Allgemeine Berichte | 12.12.2014

Stifthospital nahm Abschied von „seinen“ Borromäerinnen

„Ich bin ehrlich, es tut richtig weh!“

Über dem Empfang im Wohnheim lag ein Schleier von Traurigkeit.

Andernach. Der deutsche Dichter Friedrich von Schiller stellte einmal fest: „Der Abschied von einer langen und wichtigen Arbeit ist immer mehr traurig als erfreulich.“ Bei wem würde diese Aussage wohl mehr zutreffen, als bei den „Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus“, die mit ihrem Konvent im Andernacher Krankenhaus, heute die St. Nikolaus Stiftshospital GmbH, seit fast 170 Jahren einen von christlicher Nächstenliebe geprägten Dienst geleistet haben. Diese Ära nahm nun im Rahmen einer angemessen dankbaren Abschiedsfeier offiziell ein Ende. Blick aktuell berichtete im November: Altersbedingt und aufgrund der fehlenden Nachfolge für die erkrankte Oberin wurden die Schwestern von ihrem Mutterhaus in Trier zurückberufen.

Feierliche Abschieds-Messe

In der vollbesetzten barocken Hospitalkirche St. Josef feierten die Borromäerinnen mit Weihbischof Jörg Michael Peters und ihrer Generaloberin Schwester Elisabeth sowie zahlreichen Mitschwestern, geladenen Gästen, Freundinnen und Freunden die Heilige Messe. Ein Streicher-Trio des Koblenzer „Collegium Musicum“ und Dekanatskantor Burkhard Esten gestalteten den Gottesdienst musikalisch. Weihbischof Peters würdigte im Rahmen seiner Predigt die geleistete Arbeit jeder einzelnen, Abschied nehmenden Ordensschwester. Insbesondere unterstrich der Weihbischof die bereits seit 35 Jahren währende „aufsuchende Seelsorge“ der schwer erkrankten und daher nicht anwesenden Oberin Maria-Theresia. „Sie gehörte, und das im besten Wortsinn, zum Inventar dieses Hauses.“ Mit einem lange anhaltenden Beifall brachten schließlich auch die Gottesdienstbesucher ihre Anerkennung und ihren Dank gegenüber den letzten Andernacher Borromäerinnen zum Ausdruck.

Eine melancholisch- herzliche Feierstunde

Über dem sich anschließenden Empfang im benachbarten Wohnheim lag ein spürbarer Schleier von Traurigkeit. Die Nachwuchsmusikerinnen und -Musiker Elisa Birkenheier (Sopran), Lukas Stein (Klavier), Luisa Hunold (Cello) und Elena Schäfer (Klavier) verliehen der melancholisch-herzlichen Abschiedsfeier mit hochwertigen Musikbeiträgen einen würdigen Rahmen. Gute Worte, Blumen und Geschenke erreichten dann die Ordensschwestern Adeltrudis, Edeltrud, Erika, Lucella und Teresa, die bis zuletzt die kranke Oberin Maria-Theresia vertrat.

Sichtlich gerührt sprach Cornelia Kaltenborn, Geschäftsführerin der St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH, von „einem besonderen schweren Tag“. Dankbar stellte sie fest: „Sie haben, geprägt von ihrem Glauben und ihrer aufrichtigen Haltung, das Leben im Stiftshospital beeinflusst, wie kaum eine andere Gruppe.“ Letztendlich, so die Geschäftsführerin, läge es nun an der Stiftshospital GmbH, den von den Schwestern vorgelebten Geist weiterzuführen. „Es berührt uns sehr, dass sie uns verlassen - ich bin ehrlich, es tut auch richtig weh!“

Der stellvertretende Vorsitzende des Verwaltungsrates der Stiftung, Frank Mertes, leitete seine Dankesrede von dem Wort des hl. Karl Borromäus ab: „Unter allen Heilmitteln, die uns Jesus Christus im Evangelium empfohlen hat, nimm das Gebet den ersten Platz ein“. „Sich als betender Mensch zu verstehen“, führte Mertens aus, „und sein Leben als Gebet zu betrachten, das ist eine Haltung, mit der ein Mensch die ihm übertragenen Aufgaben und Tätigkeiten erfüllt.“ Er machte deutlich, dass „Gebet“ zugleich Anbetung und Tat einschließt. Dies sei, gerade nach dem Weggang der Borromäerinnen für die Stiftshospital GmbH eine Herausforderung. Bürgermeister Claus Peitz übermittelte herzliche Grüße und den Dank der Stadt Andernach und zollte den Borromäerinnen für die geleistete Arbeit großen Respekt.

Thilo Heyl, Vorsitzender der Mitarbeitervertretung und „Hobby-Historiker“ lud die Gäste zu einer bilderreichen Reise in den Zeitabschnitt 1845 - 2014 ein, in dem Borromäerinnen im Andernacher Krankenhaus wirkten.

Pastoralreferentin Dorothee Strietholt und Katharina Weinzheimer, ehrenamtliche Seelsorge-Mitarbeiterin, verstanden es, humorvoll, authentisch und persönlich an jede Ordensschwester liebevolle Bewertungen zu adressieren, die sie als „Originaltöne“ beim Krankenhauspersonal gesammelt hatten. Schwester Teresa dankte abschließend herzlich für die vielen lieben Worte: „Wir wussten gar nicht, wie gut wir sind.“ Dann versicherte sie: „Wir gehen mit einem weinenden und einem dankbaren Herzen.“

Eine fast 170-jährige Geschichte

Im Jahr 1845 kamen die ersten drei Borromäerinnen ins Hospital. Hier wirkten die Nachfolgerinnen bis in diesen Tagen in vielfältigen Funktionen. Die „Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus“, kurz Borromäerinnen genannt, zählen zu einer katholischen, caritativ tätigen Ordensgemeinschaft, die 1652 in Nancy gegründet wurden. Zwei der sieben selbstständigen Kongregationen befinden sich in Deutschland, für die Schwestern mit dem Mutterhaus in Trier. In früheren Zeiten organisierten die Ordensschwestern in Andernach die gesamte Einrichtung, ihre Fürsorge galt den Kranken, Armen und Waisenkindern. Auch sorgten sie dafür, dass Menschen die Sakramente der Kirche gespendet wurden. In den letzten Jahrzehnten wurde die menschliche Zuwendung des - derzeit aus sechs Borromäerinnen bestehenden Andernacher Konvents - schwerpunktmäßig den Patienten des Krankenhauses und den Senioren des Marienstifts zuteil. Der Aufgabenkatalog Schwestern gestaltete sich immer noch vielseitig. So waren die Ordensschwestern zum Beispiel in der Seelsorge, im Küsterdienst in der Hospitalkirche, im Altenheim und im Service Wohnen tätig. Aber auch in der Patientenverwaltung, der Krankenhausbücherei und an der Pforte des Seniorenzentrums Marienstift traf man auf sie.

Über dem Empfang im Wohnheim lag ein Schleier von Traurigkeit.
„Wir wussten nicht, wie gut wir sind, und gehen jetzt mit einem weinenden und einem dankbaren Herzen“ - die Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus.

„Wir wussten nicht, wie gut wir sind, und gehen jetzt mit einem weinenden und einem dankbaren Herzen“ - die Barmherzigen Schwestern vom hl. Karl Borromäus.

Sie will den von den Ordensschwestern vorgelebten Geist in ihrem Hause weiterführen: Cornelia Kaltenborn, Geschäftsführerin der St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH.

Sie will den von den Ordensschwestern vorgelebten Geist in ihrem Hause weiterführen: Cornelia Kaltenborn, Geschäftsführerin der St. Nikolaus-Stiftshospital GmbH.

Über dem Empfang im Wohnheim lag ein Schleier von Traurigkeit.

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