Tierschutzverein nimmt in der Region Andernach vielfältige Aufgaben wahr
Helfende Hände und gute Seelen für das Wohl der Tiere
Katzenschutz-Verordnung ist dringend von Nöten
Andernach. „Wer Tiere quält, ist unbeseelt und Gottes guter Geist ihm fehlt, mag noch so vornehm drein er schauen, man sollte niemals ihm vertrauen“, schrieb einst Johann Wolfgang von Goethe. Im Umkehrschluss würde der alte Dichter dann wohl das Team der sieben festangestellten und zahlreichen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Andernacher Tierheims als „beseelt“ und mit „Gottes gutem Geist“ ausgestattet sehen. Denn dort, in der bereits seit 1960 bestehenden Einrichtung, kümmern sich die Tierfreunde liebevoll um die Unterbringung herrenloser Haus- und Nutztiere sowie deren, möglichst kurzfristige, Vermittlung an Privatpersonen. Regelmäßig sind den Helfern rund 25 Hunde, zehn Katzen sowie zahlreiche Kleintiere anvertraut. Vögel und Wildtiere werden aufgenommen und zu Pflegestellen gebracht. Im gesamten Jahr nimmt das Tierheim Andernach rund 700 Tiere in seine Obhut. Das Dach zu diesem Engagement stellt der Tierschutzverein Andernach und Umgebung e.V., der die organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen dafür schafft, Haustieren, die niemand mehr haben will, sowie Fundtieren eine Zukunft zu geben.
Besucher kommen jeden Tag
Als wir das, vom Deutschen Tierschutzbund zertifizierte Tierheim betreten, kümmert sich Ulrike Müller am Tresen des hell und übersichtlich gestalteten Verwaltungsbereichs um die Belange einiger Besucher. Rund 30 Tierfreunde, so erfahren wir von ihr, suchen täglich die Einrichtung auf. Tierheimleiterin Cathrin Nohner weist uns den Weg zu Dr. Eva Maret, mit der wir uns zu einem Gespräch und einen Rundgang durch das Tierasyl verabredet haben. Bereits seit dem Jahr 2000 steht die Zahnmedizinerin dem Tierschutzverein vor, lenkt mit tatkräftigem Engagement und Umsicht dessen Geschicke zum Wohle der Tiere und der dort tätigen Menschen. Unterstützt wird sie dabei von ihren vier ehrenamtlich tätigen Vorstandskolleginnen und -Kollegen und einer Beraterin. Während wir mit der bekennenden Nicht-so-ganz-Vegetarierin sprechen, warten ihre Hunde Mia und Bob in einem Zwinger auf ihr „Frauchen“.
Im Gespräch mit der Vereinsvorsitzenden
Ausgehend von der Aussage des legendären indischen Staatsmanns Mahatma Gandhi, nach der die Größe einer Nation und ihre moralische Reife sich daran bemessen ließe, wie die Menschen ihre Tiere behandeln, fragen wir Dr. Maret nach ihrer Erfahrung mit der moralischen Reife unseres Landes. Diese beschreibt sie durchaus positiv: „Wenn wir über 700 Tiere im Jahr vermitteln, dann werden wir ja auch entsprechend besucht. Vor allem das Interesse an Tierheim-Hunden ist gestiegen. Der Standard der Tierheime hat sich allgemein verbessert, dort wird eine gute Arbeit mit den Tieren geleistet und damit ihre Vermittelbarkeit erhöht.“ Neben der Verantwortung für das Tierheim, eins von 500 Heimen im Deutschen Tierschutzbund, stellt sich der Verein weiteren Aufgaben. So geben zum Beispiel pädagogisch vorgebildete Ehrenamtliche Tierschutz-Unterricht in Schulen. Gerne führen die Mitarbeiter auch Kindergartengruppen und Schulklassen durch das Tierheim, stellen sich ihren Fragen und ermöglichen den Kontakt zu den Tieren. Das Tierheim bietet sich darüber hinaus für Schulpraktika und für die Ableistung von Sozialdienststunden an. Mit der Vereinszeitung „Der Tierschutz Bote“ informieren die Tierschützer ihre Mitglieder und andere Tierfreunde über Neues aus dem Tierheim Andernach. Neben seinem Engagement im tierschutz-politischen Bereich muss sich der Tierschutzverein in Andernach auch einem ausgeprägten Problem stellen: Freilebende Katzen (in Deutschland rund zwei Millionen), die täglich draußen um ihr Überleben kämpfen. Würden Tierhalter ihre Katzen kastrieren lassen, gäbe es dieses Tierelend nicht. Ein dringliches Anliegen des Andernacher Tierschutzvereins ist daher die Einführung einer Katzenschutz-Verordnung durch die Kommunen. Diese gesetzliche Vorgabe für die Haltung und den Umgang mit Katzen würde eine Kastrations- und Kennzeichnungspflicht für alle Freigänger-Katzen vorsehen. So könnte die ungewollte Vermehrung vermieden werden. Die Aufnahme dieser Fundtiere belaste die ohnehin knappen finanziellen und räumlichen Kapazitäten des Tierheims zusätzlich. „Wir werden darüber hinaus zunehmend mit der Abgabe von exotischen Tieren konfrontiert. Die Verbringung dieser Tiere zur artgerechten Versorgung ist sehr aufwendig und kostenintensiv. Daher sind wir auch gegen die Ausrichtung von sogenannten Exotenbörsen“, ergänzt Eva Maret.
Zusammenarbeit mit Kommune ohne Kostendeckung
Tierheime, so erfahren wir von der Vorsitzenden, werden nicht von Städten und Gemeinden finanziert. So muss auch der Tierschutzverein Andernach und Umgebung e.V., der die Stadt Andernach sowie die Verbandsgemeinden Pellenz und Weißenturm abdeckt, seinen Jahresetat von etwa 260.000 Euro zum größten Teil aus eigener Kraft stemmen. Nur rund 30.000 Euro fließen dem Verein als Zuschüsse aus den Kommunen zu. Basis sind die deutlich unter Kostendeckung liegenden 40 Cent je Einwohner. Spenden und vor allem die Beiträge der mehr als 700 Mitglieder müssen die Lücke überbrücken. „Es gibt so viele Tierfreunde, aber die meisten tun sich schwer, Mitglied in unserem Verein zu werden. Dabei brauchen wir dringend neue Mitglieder, um unsere Aufgaben finanzieren zu können. Mit einem größeren Mitgliederbestand können wir auch mit einem stärkeren politischen Gewicht auftreten,“ betont die Vorsitzende. Wenn auch viele gemeinnützige Tierheime vor dem finanziellen Aus stehen, eine solche Finanzmisere für den Andernacher Verein gibt es derzeit nicht. Dr. Maret steht aber im Austausch mit der Stadt bezüglich einer deutlichen Erhöhung des Zuschusses. Schließlich stünden die Kommunen für Fundtiere in der gesetzlichen Verantwortung. Die bisherige weitreichende Zusammenarbeit des Tierheims mit den Kommunen sei auf Dauer nur bei einem monetären Entgegenkommen tragbar.
Beste Voraussetzungen für das Glück der Hunde
Das vereinseigene Tierheim verfügt nur über eine Fläche von nur ca. 3000 qm, die jedoch optimal genutzt wird. In den vergangenen 16 Jahren wurden die damals verwahrloste Anlage und das marode Gebäude schrittweise saniert. Der neuesten Standards entsprechende Hundebereich verfügt heute nicht nur über miteinander verbundene Schlaf- und Zwingerräume, sondern bietet auch ausreichend Freilaufflächen für jedes Tier. Hier sind auch „Pensionsgäste“ herzlich willkommen. In einem Schwimmteich können sich die Vierbeiner an heißen Sommertagen abkühlen und auf der anliegenden Wiese herumtollen, spielen, rangeln und beschnüffeln, verlangt doch ihr soziales Wesen nach dem Kontakt zu ihren Artgenossen. Wir fragen Dr. Maret, ob auch Hunde aus dem südeuropäischen Ausland vom Tierheim vermittelt werden, was sie bestätigt. Die Interessen würden sich hier gut ergänzen. Zum einen biete der Verein unseriösen Rassehunde-Produzenten durch die Abholung von Hunden aus ausländischen Tierheimen erheblich Konkurrenz - Straßenhunde sind in der Regel sehr verträglich und daher gut vermittelbar -, zum anderen könnten die Andernacher Tierschützer ihren Hundebestand ergänzen und so vermeiden, dass die, Geselligkeit liebenden, Rudeltiere in ihrem Zwinger allein bleiben. Im Hundebereich begegnet uns der erfahrene „Gassigänger“ Manfred Köhn. Der Urmitzer führt Hündin Yashi bereits seit Jahren zweimal am Tag aus. Einen eigenen Hund möchte er sich selbst nicht mehr zulegen, sagt er, er habe ja seine Yashi.
Ein Wohlfühlhaus für „Stubentiger“
Auch Katzen fühlen sich in ihrem Domizil am Augsbergweg gut aufgehoben. Das helle und moderne Katzenhaus verfügt in seinen Einzelzimmern über einen kleinen Balkon, den die volksmündlichen „Stubentiger“ über eine Klappe erreichen können. Haben sie sich in ihrer neuen Umgebung eingewöhnt und suchen sie die Begegnung mit Artgenossen, so ermöglicht ihnen ein kleines Fenster in der Wand zum Nachbarzimmer den Sichtkontakt. Einige Katzen werden von privaten Pflegestellen betreut und oftmals gleich von dort vermittelt.
Das großzügige Kleintierhaus bietet Meerschweinchen, Kaninchen, Ratten, Mäusen und Hamstern ein warmes Zuhause und ebenso reichlichen Auslauf. Den Verantwortlichen ist es wichtig, liest man auf der Internetseite des Vereins „allen Tieren, denen die Geborgenheit eines Zuhauses fehlt, durch Beschäftigung und eine gut strukturierte Umgebung Abwechslung zu verschaffen.“ Die durchschnittliche Verweildauer für eine Katze beläuft sich auf einen Monat, und auch die Hälfte der Hunde wird meist in diesem Zeitraum vermittelt. Voraussetzung für eine gelungene Vermittlung ist die richtige Einschätzung des Tieres, aber auch die des Interessenten, mit dem ausgiebige Gespräche geführt werden. Vor- und Nachkontrollen stellen sicher, dass das Tier in eine angemessene Obhut kommt. Ausreichend Gelegenheit zum gegenseitigen Kennenlernen gibt es selbstverständlich.
Wie kann man helfen?
Von dem Naturwissenschaftler Charles Darwin wissen wir, dass Tiere, so wie der Mensch Freude und Schmerz, Glück und Unglück empfinden. Wenn einem das nicht egal ist, gibt es im Tierschutzverein eine Vielzahl von Möglichkeiten, Tieren zum Partner zu werden. Ob man als Vereinsmitglied zur Sicherung der laufenden Kosten beiträgt, eine Tierpatenschaft übernimmt, als „Gassigänger“ zur Verfügung steht, den Tieren im Heim Zuwendung schenkt oder das Team bei den vielfältigen Verwaltungsaufgaben, der Gartenpflege, der Reinigung von Zwingeranlagen und Katzenzimmern zur Seite steht, ob man Fahrdienste übernimmt, Sommerfeste und Infostände mit organisiert oder sich gar sein Zuhause als eine vorübergehende Pflegestelle anbietet - Aufgaben gibt es reichlich und viele helfende Hände werden gebraucht. Eine Vereinsmitgliedschaft ist dafür keine Voraussetzung. Detaillierte Informationen erhält man auf der Internetseite www.tierschutzverein-andernach.de oder im Tierheim Andernach, Augsbergweg 62, Öffnungszeiten: täglich von 14-17 Uhr; Tel. (0 26 32) 4 43 43; E-Mail: info@tierheim-andernach.de. Der Tierschutzverein Andernach e.V. freut sich auch über Spenden auf das Konto IBAN: DE97 5765 0010 0020 0054 43; BIC: MALADE51MYN bei der Kreissparkasse Mayen. Futterspenden können im Tierheim abgegeben beziehungsweise in Futterboxen gelegt werden, die in einigen Geschäften in der Region aufgestellt sind.
Die vierjährige Hündin Coco wartet seit Mitte Oktober auf ihre Vermittlung.
Seit Jahren führt Manfred Köhn Yashi zweimal täglich aus. Die Hündin lebt bereits seit 2011 im Heim.
