Theaterstück und Cartoonausstellung bei Andernacher Hospiztagen 2014
Humorvoll und dennoch ernst
Andernach. Im Rahmen der Andernacher Hospiztage führte der Schauspieler Thomas Borggrefe sein Theaterstück „Dachstube“ auf. Borggrefe ist evangelischer Pfarrer und ausgebildeter Schauspieler. Er ist neben seiner Schauspielerei als Altenseelsorger in den Niederlanden tätig. Das Theaterstück beschreibt nicht nur die Gefühlswelt eines demenzkranken Mannes, in diesem Fall eines Dirigenten, sondern beleuchtet auch die Bedeutung der Musik im Verlauf des Prozesses. Mit beeindruckender Mimik, Gestik und ausdrucksvoller Stimme schilderte Borggrefe alle Stimmungsbilder wie Angst, Wut, Verzweiflung, Freude und Schmerz. Seine Ausstrahlung als Schauspieler unterstützte er durch sorgfältig ausgewählte Musikstücke, die das jeweilige Stimmungsbild des Patienten und die zunehmende Erkrankung passend zum Ausdruck brachten. So verfolgten die über 80 Zuschauer und Zuhörer die Verzweiflung und die Ratlosigkeit des Kranken, wenn er feststellt, dass er nach Worten suchen muss, weil sie ihm nicht mehr einfallen.
Mit Humor und Witz stellte er die Situationen dar, die Sprachformeln bloßstellen, wie zum Beispiel in der Szene, in der die Schwester den Patienten fragt: „Haben wir denn gut geschlafen“, und der Patient überrascht und zweifelnd zugleich entgegnet: „Haben wir zusammen geschlafen?“ Wie wichtig für den Demenzkranken Umstände sind, die in ihm vertraute Erinnerungen hochkommen lassen, schilderte die Szene, in der der Patient an seinen ersten blauen VW-Käfer denkt, eine Szene, in der deutlich wurde, dass ein demenzkranker Mensch auch Glücksgefühle und Glückserlebnisse hat. Dennoch beschlich den Zuschauer auch in humorvollen, witzigen Szenen ein Gefühl der Beklemmung vor dieser fremden Welt des Lebens in der Krankheit. Dies wurde in einer Szene deutlich, in der der Sohn des kranken Mannes mit Vorwurf in der Stimme sagt: „Du schaffst das nicht mehr!“
Es war hohe Schauspielkunst, mit der Thomas Borggrefe die durch diese Äußerung erfolgte Verletzung des Vaters darstellte. Diese einstündige Aufführung war gerade wegen des ernsten Themas ein Kunstgenuss und eine Hinführung zum Verständnis und Verstehen der Gefühls- und Verstandeswelt der von dieser Krankheit betroffenen Menschen. Das bewiesen der lang andauernde Applaus und die zahlreichen Wortmeldungen in dem anschließenden Gespräch mit dem Künstler. Dabei kamen persönliche Erfahrungen einiger Zuhörer und Zuhörerinnen zur Sprache, die sich mit den dargestellten Szenen im Stück deckten.
Cornelia Kaltenborn, Geschäftsführerin des St. Nikolaus-Stiftshospitals, in dessen Räumlichkeiten der Abend stattfand, stellte die einfühlsame Art der Darstellung von Szenen, die täglich passieren, heraus.
Cartoons von Peter Gaymann
Vor der Vorstellung wurde die Ausstellung von Cartoons des bekannten Cartoonisten und Illustrators Peter Gaymann eröffnet. Peter Gaymann wurde 1984 mit dem Cartoonband „Huhnstage“ als P. GAY bekannt. Seine Cartoons erschienen in Zeit-Magazin, Bunte, Regio Magazin, taz und Maxima. Auch die seit Jahrzehnten in der Brigitte veröffentlichten „Paar Probleme“ trugen zu seiner Popularität bei. Er ist inzwischen einer der erfolgreichsten deutschen Cartoonisten.
Die Hospiztage 2014 sind eine Veranstaltungsreihe des Fördervereins Hospizbewegung Andernach-Pellenz e.V. in Zusammenarbeit mit der Hospizarbeit in der Stiftung Kirchliche Sozialstation.
