Das Judentum in Rheinland-Pfalz damals und Heute
Jüdische Gemeinde in Koblenz
Andernach. Seit dem Mittelalter gibt es in Koblenz eine jüdische Gemeinde. Ein Grabstein aus dem Jahr 1149 ist der älteste Nachweis eines jüdischen Bürgers in der Stadt. Die Juden siedelten in der Altstadt zwischen Alter Burg und Florinskirche. Dort gab es auch eine Judengasse, an deren Ende sich das Judentor aus dem Jahr 1282 befand. Die damalige jüdische Gemeinde besaß bereits eine Synagoge, einen Friedhof und ein Krankenhaus. Erste Pogrome gegen die Koblenzer Juden fanden im 13. Jahrhundert statt. Sie gipfelten in der Vernichtung der Gemeinde während der Petsepidemie 1348/1349. In der Folgezeit zogen aber wieder jüdische Familien nach Koblenz. 1418 wurden alle Juden aus dem Kurfürstentum Trier ausgewiesen. In der Folgezeit gab es 100 Jahre lang keine Juden in Koblenz. Kurfürs Richard von Greifenklau zu Vollrads ließ erst 1518 für 20 Jahre wieder jüdisches Leben zu. Im 16. bis 18. Jahrhundert lebten mit kleineren Unterbrechungen immer Juden in Koblenz. Mit Eroberung der Stadt Koblenz durch französische Revolutionstruppen im Jahr 1794 bekamen die Koblenzer Juden die volle Gleichberechtigung. Im 19. Jahrhundert nahm die Zahl der jüdischen Familien stark zu. Obwohl sich deren wirtschaftlichen Verhältnisse verbesserte, war diese Zeit auch von Antisemitismus geprägt. In den Jahren 1847/1848 erwarb die jüdische Gemeinde den Bürresheimer Hof und ließ ihn zur Synagoge umbauen. Bis zur Zerstörung der Inneneinrichtung während der Reichspogromn vom 9. auf den 10. November 1938 verblieb die Synagoge in diesem Gebäude. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 emigrierten viele Juden ins Ausland und die Zahl der jüdischen Familien sank deutlich. Die verbliebenen Juden waren starken Repressionen ausgesetzt und mussten ihre Geschäfte aufgeben. Im Jahr 1942 begann die Deportation, bei der aus der Region 870 Juden über den Bahnhof Koblenz-Lützel in die Konzentrationslager des Ostens verschleppt wurden. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kehrten nur wenige Überlebende nach Koblenz zurück, diese bildeten wieder eine jüdische Gemeinde.
Jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz heute
Heute bildet die Synagoge der jüdischen Gemeinde von Koblenz das religiöse Zentrum der Juden in den umliegenden Landkreisen. Die Synagoge im Stadtteil Rauental war vormals die Trauerhalle des angrenzenden jüdischen Friedhofs. Alfred Adams besuchte gemeinsam mit Otto Kaiser und Rüdiger Schäfer die jüdische Gemeinde und informierte sich bei dem Vorsitzenden des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden von Rheinland-Pfalz, Avadislav Avadiev, über das jüdische Leben heute. Über den Umgang mit Antisemitismus wurde ausführlich gesprochen. Judenfeindlichkeit bezeichnet eine pauschale Ablehnung der Juden und des Judentums. Dieses Phänomen erscheint seit etwa 2.500 Jahren und hat besonders die Geschichte Europas über weite Strecken begleitet. Es reicht von Verleumdung, Diskriminierung und Unterdrückung über lokale und regionale Ausgrenzung, Verfolgung und Vertreibung bis zum Genozid an nahezu sechs Millionen europäischen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus. Der Landesvorsitzende der jüdischen Gemeinden Avadislav Avadiev sprach sich ausdrücklich für den Dialog zwischen Juden, Christen und Muslime aus. Otto Kaiser und Rüdiger Schäfer zeichneten das in der Synagoge geführte Gespräch auf. Zu sehen ist die Aufzeichnung unter dem Titel „ Gut zu Wissen – jüdisches Leben in Rheinland-Pfalz heute“ im Programm des offenen Kanal Andernach. Die genaue Sendezeit erfahren Sie aus dieser Zeitschrift oder unter OK4.de im Internet.
