Ökumenischer Pilgerweg für Klimagerechtigkeit führt Pilger durch Bistum Trier
Kleine Schritte, großes Zeichen
Andernach/Nickenich. Über den Feldern und Wiesen zwischen Andernach und Nickenich hängt in dicken Schwaden der morgendliche Herbstnebel, als schemenhaft ein paar Gestalten in Regenjacken und Wanderschuhen auftauchen. Auf den zweiten Blick wird klar: Es ist keine normale Wandergruppe, die da durch den Nebel stapft, sondern eine Pilgergruppe mit Pilgerstab und einem Banner, auf dem der mehrdeutige Spruch „Geht doch!“ zu lesen ist. Das grün-blaue Logo darunter zeigt es an: Hier sind Pilgerinnen und Pilger mit einer klaren politischen Botschaft unterwegs auf dem ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit. Von Flensburg startete der Weg Mitte September aus in Richtung Paris, wo Ende November die UN-Klimakonferenz stattfindet.
Durch das Bistum Trier verläuft die Etappe von Remagen bis nach Perl, vorbei an sogenannten Schmerz- und Kraftpunkten, die auf aktuelle Klimaherausforderungen der Region und der Welt eingehen. Zwei solcher Punkte passieren auch die 50 Teilnehmer, darunter Dauerpilger und Tagespilger, die nur ein Stück des Weges mitgehen. An der Permakultur in Eich heißt es während einer kurzen Station Kraft tanken. Auf dem Gelände wird mit erneuerbaren Energien gewirtschaftet im Sinne naturnaher Stoffkreisläufe. Es gibt hier Streuobstwiesen, eine „Bienenweide“, einen Gemüsegarten und ein Freigehege mit Nutztieren. Ein paar Kilometer später dann nach einem kurzen Abstieg eine der „Herausforderungen“ an Mensch und Natur: Der Steinbruch bei Nickenich, wo Basalt und Lava abgebaut werden. Im Minutentakt fahren hier die schwer beladenen Lkw vom Werksgelände. Zur Sicherheit für die Pilger hat Ortsbürgermeister Gottfried Busch aus Nickenich einen Unimog geschickt, der die Gruppe sicher bis an den Ortsrand von Nickenich begleitet. „Tolle Idee, da denkt jemand mit“, sind sich die Pilger einig, als sie schließlich den Pfarrsaal von St. Arnulf erreichen, wo erstmal Mittagspause angesagt ist. Zeit, die müden Füße kurz zu entspannen, den Hunger zu stillen und nebenbei noch etwas über den Steinbruch zu lernen. Bürgermeister Busch bringt es auf den Punkt: „Einerseits stellt das Werk seit Jahrzehnten einen wichtigen wirtschaftlichen Faktor für die Region da, andererseits wird massiv in die Natur eingegriffen und es gibt ein hohes Verkehrsaufkommen.“ Für Pastoralreferent Günter Leisch, der die Tagesetappe organisiert hat, ist eine gute Referenz die Enzyklika des Papstes, die genau auf solche Aspekte eingeht, sagt er.
Politisches Pilgern
Auf dieses Spannungsfeld zwischen Ökologie und Ökonomie sind die Pilger auf ihrem Weg sehr oft gestoßen, berichtet Birgit Schmidt, die seit Flensburg mitpilgert. Die 56-Jährige kommt aus Stralsund und erfuhr aus der Kirchenzeitung vom Pilgerweg für Klimagerechtigkeit. „Die Verbindung zwischen dem Pilgern und der politischen Forderung hat mir gefallen. Es ist eben mal eine andere Form, als auf dem Marktplatz mit Flyern zu stehen.“ Die Kerngruppe, die bis nach Paris gehen wird, sei bunt gemischt, erzählt Schmidt, jeder sei mit seiner persönlichen Motivation unterwegs. „Wir erleben eine gute Gemeinschaft. Man zieht auch schon mal jemanden mit, wenn Gedanken ans Aufgeben kommen.“ Während der letzten Wochen seien die Teilnehmer schon zu richtigen Klimaexperten geworden. „Wir haben uns vom Braunkohleabbau bis zu Naturschutzprojekten schon mit vielen Aspekten auf dem Weg beschäftigt. Mir ist vor allem bewusst geworden, wie sehr die Länder des Südens unter unserem Lebensstil leiden.“ Auch für Wolfgang Zarth aus Hamburg ist der nachhaltige Umgang mit unseren Ressourcen wichtig. „Ich habe Kinder und Enkel und möchte, dass auch sie in einer bewohnbaren und guten Welt leben.“ Seit seinem achten Lebensjahr war der evangelische Christ Zarth Mitglied der Pfadfinder - auch das habe ihn geprägt. Der Pilgerweg sei für ihn eine einmalige Herausforderung: „Ich habe gedacht, 1.470 Kilometer gehst du nur einmal im Leben, also habe ich mich hierfür entschieden, denn ich will mich für ein gerechtes Klima einsetzen.“ Am 28. November werden die Pilger in Paris ankommen und werden auch um die Eindrücke aus dem Bistum Trier reicher sein. Wenn er wieder nach Hause kommt, möchte er als erstes sein Dach weiter dämmen und seine kaputte Regenwassernutzungsanlage reparieren. Es seien eben kleine Schritte, die deutlich machen: Klimaschutz - „Geht doch!“.
Pressemitteilung der
Bischöflichen
Pressestelle Koblenz
