Dr. Helmut Weinand stelle sein Buch über die Kirchenlandschaft in der Stadt vor
In Andernach gibt es insgesamt 20 Kirchen und 26 Kapellen
Andernach. Der Seniorenkreis der Kolpingsfamilie Andernach kam in den „Genuss“ erster Einblicke in den Inhalt der Neuerscheinung eines Buches über Kirchen und Kapellen in Andernach. Dr. Helmut Weinand als Verfasser berichtete in seinem Vortrag über die Art und Weise des Entstehens des Werkes sowie seinen Inhalt in Wort und Bild.
Zu der ersten Veranstaltung des Seniorenkreises in der Kolpingsfamilie Andernach im neuen Jahr konnten die Veranstalter trotz ungünstiger Witterungsbedingungen nicht nur viele Mitglieder, sondern auch eine Reihe von Gästen zu dem Vortrag von Dr. Helmut Weinand begrüßen. Zur Einstimmung in den Nachmittag wurde ein Text von Adolph Kolping zum Jahresanfang verlesen. Nun hatte Dr. Weinand das Wort, der in der Kolpingsfamilie kein Unbekannter ist, weil er seit Jahren regelmäßig über aktuelle Dinge berichtet, insbesondere über seine umfangreichen Veröffentlichungen, zum Beispiel einen Stadtführer für Kinder sowie zu den Straßen der Stadt und Spaziergänge durch Andernach. Sein neuestes Werk befasst sich mit den Kirchen und Kapellen in Andernach, das in den nächsten Wochen auf den Markt kommen wird.
Wer hätte gedacht, dass es insgesamt 20 Kirchen und 26 Kapellen in Andernach gibt und gab, deren Geschichte und Entwicklung bislang noch nicht als Buchthema behandelt wurden? Helmut Weinand hat zwei Jahre ehrenamtliche Arbeit in das Projekt gesteckt und dabei rund 2.000 Kilometer Wegstrecke in Andernach und den Stadtteilen hinter sich gebracht. Unterstützt wurde er durch den Stadtsprecher Christoph Maurer, der mehrere hundert Fotos „geschossen“ hat. Anhand dieser sehr schönen und sehr klaren Bilder erläuterte der Referent eine Auswahl der insgesamt zwölf katholischen und evangelischen Gotteshäusern sowie der sieben Gotteshäuser der übrigen, in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen zusammengeschlossenen Gemeinden. Hinzu kommt die Ditip Mimar Sinan Moschee als islamisches Gotteshaus in Andernach. Zu den Kapellen in der Kernstadt und den Stadtteilen zählen unter anderem auch die Friedhofskapellen. Die Michaels-Kapelle an der Breite Straße ist die älteste Friedhofskapelle auf dem Gelände des ehemaligen Klosters „St. Thomas vor den Toren der Stadt“, die zwischen 1197 und 1199 erbaut wurde.
Genoveva-Kapelle ist die älteste Kapelle in Andernach
Nicht allen im Saal war bewusst, dass die Genoveva-Kapelle auf dem Weissheimer’schen Grundstück an der Schaarstraße aus dem siebten Jahrhundert n.Chr., von den Benediktinern gegründet, die älteste Kapelle Andernachs ist. Sie wurde 1750 niedergerissen und danach neu erbaut.
Breiten Raum nahm naturgemäß der Mariendom ein, der in drei wesentlichen Bauabschnitten Ende des zwölften und Anfang des 13. Jahrhunderts entstanden ist und die Vorgängerkirche aus dem Anfang des zwölften Jahrhunderts ersetzte, die 1198 bei der Zerstörung der Stadt sehr stark beschädigt wurde. Lediglich der heutige Glockenturm konnte erhalten bleiben und wurde in die Nachfolgekirche integriert, die von dem Trierer Erzbischof Johann I. errichtet wurde. Diese katholische Pfarrkirche „Maria Himmelfahrt“ (Maria, die Mutter Gottes, und St. Michael sind die Schutzpatrone Andernachs) ist eine spätromanische dreischiffige Emporenbasilika ohne Querschiff und wurde in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder bis in die heutige Gegenwart renoviert und verändert. Brennend interessierte sich ein Großteil der Zuhörer natürlich für die Ausführungen zum Bau der Kirche St. Albert (sowie des vorhergehenden Klosters Sankt Thomas aus dem zwölften Jahrhundert), weil sie als Zeitzeugen Anfang der 1950iger Jahre teilweise beim Bau der Albert-Kirche - wie auch der Referent - kräftig mit Hand angelegt hatten. Die Albert-Kirche wurde teilweise auf den Grundmauern des Abtissinnenhauses der Abtei St. Thomas realisiert, was durch das mächtige Kellergewölbe als Krypta untermauert wird. Grundlage bildete die Planung von Prof. Dr. Ing. Rudolf Schwarz.
Auch die jüngste der katholischen Pfarrkirchen, St. Stephan, ein Kuppel-Rundbau mit der Fertigstellung im Jahre 1968, besticht durch ihre klaren Formen: Diese neue Kirche ist ein Werk, das viele Menschen zu gemeinsamer Arbeit zusammenführte. Dombaumeister Hans Schädel aus Würzburg hat die Kirche und das Gemeindezentrum für Andernach entworfen.
Auch die evangelische Christuskirche, eine spätgotische Anlage mit ungleichmäßigem Langhaus und einem in der Breite des Hauptschiffes fortgeführten Ostchor, durfte nicht fehlen. Die Kirche gilt als eine der wichtigsten und eindrucksvollsten rheinischen Minoritenkirchen und war über Jahrhunderte Begräbnisstätte der Stifterfamilie, des mittelrheinischen Adels und wohlhabender Bürger der Stadt, deren Wappen in den Kreuzgewölben angebracht sind. 1616 löste der Franziskanerorden die Minoriten ab. Für dasselbe Jahr und 1620 sind größere Instandsetzungsarbeiten überliefert. 1633 wurde die Kirche zerstört, jedoch 1709 wieder aufgebaut.
1802/1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation Napoleons aufgelöst. Kloster und Kirche dienten zunächst der napoleonischen Armee, später den Preußen als Kaserne, Depot und Pferdestall. Am 30. November 1854 wurde sie von König Friedrich Wilhelm IV. der evangelischen Kirchengemeinde mit einem für die Renovierung bestimmten Geldbetrag übergeben, hieß dann „Evangelische Stadtkirche“ und erhielt 1855 ihren heutigen Namen.
Moschee legt einen hohen Wert auf den interkulturellen Dialog
Abschließend zeigte der Referent auch verschiedene Bilder der Ditib Sinan Moschee Andernach, deren Verantwortliche einen hohen Wert auf den interkulturellen Dialog und den Kontakt mit den Mitbürgern legen. Interessierte haben jederzeit die Möglichkeit, an einer Moscheeführung teilzunehmen. Regelmäßige Veranstaltungen sind der „Tag der offenen Moschee“. Da im Rahmen der begrenzten Zeit nur eine kleine Auswahl der Andernacher Gotteshäuser gezeigt werden konnte, lässt dies auf weitere Vorträge in der Zukunft hoffen. Mit lang anhaltendem und kräftigem Applaus durch die Anwesenden und herzlichen Dankesworten durch den Veranstalter wurde Dr. Helmut Weinand verabschiedet.
