Allgemeine Berichte | 06.09.2014

Alfred Adams besuchte mit Otto Kaiser die jüdische Kultusgemeinde

Israel-Hamas-Konflikt im Fokus

Seit dem Mittelalter gibt es in Koblenz eine jüdische Gemeinde

Alfred Adams und Avadislav Avadiev im Gespräch. privat

Andernach. Seit dem Mittelalter gibt es in Koblenz eine jüdische Gemeinde. Ein Grabstein aus dem Jahr 1149 ist der älteste Nachweis eines jüdischen Bürgers in der Stadt. Die Juden siedelten in der Altstadt zwischen Alter Burg und Florinskirche. Dort gab es auch eine Judengasse (die heutige Münzstraße), an deren Ende sich das Judentor aus dem Jahr 1282 befand. Die damalige jüdische Gemeinde besaß bereits eine Synagoge, einen Friedhof und ein Krankenhaus.

Erste Pogrome

Erste Pogrome gegen die Koblenzer Juden fanden im 13. Jahrhundert statt. Sie gipfelten in der Vernichtung der Gemeinde während der Pestepidemie 1348/1349. In der Folgezeit zogen aber wieder jüdische Familien nach Koblenz. 1418 wurden alle Juden aus dem Kurfürstentum Trier ausgewiesen. In der Folgezeit gab es 100 Jahre lang keine Juden in Koblenz. Kurfürst Richard von Greiffenklau zu Vollrads ließ erst 1518 für 20 Jahre wieder jüdisches Leben zu. Im 16. bis 18. Jahrhundert lebten mit kleineren Unterbrechungen immer Juden in Koblenz.

Eroberung der Stadt

Mit Eroberung der Stadt Koblenz durch französische Revolutionstruppen im Jahr 1794 bekamen die Koblenzer Juden die volle Gleichberechtigung. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien stark zu. Obwohl sich deren wirtschaftlichen Verhältnisse verbesserten, war diese Zeit auch von Antisemitismus geprägt. In den Jahren 1847/1848 erwarb die jüdische Gemeinde den Bürresheimer Hof und ließ ihn zur Synagoge umbauen. Bis zur Zerstörung der Inneneinrichtung während der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 verblieb die Synagoge in diesem Gebäude. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 emigrierten viele Juden ins Ausland und die Zahl der jüdischen Familien sank deutlich. Die verbliebenen Juden waren starken Repressionen ausgesetzt und mussten ihre Geschäfte aufgeben. Im Jahr 1942 begann die Deportation, bei der aus der Region 870 Juden über den Bahnhof Koblenz-Lützel in die Konzentrationslager des Ostens verschleppt wurden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kehrten nur wenige Überlebende nach Koblenz zurück, diese bildeten wieder eine jüdische Gemeinde.

Religiöses

Heute bildet die Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde von Koblenz das religiöse Zentrum der Juden in den umliegenden Landkreisen. Die heutige Synagoge im Stadtteil Rauental war vormals die Trauerhalle des angrenzenden jüdischen Friedhofs. Alfred Adams besuchte gemeinsam mit Otto Kaiser die jüdische Kultusgemeinde und informierte sich bei dem Vorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, über das jüdische Leben heute. Aktuelles Thema war auch der jüngste Konflikt zwischen Israel und der Hamas. Über den Umgang mit Antisemitismus wurde ausführlich gesprochen. Judenfeindlichkeit bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums. Dieses Phänomen erscheint seit etwa 2.500 Jahren und hat besonders die Geschichte Europas über weite Strecken begleitet. Es reicht von Verleumdung, Diskriminierung und Unterdrückung über lokale und regionale Ausgrenzung, Verfolgung und Vertreibung bis zum Genozid an nahezu sechs Millionen europäischen Juden (Holocaust) in der Zeit des Nationalsozialismus. Auch das Leben und Wirken des in diesem Jahr verstorbenen Dr. Heinz Kahn war Thema des Gesprächs.

Herber Verlust

Der langjährige Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Koblenz starb am Sonntag, 9. Februar, im Alter von 91 Jahren. Mahnen und Aussöhnen, das war für Heinz Kahn immer wichtig. Der Tierarzt, der in Polch lebte und praktizierte, stand für den Dialog zwischen Juden und Christen. Und nicht nur das. Als Zeitzeuge suchte er das Gespräch mit der jüngeren Generation. Der Vorsitzende galt als liberal, was sich bis zuletzt zeigte. Otto Kaiser zeichnete das in der Synagoge der jüdischen Kultusgemeinde geführte Gespräch auf. Dieser Beitrag ist im Programm des Offenen Kanal (OK4) zu sehen.

Alfred Adams und Avadislav Avadiev im Gespräch. Foto: privat

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