Andernach erzählt
Natursteinfachmann Fritz Portz prägt Andernacher Steinmetz-Handwerk
aus Andernach
ANDERNACH. Stein ist ein Material, das Geduld verlangt. Man kann ihn nicht einfach zurücksetzen, wenn einmal zu viel abgetragen wurde. Jeder Schnitt, jeder Schliff und jede Form müssen sitzen. Fritz Portz kennt diese Herausforderung seit Jahrzehnten. Für ihn war die Arbeit mit Natur- und Kunststein nicht einfach ein Beruf, sondern ein Handwerk, das Können, Erfahrung und vor allem Leidenschaft miteinander verbindet.
Seinen beruflichen Weg begann Fritz Portz als Steinmetz, Steintechniker und Steinbildhauer. In Mayen bildete er sich zum Natursteinfachmann weiter, bevor er 1962 seine Meisterprüfung ablegte. Zunächst arbeitete er zwei bis drei Jahre als angestellter Steintechniker bei der Firma Adorf in Mayen. Doch schon bald wagte er den Schritt in die Selbstständigkeit.
In Miesenheim machte sich Fritz Portz als Natursteinfachmann selbstständig. Zu seinen Arbeiten gehörten Fensterbänke, Treppen und Küchenarbeitsplatten ebenso wie Arbeiten auf Friedhöfen und die Gestaltung von Grabmalen. Was nach außen vielleicht nach nüchterner Maßarbeit klingt, konnte für ihn durchaus künstlerische Seiten haben.
Denn besonders die anspruchsvollen Bildhauerarbeiten liebte Fritz Portz. Buchstaben, Rosen, Engel oder Kreuze auf einem Grabstein entstanden nicht einfach mit einer Maschine. Zunächst wurde die Idee gezeichnet oder modelliert. Häufig arbeitete Portz mit Ton, formte daraus ein Hochrelief und entwickelte so eine Vorlage für die spätere Arbeit am Stein.
Solche besonders hochwertigen Bildhauerarbeiten kamen vielleicht zweimal im Jahr vor. Gerade deshalb waren sie für Fritz Portz etwas Besonderes. Hier konnte er das zeigen, was sein Handwerk von reiner maschineller Bearbeitung unterschied: seine eigene Hand, sein Auge und seine Vorstellung davon, wie aus einem Stein etwas ganz Persönliches entstehen konnte.
Doch Fritz Portz arbeitete nicht nur an besonderen Einzelstücken. Ein großer Teil seines Berufs bestand aus ganz praktischen Aufgaben. Ein typischer Arbeitstag führte ihn zunächst zu den Kunden. Maße wurden vor Ort genommen, Abmessungen notiert und anschließend in der Werkstatt umgesetzt. Rohmaterial wurde zugeschnitten und geschliffen. Bei Küchenarbeitsplatten mussten beispielsweise Spül- und Abtropflöcher genau passend vorbereitet werden.
Eine besondere Wendung nahm seine berufliche Geschichte, als auch sein Sohn Frank selbstständig wurde. Aus zwei eigenen Betrieben wurde schließlich ein gemeinsames Unternehmen. Um das Jahr 2000 legten Vater und Sohn ihre Selbstständigkeiten zusammen und gründeten die PORTZ Naturstein GmbH in Andernach. Der Betrieb in Miesenheim wurde aufgegeben und die gemeinsame Arbeit in Andernach fortgeführt. Die heutige PORTZ Naturstein GmbH bietet neben Grabanlagen unter anderem auch Treppen, Fensterbänke, Küchenarbeitsplatten und Wandverkleidungen an.
Für Fritz Portz war dieser Schritt mehr als eine geschäftliche Entscheidung. Gemeinsam mit dem eigenen Sohn einen Betrieb zu führen und wachsen zu sehen, war ein wichtiger Abschnitt seines Lebens.
Heute führt Frank Portz das Unternehmen weiter. Damit ist auch ein Stück der Arbeit seines Vaters erhalten geblieben – wenn auch unter Bedingungen, die sich in den vergangenen Jahren stark verändert haben.
Die Friedhofskultur hat sich geändert und damit sind auch manche Aufträge zurückgegangen. Gleichzeitig fehlt es in vielen Bereichen an Personal. Vor allem die aufwendigen Natursteinarbeiten werden heute zunehmend maschinell ausgeführt.
Fritz Portz sieht diese Entwicklung durchaus differenziert. Maschinen können gerade bei wiederkehrenden Arbeiten eine große Hilfe sein. Sie arbeiten präzise, reduzieren Fehler und können fehlendes Personal teilweise ausgleichen. Ein falsch berechneter Ausschnitt in einer Küchenarbeitsplatte konnte bedeuten, dass die gesamte Platte unbrauchbar wurde.
Allerdings haben moderne Maschinen ihren Preis. Eine Bildhauermaschine kann mehr als eine Million Euro kosten, eine Maschine für Küchenarbeitsplatten mehrere hunderttausend Euro. Anschaffung, Wartung und Unterhalt sind entsprechend teuer.
Trotz aller technischen Möglichkeiten ist Fritz Portz überzeugt, dass das alte Handwerk seinen besonderen Wert behält. Wer heute aus Leidenschaft Steinmetz oder Steinbildhauer werden möchte und die traditionelle Handarbeit kennenlernen will, sollte sich nach seiner Einschätzung dort umsehen, wo noch restauriert wird – beispielsweise in kirchlichen Gebäuden. In Maria Laach oder am Kölner Dom gibt es Arbeiten, die nicht einfach durch moderne Maschinen ersetzt werden können. Eine Kreuzblume mit ihren individuellen Formen lässt sich nicht ohne Weiteres maschinell nachbilden.
Vielleicht liegt genau darin das Besondere, das Fritz Portz an seinem Beruf bis heute fasziniert: Ein Stein ist zunächst nur ein Stück Material. Erst durch die Arbeit des Menschen bekommt er eine Form, eine Bedeutung und manchmal sogar ein Gesicht.
Mit der Geschichte von Fritz Portz geht die monatliche Reihe „Andernach erzählt“ des Seniorenzentrums Katharina Kasper in die nächste Runde. Jeden Monat wird darin die ganz persönliche Geschichte eines Bewohners und damit zugleich ein kleines Stück Andernacher Geschichte erzählt.
Auch ehrenamtlich geschenkte Zeit trägt dazu bei, dass solche Erinnerungen lebendig bleiben.
Interessierte an einem ehrenamtlichen Engagement oder an weiterführenden Informationen können sich bei Dilara Köksal, der Ehrenamtskoordinatorin des Seniorenzentrums Katharina Kasper in Andernach, melden. Sie ist telefonisch unter 02632 307 - 290 oder per E-Mail unter d.koeksal@katharina-kasper-andernach.de erreichbar.
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Links Fritz Portz, rechts sein Sohn Frank Portz, der heute die Portz Naturstein GmbH in Andernach führt. In der Mitte ein Auszug aus einem Buch zur Modellage mit Ton.