orchestermusiker seit 1991 als Klarinettist im Heeresmusikkorps 300 Koblenz.

Das (Haupt-)Orchester

Montermann und Kleis betrachten ihr sinfonisches Blasorchester als ein Forum für engagierte Hobbymusiker in Andernach und der Umgebung. Es ist ein Orchester für Blasmusik der „ganz besonderen Art“, das sich im Lauf der Zeit zu einem der führenden Klangkörper am Mittelrhein entwickelt hat. Waren es in den Anfangsjahren lediglich Auftritte, so scheut das Stadtorchester seit 1984 nicht den beachtlichen Aufwand, im Jahreslauf zu vier eigenen und meist ausverkauften Konzerten (Frühlingskonzert, Europafest-Konzert, Festkonzert am Tag der Deutschen Einheit, Adventskonzert,) einzuladen. Dort wirken oft auch Chöre, Gastdirigenten sowie andere Künstler und Ensembles mit. „Es ist ein hoher Anspruch an die Flexibilität unserer Musikerinnen und Musiker, sich immer wieder auf ein neues Programm einzustellen“, stellt Bertram Kleis fest. Für Volker Montermann und Bertram Kleis ist es zudem eine Herausforderung, aus dem riesigen Titelangebot die richtige Zusammenstellung zu treffen. „Hierbei gilt es, die Musiker und das Publikum gleichermaßen zufriedenzustellen, und die Stärken und Schwächen der einzelnen Register zu berücksichtigen“, merkt der Vorsitzende an. Bei der Frage nach den besonderen Höhepunkten in der Historie des Vereins kommt Montermann der Erfolg des Orchesters im Jahr 1997 in den Sinn. Beim Landesmusikfest und ihrer dortigen erstmaligen Teilnahme an einem Wertungsspiel erlangten die Andernacher Musiker mit dem Prädikat „Ausgezeichnet“ die beste Wertung in ihrer Klasse. Für Bertram Kleis war dies quasi eine „Zeitenwende“, denn die letzten Skeptiker und Kritiker verstummten. Ansonsten, so sehen es beide Musiker, waren sie alle „Highlights“ - die über 200 Konzerte, Festveranstaltungen, die Konzertreisen in Partnerstädte, Staatsakte, Zapfenstreiche, Fernseh- und Rundfunkauftritte, eigene CD-Produktionen oder die Welturaufführung der von der Stadt Andernach in Auftrag gegebenen Geysir-Sinfonie im Jahr 2006. Schließlich ist doch der Applaus das Brot des Künstlers.

Garant für den Fortbestand: Nachwuchsarbeit

„BLICK aktuell“ fragt: „Und wo drückt der Schuh?“ „Eigentlich nirgends“, sagen der Vorsitzende und musikalische Leiter, doch wie jedem Verein läge auch dem Stadtorchester die Zukunftssicherung durch Nachwuchsarbeit und -förderung am Herzen. Mit der Gründung eines Vororchesters in 1999, aus dem sich später das Jugendorchester entwickelte (Durchschnittsalter 17 Jahre), konnten unter der Leitung des Musikpädagogen Christoph Herche, die richtigen Weichen gestellt und ein Grundstein für die qualifizierte musikalische Ausbildung junger Menschen gelegt werden. Auch durch die Kooperation mit der Kreismusikschule Mayen-Koblenz ist die Instrumentalausbildung der Jugendlichen sichergestellt, kann das gemeinsame Musizieren in einem Orchester erlernt und das Repertoire für ein Konzert erarbeitet werden. Zuletzt am ersten Advent stimmten die jungen Musiker im Rahmen ihres Konzertes im fast voll besetzten Mariendom mit einer Auswahl klassischer und moderner Weihnachtslieder gelungen auf die Adventszeit ein. Mit dem zusätzlichen Angebot eines neuen „Vororchesters“ (seit 2009) will der Verein allen, die ein Blas- oder Schlaginstrument spielen, und seit etwa einem Jahr Instrumentalunterricht haben, Gelegenheit zum gemeinsamen Musizieren geben. Auf diese Weise werden die jungen Instrumentalisten an das Jugendorchester herangeführt. Schließlich sollen die Querflöten, Klarinetten, Oboen, Fagotte, Saxophone, Trompeten, Posaunen, Hörner und Schlagzeuge im Orchester auch in der Zukunft ertönen. Erst kürzlich initiierte das Stadtorchester auch eine Bläserklasse in der Geschwister-Scholl-Realschule.

Den Eltern, die Rat suchen bezüglich der musikalischen Förderung ihres Kindes, bieten sich Volker Montermann und Bertram Kleis zum Gespräch an. Das Vororchester könne noch viele Musikerinnen und Musiker vertragen, sagen sie. Die Mitgliedschaft für Aktive sei beitragsfrei.

Für die Stadt ein Aushängeschild

Stichwort „Stadtorchester“ - was fällt Andernachs Oberbürgermeister dazu ein? „Das Stadtorchester ist ein hervorragendes Aushängeschild für Andernach. Die hohe Qualität, das umfangreiche Repertoire, die spürbare Spielfreude, die das Ensemble ausstrahlt sowie die tollen Musikerinnen und Musiker haben das Stadtorchester weit über die Grenzen von Andernach hinaus bekannt und beliebt gemacht - im In- und Ausland. Aber auch in Andernach selbst erfreut sich das Stadtorchester größter Beliebtheit bei Bürgerinnen und Bürgern. Die Konzerte sind stets ausverkauft. Wir Andernacher sind stolz auf unser Stadtorchester, das nicht nur uns Freude und Genuss bereitet“, antwortete Achim Hütten.

So präsentiert sich das Stadtorchester Andernach heute seinem Publikum, zum Beispiel auch bei den Adventskonzerten.
Der Musikpädagoge Christoph Herche ist der Dirigent des Jugendorchesters und des Vororchesters.

Der Musikpädagoge Christoph Herche ist der Dirigent des Jugendorchesters und des Vororchesters.

Das Stadtorchester im Jahr 1978 unter der Leitung von Helmut Nolinski auf dem Andernacher Marktplatz.

Das Stadtorchester im Jahr 1978 unter der Leitung von Helmut Nolinski auf dem Andernacher Marktplatz.

So präsentiert sich das Stadtorchester Andernach heute seinem Publikum, zum Beispiel auch bei den Adventskonzerten.

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