Allgemeine Berichte | 03.01.2020

Joseph Mohrs als Zeitzeuge am Bertha-von-Suttner-Gymnasium

„Joseph, tu n’es pas un allemand, tu es un français!“

Joseph Mohrs verstand es, die Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Französisch mit seinen Erzählungen in den Bann zu ziehen. Foto: privat

Andernach. Fragt man Schüler, warum sie Französisch lernen, erhält man häufig Antworten wie: „Weil man da so schön Urlaub machen kann“ oder „Weil Frankreich nicht weit weg ist von uns“.

Josef Mohrs, Jahrgang 1925, der kurz vor Weihnachten als Zeitzeuge am Bertha-von-Suttner-Gymnasium eingeladen war, antwortet spontan: „Weil ich dort drei Jahre lang als Kriegsgefangener gelebt habe.“ Was dramatisch klingt, war in Wirklichkeit der Beginn einer wunderbaren deutsch-französischen Freundschaft, die der betagte Andernacher bis heute pflegt. Sein Publikum: Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Französisch, die demnächst ihr deutsches und ihr französisches Abitur ablegen werden. Jugendliche, für die die freundschaftlichen Beziehungen zum Nachbarland völlig selbstverständlich geworden sind. Umso gebannter hörten sie dem Veteran Mohrs zu, dessen Lebensgeschichte so ganz anders verlaufen ist.

Mohrs geriet in französische Kriegsgefangenschaft

Mohrs wurde 1943 als 18-jähriger zum Kriegsdienst eingezogen und geriet dabei in französische Kriegsgefangenschaft. Kurz darauf fand er sich in einem kleinen Dorf in den Vogesen wieder, wo er für den einheimischen Bäcker das Brennholz besorgen musste.

Der Krieg war gerade erst vorüber und der Hass zwischen den Völkern so groß wie selten zuvor. Aber das interessierte den jungen Mann aus dem Rheinland herzlich wenig: Er wollte Französisch lernen – um jeden Preis und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Also war das Wörterbuch sein ständiger Begleiter und er saugte jeden Satz auf, der ihm in seiner französischen Umgebung zu Ohren kam. Die Einheimischen merkten schnell, dass dieser junge Mann aus Deutschland kein Feind war. So wurde er bald zum Teil der Dorfgemeinschaft und war dabei, wenn es etwas zu besprechen oder zu feiern gab.

„Joseph, tu n’es pas un allemand, tu es un français“ sagte ihm der gleichaltrige Yvon, der ihm ein enger Freund werden sollte. Joseph wurde von den meisten als Franzose betrachtet und beherrschte den Akzent der Vogesen bald fast genauso gut wie die Einheimischen. Er liebte die französische Sprache und Lebensart, die ihm eine bislang unbekannte Welt eröffnete. Als er 1948 in seinen Heimatort Mülheim zurückkehrte, hatte die Liebe zu Frankreich einen festen Platz in seinem Herzen.

Aus einstigen Feinden sind Freunde geworden

Diese Liebe brennt bis heute. Denn die Art und Weise, wie der 94-jährige den jungen Menschen am BvSG von seiner Zeit in den Vogesen erzählte, riss alle mit. Mal auf Französisch, dann hochdeutsch und auch in Müllemer Platt ließ er sein Leben Revue passieren und sang zudem absolut textsicher den faszinierten Schülerinnen und Schülern mit Verve einen französischen Schlager der damaligen Zeit vor.

Begleitet wurde Joseph Mohrs während seines Besuches am Gymnasium von seiner Tochter, denn auch die zweite Generation der Familie lebt die Freundschaft weiter. So berichtete die Tochter, wie die Großfamilien aus Frankreich und Deutschland sich auch heute noch regelmäßig treffen und die Feinde von einst längst vertraute Freunde über die Generationen hinweg wurden. Deutsch-französische Freundschaft ist bei den Mohrs keine Floskel, sondern gelebte Realität - auch heute, über 70 Jahre nach Kriegsende.

Joseph Mohrs verstand es, die Schülerinnen und Schüler der Leistungskurse Französisch mit seinen Erzählungen in den Bann zu ziehen. Foto: privat

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  • Rita Butz: Sehr schön verfasster Bericht , sehr zutreffend und diese beiden " Helden " üben eine Vorbildfunktion für unsere Gemeinde aus !! L. G. verbunden mit meiner höchsten Wertschätzung!!

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