Jahreshauptversammlung Historischer Verein
Rückblick und Ausblick
Andernach. In der Jahreshauptversammlung des Historischen Vereins Andernach wurde nach Festlegung der Tagesordnung und dem Totengedenken Rückschau gehalten auf die Exkursionen und Veranstaltungen, die zum Jahresthema „Erster Weltkrieg“ stattgefunden hatten.
Der Vorsitzende, Günter Haffke, wies noch einmal auf die gelungene Ausstellung im Historischen Rathaus, die Stadtexkursionen zu den noch vorhandenen Baudenkmälern, die an die Toten des Ersten Weltkriegs erinnern und die Exkursion nach Verdun hin, die bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Auch die letzte Veranstaltung in der Burg Namedy, „Trost der Musik in Burg und Lazarett“ , wurde als sehr gelungen empfunden. Günter Haffke berichtete unter anderem auch über Gespräche mit der Stadtspitze zur weiteren kulturellen Entwicklung der Stadt Andernach, insbesondere zum Stadtarchiv und zu einem Museumsneubau. Es folgte der Rechenschaftsbericht des Kassenführers Reinhard Gilles zu Ein- und Ausgaben des Vereins. Die Kassenprüfer, Herr Schmidt und Herr Schumacher bescheinigten dem Kassenführer tadellose Arbeit, so dass dem Vorstand Entlastung erteilt werden konnte. Nach der Neu-, beziehungsweise Wiederwahl der Kassenprüfer wurde das neue Jahresthema vorgestellt.
Das Jahresthema 2019, „Wir bauen einen Dom“ , verspricht als Vorbereitung des Jubiläumsjahres des Andernacher „Mariendomes“ 2020 wieder interessante Exkursionen und Vorträge zu verschiedenen Aspekten rund um eine Dombauhütte im Mittelalter. Ein Termin für die erste Exkursion steht bereits fest: Am Samstag, 5. Januar sind die Mitglieder zu einem Besuch ins Schnütgen-Museum in Köln eingeladen mit einer Führung durch die dann bald endende Ausstellung zum sogenannten „Samsonmeister“, der im dreizehnten Jahrhundert sowohl für Skulpturen am Paradies in Maria Laach verantwortlich zeichnet, als auch Portale und Kapitelle an weiteren rheinischen Kirchen schuf, so auch in Andernach. Treffpunkt ist um 12.15 Uhr am Bahnhof Andernach, Führung im Museum in Köln um 14 Uhr. Interessenten melden sich bitte bei Claudia Gesell Tel.: (0 26 32) 49 44 91. Bitte auch mitteilen, ob eine Fahrkarte benötigt wird.
Im Anschluss an die Regularien folgte im zweiten Teil des Abends ein Referat von Dr. Klaus Schäfer: „Eine Revolution findet nicht statt“. Dieser Titel bezog sich dabei auf die Stadt Andernach und die zu betrachtende Zeit Ende des Ersten Weltkrieges. In einem kurzen Abriss zu den Ereignissen und Randbedingungen, die schließlich zur Novemberrevolution in einigen Städten in Deutschland geführt hatten, erinnerte Dr. Schäfer das Publikum an die zehn Millionen Todesopfer des Ersten Weltkrieges, an Hunger und Mangelwirtschaft, an die verfahrene Situation des deutschen Heeres und der Kapitulationsverhandlungen.
Der Befehl vom 24. Oktober zum Auslaufen der Flotte gegen England, welcher von den kriegsmüden Matrosen und Soldaten verweigerte wurde, führte zu einem Aufstand der Matrosen, der wie ein Lauffeuer auf andere Küstenstädte übergriff. Es bildeten sich überall im Reich Soldaten- und Arbeiterräte. Am 7. und 8. November wurden in München und Braunschweig Republiken ausgerufen. Am 9. November verkündete Philipp Scheidemann in Berlin das Ende des Kaiserreichs.
Diese revolutionäre Stimmung findet sich auch in Andernach wieder– allerdings in bescheidenem Ausmaß und sehr angepasst. Eine kleine Gruppe von Arbeitern und Soldaten besetzt das Andernacher Rathaus und hisst die rote Fahne. Da Bürgermeister Rosendahl und Vertreter der bürgerlichen Parteien von Anfang an Gesprächsbereitschaft zeigen, kommt es zu keinen Ausschreitungen. Ein Ausschuss wird gebildet, der sich aus Soldaten, Arbeitern und Bürgern zusammensetzt. Bemerkenswert ist, dass die Bürgerschaft beteiligt ist und, obwohl sie die kleinste Gruppe bildet, den Vorsitzenden stellt. Aufgabe sei vor allem „Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung.“ Wenn man Soldaten in der Stadt sah, so vor allem die durchziehenden Soldaten des deutschen Heeres, die das Rheinland zu räumen hatten, da es zur entmilitarisierten Zone erklärt worden war.
Die Amerikaner, die am 10. Dezember eintrafen, ließen in der Bevölkerung bekannt machen, dass Soldaten-und Arbeiterräte sich auflösen sollten. Als im Oktober des Jahres 1919 schließlich nach dem neuen allgemeinen Wahlrecht die Stadtverordnetenversammlung gewählt wurde, zeigte sich, dass das katholische Zentrum mit 14 Mandaten die meisten Stimmen bekam. Die anderen Parteien wie MSPD (5), Bürgerpartei (4 ) und USPD ( 1) erreichten zusammen nur 10 Mandate. Klaus Schäfer betonte: Das sei die eigentliche Revolution gewesen, dass nun im Stadtrat, in dem vorher eigentlich nur Kaufleute, Unternehmer und reiche Bürger saßen, jetzt Handwerker, Angestellte, Arbeiter und eine erste Frau (Direktorin einer Schule) über die Geschicke der Stadt mitbestimmten.
Das Publikum lobte den Referenten für den interessanten Vortrag.
