Ex-Mayener Daniel Bauer versucht Neuanfang bei Hannover 96
Oktober 2011 wurde er von mehreren Vermummten vor seiner Haustür bedroht
Mayen. Sein Fall machte bundesweit Schlagzeilen: Vor 15 Monaten wurde Daniel Bauer von Magdeburger Fans bedroht, anschließend sein Vertrag aufgelöst. Seitdem sucht der Fußballprofi sein Glück, nach Stationen in Mayen, Trier und Oldenburg jetzt bei Hannover 96. Nachdem er in seiner Jugend beim SC Saffig gespielt hatte, begann seine Laufbahn im Seniorenbereich beim TuS Mayen, wo ihm gleich in seiner ersten Saison 2001/2002 der Aufstieg in die Oberliga gelang. Der Vertriebene hat nun eine neue Heimat gefunden. Der gebürtige Andernacher versucht einen Neuanfang in Hannover, trainiert seit Beginn der Woche mit der zweiten Mannschaft (Regionalliga) des Fußball-Bundesligisten. Seitdem der Fußballprofi vor knapp 15 Monaten beim 1. FC Magdeburg von den eigenen Fans verjagt worden war, wirkt er wie ein Getriebener. Die Ereignisse in Magdeburg waren für Bauer traumatisch. „Das hat mein Leben auf den Kopf gestellt“, sagt der Spieler mit mehr als einem Jahr Abstand: „Ich habe gerne in Magdeburg gelebt und hatte dort viele Freunde.“ 63 Partien hatte er für den Klub bestritten, war zwischenzeitlich sogar Kapitän, ehe er zum Sündenbock erkoren wurde. Bauer erlangte traurige Berühmtheit, als er Ende Oktober 2011 von mehreren Vermummten vor seiner Haustür bedroht und verbal attackiert wurde. Die Anhänger drohten wiederzukommen, wenn es beim Landesderby gegen Halle nicht gut laufen sollte. Der verängstigte Spieler verließ daraufhin die Stadt und kehrte zurück ins Rheinland. Dort hielt er sich zwischenzeitlich an einem geheimen Ort im Raum Koblenz auf. Knapp drei Wochen später löste er seinen Vertrag auf. „Im Nachhall war es fast schlimmer als der Vorfall selbst, dass meine Geschichte dann angezweifelt wurde“, sagt der 30-Jährige. Juristisch gab es auch keine Klärung. Der zuständige Richter am Amtsgericht Magdeburg hat nach Angaben eines Gerichtssprechers ein Hauptverfahren aus Mangel an Beweisen abgelehnt. „Ich verfiel in eine Schockstarre und fühlte mich wie gelähmt“, berichtet der Spieler über die Zeit kurz nach der Bedrohung. „Ich habe damals über mein Karriereende nachgedacht.“ Er hat sich zunächst beim TuS Koblenz fit gehalten und lebte bei seinen Eltern: „Das war das Ideale, um alles zu verarbeiten.“ In der Heimat fand er Ruhe und Geborgenheit für einen Neuanfang. „Letztlich habe ich die Freude am Fußball wiedergefunden“, erklärt der 30-Jährige, der in der Rückrunde dann bei Eintracht Trier spielte, ehe er zur neuen Saison beim Regionalligisten VfB Oldenburg anheuerte. Dort spielte er gemeinsam mit seinem Bruder Tobias, der sich inzwischen dem Oberligisten SV Roßbach/Verscheid angeschlossen hat, in einer Mannschaft. In Oldenburg lief es anfangs gut, zum Ende des Jahres gab es jedoch „unüberbrückbare Differenzen“, wie es der Verein nannte. Eine halbe Stunde vor dem Ende der Wechselfrist wurden am letzten Januar-Tag die Formalitäten abgewickelt und Bauers Wechsel zu Hannover 96 abgeschlossen. Dort soll er in der Regionalliga „unsere junge Mannschaft führen“, wie Trainer Valerien Ismael es ausdrückt. Für eine große Karriere im Bundesligateam ist für Daniel Bauer wohl zu spät.
