Allgemeine Berichte | 10.09.2026, 10:32 Uhr

Zoo Neuwied

Kleine Nerze auf großer Reise

Versteckmöglichkeiten im Gehege sind wichtig, damit sich der Nerz bei Bedarf zurückziehen kann.

Neuwied. 09. September 2026 – In den letzten Monaten war es recht wuselig im Gehege der Europäischen Nerze. Gleich fünf Jungtiere lebten dort, drei männliche und zwei weibliche, die vor Kurzem den Zoo Neuwied verlassen haben. Zunächst führte ihre Reise sie in den Zoo Tallinn in Estland.

Die jungen Nerze sollen dort Teil eines Wiederansiedlungsprojektes werden, das vom Zoo Tallinn aus koordiniert wird und dazu beitragen soll, die Population der vom Aussterben bedrohten Europäischen Nerze zu sichern und zu stärken. Da der Nerz laut IUCN bereits seit 2011 als vom Aussterben bedroht gilt, ist es besonders wichtig, sowohl den Lebensraum zu schützen als auch die Population mit Tieren aus Wiederansiedlungsprojekten zu unterstützen.

Gründe für die Bedrohung sind vor allem der Verlust von Lebensräumen und eine nicht nachhaltige Nutzung, wie zum Beispiel die übermäßige Bejagung oder die Verschmutzung von Gewässern. Die größte Gefahr stellt jedoch die Konkurrenz durch Amerikanische Nerze dar. Sie sind aus Pelzfarmen entkommen oder wurden ohne Rücksicht auf die heimischen Arten freigelassen. Als invasive Art konkurrieren sie mit dem Europäischen Nerz um Nahrung und Lebensraum.

Estland bietet für die Wiederansiedlung des Europäischen Nerzes besonders geeignete Lebensräume mit zahlreichen Gewässern und weitgehend naturnahen Gebieten. Besonders die isolierten Inseln vor der estnischen Küste sind für das Projekt geeignet, da sich der invasive Amerikanische Nerz dort leichter kontrollieren lässt.

Da die Inseln vom Festland getrennt sind, können sich Amerikanische Nerze weniger leicht ausbreiten oder neu einwandern. Dadurch haben die Europäischen Nerze weniger Konkurrenz um Nahrung und Lebensraum und bessere Voraussetzungen, eine stabile Population aufzubauen.

Zucht und Artenschutz

Für den Zoo Neuwied ist der Zuchterfolg nicht nur ein Grund zur Freude, sondern auch eine Bestätigung für das Engagement im Artenschutz. Die erfolgreiche Nachzucht ist Teil eines durchdachten Rotationssystems, das durch den Verein EuroNerz e. V. und den Zoo Tallinn entwickelt wurde. Der Zoo Neuwied unterstützt dies durch die Pflege und Aufzucht von Eltern- und Jungtieren.

EuroNerz e. V. koordiniert die Zucht und Auswilderung der Europäischen Nerze mit dem Ziel, die in Deutschland bereits vor rund 100 Jahren ausgestorbene Art wieder in geeigneten Lebensräumen anzusiedeln.

Der Zoo Neuwied bekommt hierfür eine gedeckte Fähe, die im Gehege in Ruhe ihren Nachwuchs bekommen und versorgen kann. Nach etwa zwei Monaten werden die Welpen von der Mutter getrennt. Diese wird anschließend in die Zuchtstation von EuroNerz e. V. zurückgebracht, um dort für eine erneute Verpaarung eingesetzt zu werden. Die Welpen bleiben anschließend im Zoo Neuwied, bis sie groß genug für die Wiederansiedlung sind.

Kleine Nerze im Zoo

„Bei der Fütterung der Nerze achten wir darauf, einen gewissen Abstand zu den jungen Nerzen zu halten, da sie ansonsten menschenbezogen und somit zutraulich werden könnten. Von uns bekommen sie Nagetiere und häufig auch Süßwasserfische, da die Nerze in der Natur ebenfalls kleine Fische in Bächen erbeuten. Im Hinblick auf die spätere Auswilderung achten wir darauf, ihre natürliche Nahrung möglichst zu simulieren – mit dem Unterschied, dass das Futter aus Gründen des Tierschutzes bei uns nicht lebend angeboten wird“, so Tierpflegerin Petra Becker. „Lebendfutter bekommen sie erst in der Auswilderungsanlage in Estland. Dort gelten zum einen andere Regelungen, zum anderen soll ihnen auf diese Weise das Jagen beigebracht werden. Das funktioniert sehr gut, da Nerze stark auf Bewegungsreize reagieren und dadurch schnell in ihren Jagdtrieb verfallen.“

Ende August war es so weit: Die fünf Welpen verließen einige Wochen nach der Fähe den Zoo und wurden nach Estland transportiert. Auch wenn die Welpen und die Fähe nun nicht mehr im Zoo Neuwied sind, steht das Gehege nicht leer. Zeitgleich mit der Abholung der Welpen ist der neue Rüde in den Zoo Neuwied eingezogen. Der Rüde erkundete bereits kurz nach seiner Ankunft die gesamte Anlage und ist sehr aktiv. Die Chancen, ihn bei einem Zoobesuch zu entdecken, stehen also gut. Er bleibt im Zoo Neuwied, bis im Frühjahr wieder eine gedeckte Fähe kommt, um weiterhin im Rotationssystem des Zuchtprogramms mitzuwirken.

Der Nerz ist ein semiaquatisches Säugetier und benötigt ein Wasserbecken in seinem Gehege. Dort kann er natürliche Verhaltensweisen wie Schwimmen, Tauchen und die Nahrungssuche ausleben.

Der Nerz ist ein semiaquatisches Säugetier und benötigt ein Wasserbecken in seinem Gehege. Dort kann er natürliche Verhaltensweisen wie Schwimmen, Tauchen und die Nahrungssuche ausleben. Foto: Jakob Osterburg

Weitere Themen

Versteckmöglichkeiten im Gehege sind wichtig, damit sich der Nerz bei Bedarf zurückziehen kann. Foto: Jakob Osterburg

BLICK aktuell bei Google bevorzugen
Erhalte mehr Inhalte von uns in deinen Google-Suchergebnissen.
Täglich exklusive Inhalte
Täglich exklusive Inhalte

Das digitale Magazin für Rhein, Ahr und Eifel — jeden Tag eine neue Ausgabe, optimiert fürs Smartphone.

  • 30 Tage gratis
  • Neue Ausgabe jeden Tag
  • Für unterwegs gemacht
Heutige Ausgabe lesen
Blick aktuell
Regio MAGAZIN

Bildergalerien
Bestellung Nr. 4300003040 - W100 - 606  // Motiv EDL
Rheinbacher Ausbildungsmesse
Magazin Rheinbacher Ausbildungsmesse
Anzeige Dentino Club
Sonderseite Flowcraft
Empfohlene Artikel
Frauenchor Singiora im Liederkranz
54

Andernach. In Andernach fand eine beeindruckende Aufführung im Mariendom statt, bei der über 50 Sängerinnen und Sänger aus drei verschiedenen Chören gemeinsam eine Stunde der Chormusik präsentierten. Die beteiligten Chöre waren der Frauenchor Singiora im Liederkranz-Andernach, die Männerchorgemeinschaft Liederkranz-Andernach/MGV Miesenheim und der Frauenkammerchor SoprAlto aus Andernach. Unter der...

Weiterlesen

Baby mit Glockenspiel
37

Andernach. Die Kreismusikschule Mayen-Koblenz plant ab Oktober einen neuen Babygarten-Kurs für Eltern/Großeltern mit Kindern im Alter von neun bis 14 Monaten in Andernach. Unsere Lehrkraft Tanja Schwarz lädt herzlich zur Schnupperstunde am Donnerstag, 24. September, um 11.00 Uhr ins Haus der Familie ein. Der Kursraum über der Stadthausgalerie ist mit Parkhaus und Aufzug zu erreichen.

Weiterlesen

Weitere Artikel
Die Ramersbacher Straße in Ahrweiler.  Foto: ROB
3272

Im Bereich der Ramersbacher Straße wird gebaut:

Ahrweiler: Vollsperrung bis Sommer 2027

Bad Neuenahr-Ahrweiler. Die städtische Aufbau- und Entwicklungsgesellschaft (AuEG) beginnt in der Ramersbacher Straße in Ahrweiler bald eine umfassende Kanalbaumaßnahme. Dabei werden der Regen- und Schmutzwasserkanal sowie Hausanschlüsse erneuert bzw. saniert.

Weiterlesen

Symbolbild.
588

Astrologische Vorschau für die KW 38: Gesundheit, Liebe und Erfolg im Fokus bei den Sternzeichen

Sterne im Blick: Horoskop für die Woche 14. bis 20. September 2026

Die Woche vom 14. bis 20. September bringt Bewegung in festgefahrene Situationen und sorgt bei vielen Sternzeichen für Momente, in denen Entscheidungen nicht länger aufgeschoben werden können. Zwischen beruflichem Ehrgeiz, privaten Bedürfnissen und dem Wunsch nach mehr innerer Ruhe gilt es, die eigenen Kräfte klug einzuteilen. In der Liebe zeigen sich Gefühle mitunter intensiver als erwartet, während...

Weiterlesen

Die Ahr in Kreuzberg im Sommer 2026. Foto: ROB
1028

Friedrich Merz erteilte der Finanzierung der Regenrückhaltebecken über den Wiederaufbaufonds eine Absage:

Rückhaltebecken-Finanzierung: Große Enttäuschung im Ahrtal

Kreis Ahrweiler. Bundeskanzler Friedrich Merz hat schriftlich auf den gemeinsamen Brief der Landkreise Euskirchen, Vulkaneifel und Ahrweiler zur Finanzierung der Hochwasserrückhaltebecken aus Mitteln des Aufbauhilfefonds (siehe gemeinsame Pressemeldung vom 17. Juni 2026) geantwortet. In seinem Antwortschreiben werden verschiedene Gründe angeführt, aus denen die vom den Kreisen vorgeschlagene Verwendung der Mittel des Wiederaufbaufonds aus Sicht des Bundes nicht möglich sei.

Weiterlesen