Historischer Verein Andernach
Im Römerkastell Saalburg zu Besuch
Andernach. Ein Originalschauplatz der römischen Geschichte auf ehemaligem germanischen Stammesgebiet ist das teilrekonstruierte Römerkastell Saalburg bei Bad Hönningen. Das Kastell gehört zurecht zum UNESCO-Welterbe Limes, gibt es doch ein anschauliches und lebendiges Bild von der Geschichte, Kultur und Lebensart einer Epoche, die nahezu 2000 Jahre zurückliegt, aber in der Gegenwart immer noch spürbar ist. Die Mitglieder des Historischen Vereins Andernach konnten sich davon bei ihrer jüngsten Exkursion Mitte September überzeugen. Das Kastell wurde Anfang des zweiten Jahrhunderts von römischen Truppen auf dem Saalburgpass im Taunus zunächst als Holzkastell mit zwei Schanzen als Teil des Limes gebaut. Schon kurze Zeit später wurde es zu einem Kohorten-Kastell mit einer Besatzung von rund 600 Mann ausgebaut und schließlich in Steinbauweise erweitert, die Holztürme durch Steintürme ersetzt. Das Lagerdorf erhielt eine Badeanlage, eine Herberge sowie andere öffentliche Bauten. Nach der Aufgabe des Limes im dritten Jahrhundert nach Christus verfiel die Anlage und diente schließlich im Mittelalter als Steinbruch. Erst im 19. Jahrhundert wird dieser Prozess gestoppt. Als damit begonnen wird, den Limes zu erforschen, setzt eine systematische Ausgrabung unter dem Architekt und Ausgrabungsleiter Louis Jakobi aus Bad Homburg ein. Schließlich veranlasste Kaiser Wilhelm II. persönlich die Rekonstruktion und den Wiederaufbau unter der Leitung von Jakobi, der sich an Bauformen antiker Vorbilder orientierte.
Im rekonstruierten Kastell wurde ein Museum und ein Forschungsinstitut untergebracht. Heute, rund 100 Jahre später, stellt sich den Museumsleitern ein kurioses Problem: Die Forschung entwickelt sich weiter und macht zum Teil Veränderungen notwendig. Doch nun ist die Rekonstruktion selbst bereits ein historisches Objekt und steht unter Denkmalschutz. Seit 2005 ist die Saalburg Teil des Unesco-Welterbes. Trotzdem, so erfahren die Besucher, wird ständig innerhalb des Kastells renoviert und in der Ausstellung Abteilung für Abteilung erneuert. Besonders eindrucksvoll war für die Mitglieder des Historischen Vereins eine gerade neu eingerichtete, komplette römische Küche und eine Werkstatt, in der mittels Multimedia zu beobachten war, wie die Drahtherstellung damals funktionierte. So erfuhren die Besucher am eigenen Leibe, was der Mann oder die Frau damals an ebensolchem trug. Nach der Mittagspause in der „Taberna“ war Zeit, um zum Limes zu gehen und das sogenannte Mithras-Heiligtum und die Nachbildung der Jupitersäule aus Mainz anzusehen.
Firmus blickt wieder auf den eigenen Teller:
Am Dienstag, 18. Oktober, um 15 Uhr Treffpunkt „Schumacher-Gelände“, lädt der Vorstand des Historischen Vereins Andernach seine Mitglieder zu einer archäologischen Führung ein: Herr Brüninghaus und Frau Baumgarten werden vor Ort die Ergebnisse der Grabungen, eine Zusammenfassung und erste Auswertungen der Funde auf dem „Schumacher“-, dem „Alte Kanzlei“- und dem „Weisheimer-Gelände“ vorstellen. ( Bitte an festes Schuhwerk denken.) Es sei an dieser Stelle schon mal auf die Gedenkfeier für den 9. November hingewiesen, 19 Uhr, Historisches Rathaus. Am Beispiel von zwei Einzelschicksalen, hier das von Dr. Nora Gottschalk und Hans Fernich, wird die Situation der „davongekommenen“ Juden beleuchtet. Anschließend findet der traditionelle Mahngang zur ehemaligen Synagoge statt.
