Andernacher Ausstellung „Herzensgärten“
Grabgestaltungen für verstorbene Kinder
Im „Haus der Familie“ löst die Ausstellung unterschiedliche Gefühle aus
Andernach. „Diese Ausstellung polarisiert“, da sind sich die Organisatorinnen einig. Die Gemeindereferentinnen Marianne Krämer-Birsens, Ute Josten, Luzia Waszewski und Angela Schmidt sowie Pastoralreferentin Birgitt Brink holten die Ausstellung aus Merzig nach Andernach und zwar genau dorthin, wo sonst Lebendigkeit und Fröhlichkeit herrschen, ins „Haus der Familie“.
Sie zeigt Fotografien von Gräbern für Kinder und Gedanken der Eltern dazu. Die Bilder geben mit einer breiten Vielfalt von unterschiedlichen Gestaltungsformen und -materialien einen Einblick in die Individualität der Trauer nach dem Verlust eines Kindes. In berührender Weise wird die Einzigartigkeit der verstorbenen Kinder und die tiefe Verbundenheit der Eltern und Familien zum Ausdruck gebracht. Bei der Grabgestaltung arbeiteten die Eltern oft mit oder hatten genaue Vorstellungen wie Steinmetze arbeiten sollten. So gibt es Gräber mit einem Fußball, einer Skisprungschanze, einem Hund - mit den unterschiedlichsten Hobbys der Verstorbenen.
Grabfeld für Kinder geplant
Die Organisatorinnen arbeiten alle zusammen in der Fachkonferenz „Trauer“ mit (Trauerpastorale). Auf dem Friedhof der Stadt Andernach planen Dekanat Andernach-Bassenheim, der Förderverein Hospiz, die Stadt, das St. Nikolaus-Stiftshospital und die evangelische Kirchengemeinde die Erstellung eines Kindergrabfeldes in unmittelbarer Nähe von bisherigen Kindergräben. Derzeit laufen die Ausschreibungen für Künstler und Steinmetze, die bis zum Herbst abgeschlossen sein sollen.
„Wir sind bei unserer Recherche auf die Merziger Ausstellung gestoßen und haben sie nach Andernach geholt. Wir wollen für das Thema verstorbener Kinder sensibilisieren und gehen damit bewusst auch an die Öffentlichkeit“, erklärt Ute Josten. „Im Haus der Familie ist es natürlich ein spannungsvolles Thema, da hier sonst eigentlich lebendige und fröhliche Kinder anzutreffen sind“. Entsprechend stößt die Ausstellung, die zum Europafest erstmalig zu sehen war, als ein buntes Programm im Haus stattfand, auf unterschiedlichste Gefühle. Von Erstaunen bis Erschrecken ist alles dabei. Ein Thema, dass viele nur schwer an sich heranlassen, da es berührt und eine Konfrontation mit eigenen Erfahrungen darstellt. Dies ist zum Beispiel bei Edith Höfer aus Andernach so. Sie ist selbst betroffen, verlor Kind und Schwester, und musste sich lange mit der Ausstellung auseinandersetzen. Nach anfänglichen Zweifeln, ob die Ausstellung in ein solches Haus gehört und einem intensiven Gespräch mit Luzia Waszewski, wurde ihr klar „genau hier hin gehört sie. Der Tod gehört zum Leben und man kommt dabei schon ganz schön ans Nachdenken“.
Auf Astrid Koster, Jahrespraktikantin in der Ausbildung zur Gemeindereferentin, wirkt die Ausstellung friedlich und einladend: „Sie weckt Interesse“.
Für Janine Schäfer, pädagogische Leiterin des Hauses der Familie, war es wichtig, dass die Ausstellung schon beim Europafest zu sehen war, so gab es viel Gesprächsstoff. Im Haus trifft sich regelmäßig auch die Selbsthilfegruppe „Frauen nach Krebs“, „auch das ist ein Thema, welches zum Denken anregt und hier seinen festen Platz hat. Weiterhin ist bei uns der Pflegestützpunkt zu finden“.
Eine Bewertung fällt vielen Besuchern schwer. „Die begleitenden Texte der Eltern sind zudem sehr intim und beeindruckend“, so Ute Josten.
Zu sehen ist die Ausstellung noch bis Donnerstag, 31. Juli. Führungen finden dienstags, 15 Uhr, und donnerstags, 17 Uhr, statt.
Vortrags- und Gesprächsabend am Donnerstag, 17. Juli
Am Donnerstag, 17. Juli, um 19.30 Uhr, findet ein Vortrags- und Gesprächsabend „Herzensgärten - Hintergründe einer ungewöhnlichen Ausstellung“ im Haus der Familie statt. Referent ist Pastoralreferent Jürgen Burkhardt, der diese Ausstellung mit initiiert und mit entwickelt hat. Im Anschluss an den Impulsvortrag wird Zeit für Gespräch und Austausch geboten.
