Prinzengarde 1896 Andernach e.V
Prunksitzung der Prinzengarde
1000 Narren folgten dem Lockruf der Garde: Mit fast 150 Aktiven unterhielt der Traditionsverein sein Publikum
Andernach. „Hast du Sorgenmienen, fort mit ihnen, fort damit, ja ja, für Trübsal sind andere da“. Als Sitzungspräsident Paul Schmitz bei der Zugabe des Stabsmusikzuges im Finale den Liedtext von „Adieu, mein kleiner Gardeoffizier“ einstimmte, umschrieb er mit diesen Zeilen sehr trefflich, weswegen der Karneval in Andernach hoch im Kurs steht. Als Drittes der vier hiesigen Gesellschaften verstand es die Prinzengarde 1896 Andernach e.V am Wochenende in der Mittelrheinhalle einmal mehr, Frohsinn und Heiterkeit unters närrische Volk zu bringen. 1000 Narren waren verteilt auf beide Veranstaltungstage dem Lockruf der Garde gefolgt, die erstmals seit vielen Jahren ihre Prunksitzung freitags und samstags über die Bühne brachte. Der Stimmung im Saal tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil, von der Sitzungskapelle „Tuschexpress“ stimmungstechnisch bereits in Vorfreude versetzt, stand das Publikum Spalier, als der Musikzug den Elferrat traditionell mit dem „Gardelied“ auf die Bühne spielte. Anschließend steckte die Musikabteilung mit dem „Gruß an Kiel“ den feierlichen Rahmen des Abends ab, ehe Kommandeur Thomas Manstein die Zuschauer zu einem „eisernen Jubiläum“ begrüßte: „Seit 65 Jahren feiern wir bei der Prinzengarde nun schon Prunksitzungen“.
Einige davon hat Seine Tollität als „Privatperson“ miterleben dürfen, diesmal zog er als Prinz Waldemar I. in die Narhalla ein und wurde mitsamt Prinzessin Uschi I. und Gefolge vom Schwesternkorps bejubelt. Um dann unter Beweis zu stellen, dass der „Singende Rheinkadett“ unterstützt vom Hofstaat auch tänzerisch einiges zu bieten hat.
Die Prinzengarde schickte derweil knapp 150 Aktive ins Rennen, die abwechslungsreich kurzweilige Programmpunkte zeigten. Erstmals vor Publikum zeigte sich das neue Kindertanzpaar um Tanzoffizier Lukas Scharrenbach und Mariechen Nala-Emilia Stromberg. In Uniform gekleidet eroberten die beiden Siebenjährigen die Herzen ihrer Zuschauer im Sturm. Die Zugabe gaben beide dann in der Kindertanzgruppe, die unter der Leitung von Steffi Thönnes, Nadine Becker und Bianca Dumoulin-Mogwitz eine sehenswerte Darbietung einstudiert hatten: 24 zuckersüß gekleidete Herzdamen buhlten dabei um die Gunst der drei Startänzer, schmissen mit Konfetti um sich und ernteten jede Menge Applaus. Der war auch Rainer Eichelsbacher gegönnt, gelang ihm doch einmal mehr ein „Eisbrecher-Vortrag“ gespickt mit lustigen, aus dem Leben gegriffenen Anekdoten.
Ähnlich gestrickt waren auch die Ausführungen von Sascha Dames, konzentrierte er sich jedoch im speziellen auf das Zustandekommen alltäglicher Konfliktsituationen. Dass der Kauf eines Papageis mitunter schlimme Konsequenzen haben kann, dürfte jeder Sitzungsbesucher nun wissen. Tänzerisch ließ die Prinzengarde daraufhin auf das kleine ihr großes Tanzpaar folgen und präsentierte Tanzmariechen Jennifer Oberfrank mit Tanzoffizier Sven Roedig. Rasante Pirouetten und schnelle, synchrone Schrittfolgen standen dabei genauso im Mittelpunkt wie beim auf neue Begleitmusik einstudierten Gardetanz, für dessen Gelingen Sven Roedig mit Ela Stromberg verantwortlich zeichneten. Für den humorvollen Part bis hin zur zweimal elfminütigen Verschnaufpause sorgten Jürgen Deböser als aberwitziger Zeitgenosse namens „Titanic“, Gerd und Fred Thelen mit ihrer intergalaktischen Variante von „Gunnar und Hein“ sowie Janos Käfer, der als „Müllmann“ antikarnevalistischen Unrat beseitigte, das in Reimform.
Hoher Unterhaltungswert
Den Vorhang zur zweiten Halbzeit zog der Stabsmusikzug unter der Leitung von Tambourmajor Markus Manstein auf: Ein „Flippers-Medley“, unvergessene Gassenhauer des deutschen Schlagers und Evergreens wie „Sun of Jamaica“ oder „Amarillo“ hatten hohen Unterhaltungswert.
Für den Feinschliff hatte Heinz Reich, der musikalische Leiter jedenfalls gesorgt. Feingeschliffen hatte auch Jürgen Zerwas seinen Vortrag, den er in erprobter Rolle als „Utschebebbes“ darbot. Erwartungsgemäß hatte Gattin „Elviera“ das Jahr über wieder zahlreiche Fettnäpfchen geliefert, die es galt, auf die Schippe zu nehmen. Auch Udo Dames hatte in Arbeiterkluft als bekloppter Hausmeister so einiges zu berichten. Für die Showeffekte der zweiten Sitzungshälfte bot die Garde diesmal drei Tänze auf: Mit einem Höchstmaß an Aktiven widmete sich die „Gemischte Showtanzgruppe“ trainiert von Jenny Oberfrank und Sven Roedig dem Kampf „Schwarz gegen Weiß“.
Die 33 jugendlichen Tänzerinnen und Tänzer demonstrierten dabei nicht nur Masse, sondern auch Klasse. Sirenengeheul rief anschließend das Männerballett auf den Plan: Sie funktionierten die „Feuerwehr“ zu einer „Feierwehr“ um, entledigten sich überflüssiger Kleidungsstücke und brachten mit ihrem „Gangnam Style“ nicht nur ihre Trainerin Lotte Mündnich in Entzückung.
Es war die feurige Einstimmung auf den Finaltanz des Damenshowballetts, das zu Sambarhythmen seine Hüften kreisen ließ und letztmals mit Trainerin Melanie Schulz an der Seite von Melanie Schneider noch mal einen echten „Hingucker“ bildete. Sitzungspräsident Paul Schmitz und Kommandeur Thomas Manstein beorderten daraufhin die Aktivenschar zur Verabschiedung vor die klatschende Menge, ehe schlussendlich der Lockmarsch des „Kleinen Gardeoffiziers“ erklang. Nachklingen werden in jedem Fall die am Wochenende vollzogenen Ehrungen: So verlieh der Verein Willi Troyke den „Ehrenorden mit Brillanten“, die höchste Auszeichnung der Prinzengarde. Paul Schmitz und Ralf Joa tragen von nun an das Hufeisen mit Lorbeerkranz. Zudem zeichnete Festausschusspräsident Lutz Schnitzendöbel Thomas Manstein mit dem großen Verdienstorden seiner Vereinigung aus.
RAU
